Sind Kartoffeln mit Drahtwürmern wirklich essbar?
Die Entdeckung von Drahtwürmern in Ihren frisch geernteten Kartoffeln kann besorgnizzerregend sein. Bevor Sie die betroffenen Knollen aussortieren, stellt sich die dringende Frage: Kann man sie überhaupt noch essen? Grundsätzlich gilt: Kartoffeln, die leichte bis moderate Fraßschäden von Drahtwürmern aufweisen, sind nach sorgfältiger Aufbereitung oft noch verzehrbar.
- Leicht befallene Kartoffeln sind meist essbar.
- Tiefe oder großflächige Fraßschäden mindern die Qualität.
- Hygiene bei der Verarbeitung ist entscheidend.
- Vorbeugung ist der beste Schutz gegen Drahtwürmer.
Die kleinen, gelblich-braunen Larven der Schnellkäfer, bekannt als Drahtwürmer, bohren sich tief in die Kartoffelknollen und hinterlassen typische tunnelartige Gänge. Diese Fraßschäden sehen nicht nur unappetitlich aus, sondern können auch die Lagerfähigkeit der Kartoffeln beeinträchtigen. Sie dienen als Eintrittspforten für Bakterien und Pilze, die zu Fäulnis führen können. Die Entscheidung, ob eine Kartoffel noch essbar ist, hängt maßgeblich vom Ausmaß des Befalls und dem Zustand der Knolle ab.
Es ist wichtig zu verstehen, dass Drahtwürmer selbst keine giftigen Substanzen in die Kartoffel einbringen. Das Hauptproblem liegt in den mechanischen Schäden und den dadurch erhöhten Risiken für Sekundärinfektionen. Wenn Sie unsicher sind, ist es besser, auf Nummer sicher zu gehen und die Knolle zu entsorgen, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden.
Was genau sind Drahtwürmer und wie befallen sie Kartoffeln?
Wie entstehen diese ungewollten Gäste in Ihrem Kartoffelacker oder -beet? Drahtwürmer sind die Larven von Schnellkäfern, einer Familie von Käfern, die in verschiedenen Lebensräumen vorkommen. Die erwachsenen Käfer legen ihre Eier bevorzugt in Böden ab, die reich an organischer Substanz sind, oft nach einer Gründüngung mit Leguminosen oder in Böden, die zuvor eine Rasenfläche waren.
Die Larvenentwicklung ist langwierig; es kann zwei bis fünf Jahre dauern, bis ein Drahtwurm ausgewachsen ist und sich verpuppt. Während dieser Zeit ernähren sich die Drahtwürmer von Wurzeln, Rhizomen und eben auch von Kartoffeln. Sie bevorzugen feuchte Böden und sind besonders aktiv im Frühjahr und Herbst. Ihre Fraßweise ist charakteristisch: Sie bohren sich durch die Kartoffel und hinterlassen dabei röhrenförmige Gänge, die oft mit Erde gefüllt sind. Diese Gänge können oberflächlich sein oder tief in die Knolle reichen.
Ein Befall mit Drahtwürmern ist meist kein Zeichen für schlechte Pflege, sondern eher für bestimmte Bodenbeschaffenheiten oder Fruchtfolgen. Böden, die über längere Zeit nicht umgegraben wurden oder einen hohen Anteil an Gräsern und Unkräutern aufweisen, bieten ideale Bedingungen für Schnellkäfer zur Eiablage und für die Larven zum Überleben. Auch feuchte Sommer können die Population begünstigen.
Die typischen Fraßspuren erkennen
Die Anzeichen eines Drahtwurmbefalls sind meist eindeutig. Suchen Sie nach kleinen, zylindrischen Löchern, die sich durch die Kartoffel ziehen. Diese Gänge sind oft nur wenige Millimeter breit und können sich über die gesamte Oberfläche oder tief ins Innere der Knolle erstrecken. Im Gegensatz zu den rundlichen Larven von Dickmaulrüsslern, die eher oberflächliche, schabende Schäden verursachen, hinterlassen Drahtwürmer echte Tunnel.
Wenn Sie eine Kartoffel schälen und diese Gänge entdecken, ist der Befall offensichtlich. Die Drahtwürmer selbst sind hart, segmentiert und haben eine gelbliche bis braune Farbe. Sie sind sehr beweglich, wenn man sie aus der Kartoffel entfernt. Die Bedeutung der Fraßschäden liegt nicht nur im direkten Verlust von Kartoffelmasse, sondern auch darin, dass diese Wunden der ideale Nährboden für Fäulniserreger werden.
Wie beurteilen Sie den Schaden: Was macht eine Kartoffel ungenießbar?
Nicht jeder Drahtwurm-Fraß macht eine Kartoffel automatisch ungenießbar. Die Beurteilung hängt von mehreren Faktoren ab, vor allem vom Ausmaß des Schadens und dem Zustand der Kartoffel. Eine Faustregel besagt: Wenn die Gänge nur oberflächlich sind und die Kartoffel fest und ohne Anzeichen von Fäulnis ist, kann sie meist noch bedenkenlos verwendet werden.
Entscheidend ist die Tiefe und Ausdehnung der Fraßgänge. Sind die Gänge nur wenige Millimeter tief und lassen sich leicht wegschneiden, ist das kein Problem. Sie können die betroffenen Stellen großzügig ausschneiden, ähnlich wie man es bei einem Wurmstich bei Äpfeln tun würde. Achten Sie darauf, dass Sie das gesamte geschädigte Gewebe entfernen. Das Fruchtfleisch sollte dabei noch gesund und fest aussehen.
Eine Kartoffel ist definitiv nicht mehr essbar, wenn die Fraßschäden so tief und weitläufig sind, dass ein Großteil der Knolle betroffen ist. Ebenso, wenn die Gänge Anzeichen von Fäulnis zeigen: weiches, matschiges Fruchtfleisch, unangenehmer Geruch oder sichtbarer Schimmelbefall. In solchen Fällen ist die Gefahr von Bakterien- oder Pilzinfektionen zu hoch, und die Kartoffel sollte über den Biomüll entsorgt werden. Das gilt auch, wenn die Kartoffel trotz Fraßschäden schlecht riecht oder sich seltsam anfühlt.
Praktische Tipps zur Schadensbegrenzung
Um das Beste aus leicht befallenen Kartoffeln herauszuholen, ist die richtige Verarbeitung entscheidend. Entfernen Sie alle sichtbaren Fraßschäden großzügig mit einem scharfen Messer. Achten Sie darauf, dass Sie auch ein kleines Stück gesundes Gewebe um die Wunde herum entfernen, um sicherzugehen, dass keine versteckten Schäden oder beginnende Fäulnis zurückbleiben.
Für Kartoffeln, die nur leichte oberflächliche Schäden aufweisen, eignen sich Zubereitungen, bei denen die Kartoffeln geschält und/oder zerkleinert werden. Gekochte Kartoffeln, Kartoffelpüree, Suppen oder Eintöpfe sind gute Optionen. Bei Kartoffelpuffer oder Bratkartoffeln, bei denen die Schale teilweise sichtbar bleibt, sollten Sie besonders sorgfältig sein oder auf diese verzichten, wenn die Schäden nicht vollständig entfernt werden können.
Wie bereitet man befallene Kartoffeln sicher zu?
Wenn Sie entschieden haben, dass Ihre Kartoffeln trotz Drahtwurmbefall noch essbar sind, ist die richtige Zubereitung der Schlüssel zur Sicherheit und zum Genuss. Der Prozess beginnt mit einer gründlichen Reinigung und der sorgfältigen Entfernung aller geschädigten Bereiche. Dies ist der wichtigste Schritt, um sicherzustellen, dass keine unerwünschten Bakterien oder Pilze in Ihre Mahlzeit gelangen.
Beginnen Sie damit, die Kartoffeln unter fließendem Wasser abzubürsten, um Erde und Schmutz zu entfernen. Untersuchen Sie dann jede Kartoffel sorgfältig auf Fraßschäden. Verwenden Sie ein scharfes Messer, um alle sichtbaren Gänge und das umliegende, möglicherweise leicht verfärbte oder weich gewordene Gewebe großzügig auszuschneiden. Schneiden Sie lieber etwas mehr weg als zu wenig. Das Ziel ist, nur das gesunde, feste Kartoffelfleisch zu behalten.
Nachdem Sie alle beschädigten Stellen entfernt haben, können Sie die Kartoffeln wie gewohnt weiterverarbeiten. Kochen, Braten, Backen oder Pürieren sind allesamt geeignete Methoden. Die Hitze der Zubereitung tötet eventuell noch vorhandene Oberflächenkeime ab. Achten Sie darauf, dass die Kartoffeln während des Kochvorgangs vollständig durchgegart sind.
Das richtige Rezept für leicht befallene Kartoffeln
Bestimmte Gerichte eignen sich besser als andere, um Kartoffeln mit leichten Schäden zu verwenden. Suppen und Eintöpfe sind ideal, da die Kartoffeln ohnehin zerkleinert und intensiv gegart werden. Kartoffelpüree ist ebenfalls eine ausgezeichnete Wahl, da alle Spuren von Fraßschäden leicht entfernt und die Kartoffeln püriert werden, sodass Unebenheiten nicht auffallen.
Wenn Sie Kartoffeln für Salate verwenden möchten, stellen Sie sicher, dass die Schnittflächen, an denen die Gänge waren, vollständig entfernt wurden. Für Gerichte, bei denen die Schale mitgegessen wird (wie Rosmarinkartoffeln aus dem Ofen), sollten Sie nur Kartoffeln ohne sichtbare Schäden verwenden. Generell gilt: Je stärker die Kartoffel verarbeitet wird, desto unbedenklicher ist die Verwendung von Kartoffeln mit leichten, aber sorgfältig entfernten Fraßschäden.
Vorbeugung von Drahtwürmern im Kartoffelacker
Die beste Strategie im Kampf gegen Drahtwürmer ist die Vorbeugung. Auch wenn ein vollständiges Ausrotten oft schwierig ist, gibt es bewährte Methoden, um den Befall in Ihrem Garten deutlich zu reduzieren und Ihre Kartoffelernte zu schützen. Ein gesunder Boden und eine kluge Fruchtfolge sind dabei Ihre wichtigsten Werkzeuge.
Ein entscheidender Faktor ist die Bodenvorbereitung. Eine intensive Lockerung des Bodens, idealerweise im Herbst, kann viele Drahtwürmer freilegen und sie so Insekten, Vögeln oder dem Frost zum Opfer fallen lassen. Das Umgraben zerstört ihre unterirdischen Gänge und stört ihre Lebensweise. Vermeiden Sie es, frisch gemähten Rasen oder frisch eingearbeitete Gründüngung (insbesondere Leguminosen) direkt vor der Kartoffelpflanzung in den Boden einzuarbeiten, da dies Schnellkäfer anlockt.
Eine gute Fruchtfolge ist essenziell. Kartoffeln sollten nicht jedes Jahr am selben Standort angebaut werden. Planen Sie eine Anbaupause von mindestens drei bis vier Jahren ein. Pflanzen Sie dazwischen Kulturen, die den Boden weniger anfällig für Drahtwürmer machen oder diese sogar reduzieren. Beispiele hierfür sind Hülsenfrüchte, Zwiebeln oder Knoblauch, die von vielen Drahtwürmern gemieden werden.
Natürliche Helfer und Bodenmanagement
Die Förderung natürlicher Fressfeinde kann ebenfalls helfen. Vögel, wie Amseln oder Stare, picken gerne Drahtwürmer aus dem Boden, besonders wenn dieser aufgelockert ist. Eine vielfältige Gartenumgebung mit Unterschlupfmöglichkeiten für Nützlinge ist daher vorteilhaft.
Die richtige Bewässerung spielt ebenfalls eine Rolle. Drahtwürmer bevorzugen feuchte Bedingungen. Vermeiden Sie übermäßige Staunässe. Ein gut drainierter Boden ist weniger attraktiv für sie. Auch das Management von Unkraut ist wichtig, da einige Unkrautarten als Wirtspflanzen für Schnellkäferlarven dienen können.
Maßnahmen zur direkten Reduzierung
Als eine direkte Methode können Sie sogenannte Lockpflanzen einsetzen. Säen Sie im Frühjahr Raps oder Weizen an den Rändern Ihrer Kartoffelbeete. Die Drahtwürmer werden von diesen Pflanzen angezogen und fressen sich in die Keimlinge. Nach einigen Wochen können Sie die Lockpflanzen samt der dort versammelten Drahtwürmer ausreißen und entsorgen. Dies reduziert die Population im Hauptbeet.
Experimentieren Sie mit verschiedenen Sorten von Kartoffeln. Es gibt Hinweise darauf, dass frühe Sorten oft weniger stark befallen werden als späte Sorten, da sie schneller geerntet werden, bevor die Drahtwürmer ihre volle Aktivität entfalten oder ihre Fraßaktivität stark zunimmt. Achten Sie auf resistente oder weniger anfällige Sorten, wenn diese verfügbar sind.
Alternativen zu Kartoffeln: Was tun bei starkem Befall?
Wenn Ihre Kartoffelernte durch Drahtwürmer stark dezimiert wurde und die meisten Knollen tiefe Fraßschäden aufweisen, ist es verständlich, dass Sie nach Alternativen suchen oder überlegen, wie Sie mit einem solchen Problem umgehen. Ein starker Befall kann entmutigend sein, aber es gibt Wege, damit umzugehen, ohne die Hoffnung auf eine erfolgreiche Gartensaison aufzugeben.
Zunächst ist es ratsam, die Ernte zu analysieren. Selbst wenn viele Kartoffeln betroffen sind, gibt es vielleicht noch einige wenige, die nur oberflächliche oder gar keine Schäden aufweisen. Diese sollten Sie sorgfältig aufbereiten und verbrauchen. Die nicht mehr genießbaren Kartoffeln gehören auf den Kompost, um eine weitere Ausbreitung der Larven zu vermeiden, falls Sie den Kompost wieder im Garten verwenden möchten. Eine gründliche Kompostierung tötet die Schädlinge ab.
Wenn der Drahtwurmbefall in Ihrem Garten chronisch und sehr stark ist, sollten Sie überlegen, ob der Anbau von Kartoffeln in diesem Beet für die nächste Saison sinnvoll ist. Vielleicht ist es besser, auf andere Kulturen auszuweichen, die weniger anfällig für Drahtwürmer sind.
Gemüse, das Drahtwürmer meidet
Es gibt zahlreiche Gemüsesorten, die von Drahtwürmern weitgehend verschont bleiben. Dazu gehören beispielsweise:
- Bohnen (Stangen- und Buschbohnen)
- Erbsen
- Salate (Kopfsalat, Pflücksalat)
- Spinat
- Radieschen
- Zwiebeln und Knoblauch
- Kohlarten (Brokkoli, Blumenkohl, Weißkohl, Rotkohl)
- Tomaten und Paprika (obwohl sie anfällig für andere Schädlinge sein können)
Diese Pflanzen haben oft andere Wurzelsysteme oder ihre Stoffe im Boden wirken abschreckend auf Drahtwürmer. Durch den Anbau dieser Kulturen auf den Flächen, die stark von Drahtwürmern betroffen waren, können Sie das Bodenleben regenerieren und die Drahtwurmpopulation über die Zeit reduzieren, ohne auf den Anbau von Gemüse ganz verzichten zu müssen.
Verbesserung der Bodenstruktur
Ein weiterer Ansatz bei starkem Befall ist die Verbesserung der Bodenstruktur. Ändern Sie die Beschaffenheit Ihres Bodens, um ihn für Drahtwürmer unattraktiver zu machen. Dies kann durch die Einarbeitung von gut verrottetem Kompost oder organischem Material geschehen, um die Drainage zu verbessern. Ein leichter, gut durchlüfteter Boden ist weniger einladend für die Larven als ein schwerer, lehmiger und feuchter Boden.
Sie könnten auch überlegen, den Boden mit speziellen Bodenhilfsstoffen zu behandeln, die das Bodenleben fördern und die Konkurrenz für Drahtwürmer erhöhen. Eine gründliche Bodenanalyse kann Aufschluss darüber geben, welche Nährstoffe fehlen oder welche Bodenverbesserungen am effektivsten wären.
Drahtwürmer vs. andere Kartoffelschädlinge: Worauf Sie achten sollten
Die Fraßschäden, die Drahtwürmer in Kartoffeln hinterlassen, sind zwar ärgerlich, aber oft mit anderen Schädlingen zu verwechseln. Es ist wichtig, den Schädling korrekt zu identifizieren, um die richtigen Vorbeugungs- und Bekämpfungsmaßnahmen ergreifen zu können. Die Merkmale der Schäden und die Schädlinge selbst unterscheiden sich deutlich.
Während Drahtwürmer röhrenförmige Gänge in die Kartoffel bohren, verursachen andere Schädlinge wie die Larven des Dickmaulrüsslers eher oberflächliche, schabende oder abgerundete Fraßstellen, die wie ein kleiner Krater aussehen. Diese Larven sind cremeweiß und haben einen charakteristischen roten Kopf. Sie leben ebenfalls im Boden, sind aber nicht mit den Drahtwürmern verwandt.
Auch die Larven der Erdfliege (Blattminierfliege) können Probleme verursachen, hinterlassen aber eher oberflächliche minenartige Gänge oder Verfärbungen, die meist nicht tief ins Innere reichen. Schnecken können ebenfalls Fraßlöcher verursachen, diese sind jedoch oft unregelmäßiger und von Schleimspuren begleitet.
Die Identifizierung des Übeltäters
Der Schlüssel zur korrekten Diagnose liegt oft in der direkten Beobachtung der Larven. Drahtwürmer sind länglich, hart und gelblich-braun. Sie ähneln einem Stück Draht, daher ihr Name. Sie sind sehr beweglich und können sich schnell winden, wenn man sie aus der Erde oder der Kartoffel entfernt.
Wenn Sie sich unsicher sind, welche Art von Schädling Ihre Kartoffeln befallen hat, versuchen Sie, ein oder zwei Exemplare des Schädlings zu fangen, wenn Sie die betroffenen Stellen untersuchen. Machen Sie Fotos von den Schäden und den Schädlingen, falls möglich, und vergleichen Sie diese mit Abbildungen in Gartenbüchern oder auf spezialisierten Websites. Manche Gartencenter oder landwirtschaftlichen Beratungsstellen bieten auch Bestimmungshilfen an.
Das Wissen um den spezifischen Schädling ist entscheidend, da sich die Lebenszyklen und Vorlieben unterscheiden. Beispielsweise sind Dickmaulrüsslerlarven am aktivsten im Herbst und Frühjahr, während Drahtwürmer oft über einen längeren Zeitraum aktiv sind und auch im Sommer Schaden anrichten können, besonders bei trockeneren Bedingungen, wo sie nach Feuchtigkeit suchen.
Eine korrekte Identifizierung hilft Ihnen auch bei der Auswahl der richtigen Vorbeugungsstrategie. Maßnahmen, die gegen Drahtwürmer wirksam sind, sind nicht unbedingt gegen Dickmaulrüsslerlarven oder Schnecken wirksam. Eine gezielte Bekämpfung ist immer effektiver als eine breit gefächerte, unspezifische Anwendung.
Gesetzliche Regelungen und Lebensmittelhygiene
Obwohl Drahtwürmer in Kartoffeln primär ein landwirtschaftliches und kulinarisches Problem darstellen, sind sie im Kontext der Lebensmittelhygiene von Bedeutung. Die Gesetzgebung zur Lebensmittelsicherheit zielt darauf ab, Verbraucher vor gesundheitlichen Risiken zu schützen, die durch den Verzehr von kontaminierten oder beschädigten Lebensmitteln entstehen könnten. Was bedeutet das für Sie als Hobbygärtner oder Konsument?
Die Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit, wie sie beispielsweise in der EU durch die Allgemeine Lebensmittel-Verordnung (EG) Nr. 178/2002 festgelegt sind, besagen, dass Lebensmittel nicht verkehrsfähig sind, wenn sie gesundheitsschädlich sind. Ein starker Befall von Kartoffeln mit Drahtwürmern, der zu Fäulnis oder dem Eintritt von Krankheitserregern führt, kann eine Kartoffel als gesundheitsschädlich einstufen.
Für den Hausgebrauch bedeutet dies, dass Sie als Konsument die Verantwortung tragen, Lebensmittel auf ihre Genießbarkeit zu prüfen. Wenn eine Kartoffel offensichtlich verdorben ist, stark beschädigt wurde oder Anzeichen von Fäulnis zeigt, sollte sie nicht verzehrt werden. Dies ist Teil der Eigenverantwortung für die Lebensmittelsicherheit in Ihrem Haushalt.
Der Unterschied zwischen Handel und Privatgebrauch
Im gewerblichen Handel gelten strengere Kriterien. Kartoffeln, die für den Verkauf bestimmt sind, müssen bestimmten Qualitätsnormen entsprechen. Ein erheblicher Drahtwurmbefall, der die äußere Beschaffenheit oder die innere Qualität beeinträchtigt, kann dazu führen, dass die Ware als nicht verkaufsfähig eingestuft wird. Die Vermarktung von stark beschädigten Kartoffeln wäre ein Verstoß gegen die Lebensmittelhygieneverordnung.
Für den privaten Anbau und Verzehr sind die Regeln flexibler, aber nicht weniger wichtig für die Gesundheit. Die Grundprinzipien der Hygiene und der sorgfältigen Prüfung der Lebensmittel bleiben dieselben. Es geht darum, Risiken zu minimieren, die durch den Verzehr von potenziell kontaminierten oder verdorbenen Lebensmitteln entstehen könnten.
Wenn Sie unsicher sind, ob eine Kartoffel noch gut ist, denken Sie an die Grundregeln der Lebensmittelhygiene: Riecht sie komisch? Ist sie matschig oder schimmelig? Zeigt sie Anzeichen von starker Verderbnis? Wenn Sie solche Anzeichen bemerken, ist es ratsam, das Lebensmittel zu entsorgen, um auf der sicheren Seite zu sein. Der Verzehr von Lebensmitteln, die verdorben sind oder durch Schädlinge stark beeinträchtigt wurden, kann zu Magen-Darm-Erkrankungen führen.
Drahtwürmer in Kartoffeln: Wann ist der Zeitpunkt für den Verzehr kritisch?
Die Frage, wann genau der Verzehr von Drahtwürmer-befallenen Kartoffeln kritisch wird, hängt nicht nur vom Ausmaß des mechanischen Schadens ab, sondern auch von sekundären Effekten. Drahtwürmer selbst sind nicht giftig, aber die von ihnen geschaffenen Eintrittspforten können zu Problemen führen, die den Verzehr unsicher machen.
Der kritische Punkt ist erreicht, wenn die Fraßgänge als Eintrittsstellen für Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze dienen. Diese können Krankheiten verursachen. Wenn die Kartoffel beginnt, weich zu werden, unangenehm zu riechen oder sichtbare Anzeichen von Schimmel zeigt, ist sie definitiv nicht mehr zum Verzehr geeignet. Dies geschieht oft, wenn die Kartoffeln nach der Ernte falsch gelagert werden oder wenn der Befall bereits vor der Ernte sehr stark war und die Knolle angefangen hat zu faulen.
Auch der Lagerungszustand spielt eine Rolle. Kartoffeln mit leichten Drahtwurmschäden können sich bei falscher Lagerung (zu warm, zu feucht) schneller verschlechtern. Die Gänge können dann schneller von Fäulnisbakterien besiedelt werden. Daher ist eine kühle, dunkle und gut belüftete Lagerung für alle Kartoffeln wichtig, besonders aber für solche mit Beschädigungen.
Die Rolle der Keimung
Manchmal werden Kartoffeln, die Drahtwürmer aufweisen, auch bereits leicht keimend gelagert. Sind keimende Kartoffeln noch essbar? Ja, in der Regel schon, solange die Keime kurz sind und die Kartoffel selbst noch fest ist. Lange, grüne Keime oder eine weich gewordene Kartoffel sollten jedoch nicht mehr gegessen werden, da sie Solanin enthalten können, eine schwach giftige Substanz. Wenn Ihre kartoffeln keimen und von Drahtwürmern befallen sind, entfernen Sie die Keime und die Fraßschäden sehr sorgfältig. Dies erhöht das Risiko, aber bei sorgfältiger Entfernung des gesamten geschädigten Bereichs und der Keime können sie noch verwendet werden.
Die Kombination aus Drahtwurmbefall und beginnender Keimung erfordert besondere Vorsicht. Entfernen Sie sowohl die Fraßschäden als auch alle Keime und das leicht grünlich verfärbte Fleisch um die Augen herum. Was übrig bleibt, sollte fest und geruchsneutral sein. Wenn Sie dennoch Bedenken haben, ist es immer besser, die Knolle zu entsorgen, anstatt ein Risiko einzugehen.
Generell gilt: Vertrauen Sie Ihren Sinnen. Wenn etwas nicht gut aussieht, riecht oder sich anfühlt, ist es wahrscheinlich auch nicht mehr gut zu essen. Bei Kartoffeln mit Drahtwurmbefall ist diese Vorsicht umso mehr geboten, da die Schäden eine schnelle Verschlechterung begünstigen können.
