Was ist Essigsäure und wie wirkt sie gegen Unkraut?
Essigsäure, besser bekannt als Essig, ist eine organische Säure, die in vielen Haushalten als vielseitiges Reinigungsmittel und zur Lebensmittelkonservierung dient. Ihre Fähigkeit, Zellmembranen aufzubrechen, macht sie zu einem wirksamen, wenn auch nicht selektiven, Mittel zur Unkrautbekämpfung. Wenn Essigsäure auf Pflanzenblätter trifft, dringt sie in die Zellen ein, schädigt deren Struktur und führt zum Austrocknen und Absterben des oberirdischen Pflanzenteils. Die Konzentration des Essigs spielt dabei eine entscheidende Rolle: Haushaltsessig (meist 5% Säure) ist weniger potent als beispielsweise konzentrierte Essigsäure (oft 25% oder höher), die im Gartenfachhandel erhältlich ist.
Die Wirkung ist rein oberflächlich. Das bedeutet, dass die Wurzeln des Unkrauts, insbesondere bei tiefwurzelnden Arten, oft intakt bleiben und die Pflanze nach einiger Zeit wieder austreiben kann. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu systemischen Herbiziden, die in die Pflanze eindringen und diese von innen heraus bekämpfen. Essigsäure wirkt daher am besten bei jungen, einjährigen Unkräutern oder zur regelmässigen Pflege, um ein starkes Nachwachsen zu verhindern. Die Anwendung sollte gezielt erfolgen, um unnötige Schäden an gewünschten Pflanzen oder der Umwelt zu vermeiden. Die Entscheidung für Essigsäure als Unkrautvernichter ist oft von der Suche nach einer Alternative zu chemischen Pestiziden geprägt.
- Essigsäure zerstört oberirdische Pflanzenteile durch Zellschädigung.
- Die Wirkung ist nicht selektiv und schädigt auch gewünschte Pflanzen.
- Tiefwurzelndes Unkraut kann nach der Anwendung wieder austreiben.
- Konzentrierter Essig wirkt stärker, birgt aber höhere Risiken.
Anwendungsbereiche: Wo ist Essigsäure gegen Unkraut am effektivsten?
Die Stärke von Essigsäure liegt in ihrer Anwendung auf harten, befestigten Flächen, wo eine Beschädigung von Nutzpflanzen oder Ökosystemen minimiert werden kann. Dies umfasst vor allem Pflasterwege, Terrassen, Einfahrten und Steingärten. Auf diesen Flächen kann sich Unkraut oft hartnäckig in den Fugen zwischen Pflastersteinen oder Platten festsetzen. Hier ist die mechanische Entfernung mühsam und die Essigsäurelösung kann gezielt in die Ritzen gesprüht werden, um das dort wachsende Unkraut zu bekämpfen. Das Ziel ist, eine flächendeckende Ausbreitung zu verhindern und die Ästhetik der Aussenbereiche zu erhalten.
Eine weitere beliebte Anwendung ist die Bekämpfung von Unkraut an Hauswänden oder in Kiesbeeten. Auch hier ist die gezielte Anwendung entscheidend. Die Effektivität von Essigsäure auf unbefestigten Beeten, in denen auch Blumen oder Gemüse wachsen, ist jedoch stark begrenzt und birgt erhebliche Risiken. Die Säure ist nicht wählerisch und kann auch die Wurzeln und Blätter Ihrer Zier- oder Nutzpflanzen angreifen, was zu deren Absterben führen kann. Daher ist die sorgfältige Abwägung des Anwendungsortes essenziell, um unerwünschte Schäden zu vermeiden und die gewünschte Wirkung zu erzielen. Achten Sie darauf, dass die Lösung nicht in Grundwasser oder Gewässer gelangt.
Unkraut in Fugen und Pflastersteinen
Besonders hartnäckig zeigt sich Unkraut in den schmalen Spalten zwischen Pflastersteinen oder Terrassendielen. Hier sammelt sich Feuchtigkeit und Erde, was ideale Bedingungen für die Keimung schafft. Essigsäure kann hier durch ihre flüssige Form gut eindringen. Sie ist eine Alternative zur mechanischen Entfernung mit einem Fugenkratzer oder zum Einsatz von Heisswasser. Die Anwendung erfordert oft mehrere Durchgänge, besonders wenn das Unkraut bereits tief verwurzelt ist. Das Ergebnis ist oft ein optisch ansprechenderes Erscheinungsbild der befestigten Flächen, da die Fugen wieder sauber und frei von störenden Pflanzen sind.
Essigsäure auf Kieswegen und Schotterflächen
Auch auf Kieswegen oder Schotterflächen kann sich unerwünschter Bewuchs einstellen. Hier bietet Essigsäure eine Möglichkeit, den Aufwuchs zu kontrollieren, ohne den Kies oder Schotter selbst zu verändern. Wichtig ist auch hier die gezielte Applikation, damit die Säure nicht unkontrolliert auf angrenzende Grünflächen oder in sensible Bereiche des Gartens gelangt. Die regelmässige Anwendung kann helfen, eine starke Verunkrautung zu verhindern und die gewünschte Optik der Schotter- oder Kieswege zu erhalten.
Wann Sie Essigsäure besser meiden sollten
Essigsäure ist keine Wunderwaffe und sollte nicht auf Rasenflächen oder in direkter Nähe zu wertvollen Pflanzen angewendet werden. Auch in der Nähe von Gewässern oder auf Flächen, wo die Säure ins Grundwasser gelangen könnte, ist Vorsicht geboten. Ihre Wirkung ist nicht selektiv, und die Umweltverträglichkeit bei unsachgemässer Anwendung kann fraglich sein. Für diese Bereiche gibt es oft bessere und schonendere Alternativen, die wir später noch beleuchten werden.
Anwendungstipps für Essigsäure gegen Unkraut
Die richtige Anwendung von Essigsäure gegen Unkraut maximiert die Effektivität und minimiert gleichzeitig potenzielle Risiken für Umwelt und Gesundheit. Beginnen Sie damit, die passende Konzentration zu wählen. Haushaltsessig (ca. 5%) ist für junge, schwache Pflanzen geeignet, während konzentriertere Essigsäure (10-25%) bei hartnäckigerem Bewuchs nötig sein kann. Beachten Sie jedoch, dass höhere Konzentrationen auch aggressiver sind und mehr Vorsicht erfordern. Es ist ratsam, mit einer niedrigeren Konzentration zu beginnen und bei Bedarf zu steigern.
Tragen Sie immer geeignete Schutzkleidung. Dazu gehören säurefeste Handschuhe, eine Schutzbrille und gegebenenfalls eine lange Hose und ein langärmeliges Oberteil. Die Säure kann Haut und Augen reizen. Verwenden Sie zum Aufsprühen eine Gartenspritze oder eine Sprühflasche. Achten Sie darauf, dass die Sprühdüse fein eingestellt ist, um eine gezielte Benetzung der Unkrautblätter zu gewährleisten und ein Abtragen durch Wind zu vermeiden. Die Anwendung erfolgt am besten an einem sonnigen, warmen und windstillen Tag, da die Sonne und Wärme die Wirkung der Essigsäure verstärken.
Die richtige Konzentration wählen
Die Wahl der Essigsäurekonzentration ist entscheidend. Während 5%iger Essig im Haushalt alltäglich ist, erzielen Sie im Garten oft bessere Ergebnisse mit 10%iger oder sogar 25%iger Essigsäure. Diese höheren Konzentrationen sind im Fachhandel erhältlich und sollten mit Bedacht eingesetzt werden. Eine zu hohe Konzentration kann unnötige Schäden an Oberflächen wie Beton oder Naturstein verursachen. Testen Sie die Wirkung und Verträglichkeit an einer kleinen, unauffälligen Stelle, bevor Sie grössere Flächen behandeln. Die richtige Dosierung ist der Schlüssel zum Erfolg.
Schutzkleidung und Sicherheitsvorkehrungen
Sicherheit geht vor. Essigsäure ist reizend. Tragen Sie beim Umgang mit konzentrierter Essigsäure unbedingt säurefeste Handschuhe, eine Schutzbrille und langärmelige Kleidung. Vermeiden Sie das Einatmen der Dämpfe, besonders bei höheren Konzentrationen. Sorgen Sie für gute Belüftung. Bewahren Sie die Säure ausserhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren auf. Eine unsachgemässe Handhabung kann zu Hautreizungen, Verätzungen oder Augenschäden führen. Achten Sie darauf, dass die Spritzflüssigkeit nicht in Ihre Augen oder auf die Haut gelangt.
Testen Sie die Wirkung und Oberflächenverträglichkeit an einer kleinen, unauffälligen Stelle, bevor Sie grössere Flächen behandeln, besonders bei empfindlichen Materialien wie Naturstein oder bestimmten Kunststoffen.
Gezieltes Aufsprühen zur Vermeidung von Schäden
Das A und O bei der Anwendung von Essigsäure ist die Präzision. Sprühen Sie die Lösung nur auf die zu entfernenden Unkräuter. Vermeiden Sie, dass die Flüssigkeit auf gewünschte Pflanzen, die umgebende Erde oder empfindliche Oberflächen gelangt. Eine feine Zerstäubung ist hierbei vorteilhaft. Bei hartnäckigem Unkraut in Pflasterfugen kann es auch sinnvoll sein, die Flüssigkeit vorsichtig mit einem Pinsel oder einer kleinen Giesskanne direkt in die Fugen zu träufeln, anstatt grossflächig zu sprühen. So minimieren Sie das Risiko von Sekundärschäden.
Essig-Salz-Mischung gegen Unkraut: Sinnvoll oder nicht?
Die Idee, Essigsäure und Salz zu mischen, um die Unkrautbekämpfung zu intensivieren, ist weit verbreitet. Salz (Natriumchlorid) ist als dehydrierendes Mittel bekannt und kann ebenfalls Pflanzen austrocknen. In Kombination mit Essigsäure, die die Zellstruktur angreift, soll die Wirkung verstärkt werden. Theoretisch mag dies funktionieren, um das Unkraut schneller absterben zu lassen. Die Kombination birgt jedoch erhebliche Risiken, die oft unterschätzt werden. Salz ist ein Bodensalz und kann bei wiederholter Anwendung den Boden nachhaltig schädigen und versalzen.
Eine Bodenversalzung macht den Boden für viele Pflanzen auf Dauer unbewohnbar und kann die Mikroorganismen im Boden beeinträchtigen. Dies gilt insbesondere für Bereiche, in denen die Mischung leicht in umliegende Beete oder Grundwasser gespült werden kann. Auch auf gepflasterten Flächen kann Salz die Oberfläche angreifen, insbesondere bei Naturstein, und zur Moosbildung beitragen. Die langfristigen ökologischen Folgen einer regelmässigen Anwendung von Salz als Herbizid sind gravierend. Daher raten viele Experten und Gartenbauverbände von der Verwendung von Salz als Unkrautvernichter ab, selbst in Kombination mit Essigsäure.
Risiken der Salz-Essig-Mischung
Die grösste Gefahr liegt in der dauerhaften Schädigung des Bodens. Salz bindet Wasser und macht es für Pflanzenwurzeln unzugänglich. Dies führt zu einer Austrocknung und kann das Bodenleben nachhaltig beeinträchtigen. Auch die Entwässerung des Bodens kann gestört werden. Auf gepflasterten Flächen kann Salz die Fugen angreifen und die Oberflächenstruktur von Steinen beschädigen. Es ist ein aggressives Mittel, das nicht für den regelmässigen Einsatz im Garten geeignet ist, wenn man einen gesunden und lebendigen Boden erhalten möchte.
Die Essigsäure selbst kann bei höheren Konzentrationen auch Beton und Mörtel angreifen, was bei der Kombination mit Salz, das ebenfalls korrosiv wirken kann, zu einer doppelten Belastung der Pflasterflächen führt. Es ist wichtig, die ökologischen und materialtechnischen Folgen zu bedenken, bevor man zu solchen Mischungen greift. Die kurzfristige Beseitigung von Unkraut rechtfertigt oft nicht die langfristigen Schäden, die entstehen können.
Alternativen zur Essig-Salz-Mischung
Glücklicherweise gibt es wirksame und umweltfreundlichere Alternativen. Heisses Wasser ist eine sehr effektive Methode, um Unkraut in Fugen zu bekämpfen. Durch die hohe Temperatur werden die Pflanzenzellen zerstört, ohne schädliche Rückstände zu hinterlassen. Auch mechanische Methoden wie das Abbürsten oder Abflämmen mit speziellen Geräten sind praktikabel. Für die allgemeine Unkrautvorbeugung sind Mulchschichten, Unkrautvlies oder dichtes Bepflanzen der Flächen effektiver. Diese Methoden schonen Boden und Umwelt.
Umweltaspekte und rechtliche Einschränkungen
Obwohl Essigsäure als Hausmittel oft als umweltfreundlicher als chemische Pestizide wahrgenommen wird, sind ihre Umweltauswirkungen nicht zu vernachlässigen. Essigsäure ist eine Säure, und ihre Anwendung kann den pH-Wert des Bodens lokal und vorübergehend verändern. Bei grossflächiger Anwendung oder wenn die Säure in grössere Mengen ins Grundwasser gelangt, kann dies negative Folgen für aquatische Lebensformen haben. Die Säure kann den pH-Wert von Gewässern beeinflussen und somit Fische und andere Wasserlebewesen schädigen. Daher ist eine Anwendung in der Nähe von Gewässern oder auf Flächen, die direkt mit diesen verbunden sind, dringend abzuraten.
Die rechtliche Situation bezüglich der Anwendung von Essigsäure als Herbizid ist in Deutschland und anderen europäischen Ländern nicht eindeutig geregelt wie bei zugelassenen Pestiziden. Grundsätzlich gilt die Sachkenntnis- und Anwendungsverordnung für Pflanzenschutzmittel. Hausmittel fallen nicht direkt unter diese Verordnung, aber die allgemeine Sorgfaltspflicht und Umweltschutzgesetze greifen. Es gibt jedoch Bestrebungen, die Anwendung von Hausmitteln wie Essig, Salz oder verbrannten Ölen stärker zu regulieren, da sie bei unsachgemässer Anwendung ebenfalls erhebliche Umweltschäden verursachen können. Einige Gemeinden oder Kantone haben spezifische Verbote oder Einschränkungen erlassen, insbesondere im Hinblick auf die Anwendung auf öffentlichen Flächen.
Auswirkungen auf den Boden-pH-Wert
Die Anwendung von Essigsäure kann den pH-Wert des Bodens lokal und temporär senken. Dies kann kurzfristig die Verfügbarkeit von Nährstoffen für Pflanzen beeinflussen und das Bodenleben stören. Bei einer Anwendung auf versiegelten Flächen wie Pflasterwegen ist das Risiko geringer, da die Säure dort eher abgewaschen wird. Auf unversiegelten Flächen kann sie jedoch länger verbleiben und tiefer eindringen. Ein dauerhaft zu niedriger pH-Wert kann das Wachstum vieler Pflanzenarten beeinträchtigen und die Bodenfruchtbarkeit reduzieren.
Regulierungen und Verbote
In Deutschland ist die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln streng geregelt. Während Essigsäure als Hausmittel nicht explizit als Pflanzenschutzmittel eingestuft ist, kann ihre Anwendung als Herbizid problematisch werden, wenn sie zu Umweltschäden führt. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz und das Wasserhaushaltsgesetz spielen hier eine Rolle. Zwar gibt es kein generelles Verbot von Essig gegen Unkraut im Privatgarten, aber die Anwendung muss verantwortungsvoll erfolgen. Informieren Sie sich über lokale Vorschriften, insbesondere wenn Sie auf öffentlichen Flächen oder in Wasserschutzgebieten tätig sind. Das Umweltbundesamt rät generell zur Vorsicht bei der Anwendung von Hausmitteln.
Alternativen zu Essigsäure für die Unkrautbekämpfung
Wenn Sie nach effektiven und umweltfreundlicheren Wegen suchen, Ihr Unkrautproblem zu lösen, gibt es eine Reihe von Alternativen zu Essigsäure, die oft bessere Ergebnisse mit geringeren Risiken erzielen. Eine der einfachsten und effektivsten Methoden ist die Anwendung von heissem Wasser. Kochendes Wasser über das Unkraut gegossen, zerstört dessen Zellstruktur und lässt es absterben. Diese Methode ist besonders gut für Fugen und kleine Flächen geeignet und hinterlässt keinerlei schädliche Rückstände. Sie ist eine beliebte Wahl für ökologisch bewusste Gärtner.
Mechanische Methoden sind ebenfalls sehr effektiv und schonen die Umwelt. Dazu gehört das Ausreissen von Hand, das Jäten mit geeigneten Werkzeugen wie Fugenkratzern oder Unkrautstechern, sowie das Abflämmen mit speziellen Geräten. Das Abflämmen nutzt Hitze, um die Pflanzenzellen zu zerstören, ist aber bei tief wurzelnden Pflanzen oft nur eine oberflächliche Lösung. Eine sehr wirksame Methode zur Vorbeugung ist das Abdecken von Flächen. Mulch aus Rindenmulch, Holzhackschnitzeln oder Kies unterdrückt das Unkrautwachstum, indem es Licht fernhält und die Bodenfeuchtigkeit reguliert. Auch das Auslegen von Unkrautvlies unter Mulchschichten oder Steinen bietet einen langanhaltenden Schutz.
Heisses Wasser: Die simple Lösung
Kochendes Wasser ist ein extrem wirksames Mittel gegen Unkraut, besonders in den Fugen von Pflastersteinen. Einfach einen Wasserkocher oder Topf mit heissem Wasser zum Kochen bringen und die Flüssigkeit vorsichtig über die unerwünschten Pflanzen giessen. Die Hitze zerstört die Zellstruktur des Unkrauts sofort und es beginnt zu welken. Diese Methode ist besonders sicher für die Umwelt und hinterlässt keinerlei chemische Rückstände. Sie ist eine ausgezeichnete Wahl für den Einsatz auf Terrassen, Wegen und Einfahrten.
Die Anwendung ist denkbar einfach: Wasser erhitzen, vorsichtig auf das Unkraut giessen. Wiederholungen können nötig sein, besonders bei hartnäckigem Bewuchs. Achten Sie darauf, sich nicht zu verbrühen, und vermeiden Sie es, das Wasser auf Ihre Haut oder Kleidung zu giessen. Die Wirkung ist am besten bei jungen Unkräutern. Ältere, tiefwurzelnde Pflanzen können nach einiger Zeit wieder austreiben, aber die Methode ist eine gute Ergänzung zur mechanischen Unkrautentfernung.
Mechanische Unkrautentfernung und Abflämmen
Das Jäten von Hand ist die traditionellste und oft effektivste Methode, vor allem wenn das Unkraut mitsamt der Wurzel entfernt wird. Spezielle Werkzeuge wie Fugenkratzer, Unkrautstecher oder Fugenbürsten erleichtern diese Arbeit erheblich und sind besonders auf befestigten Flächen nützlich. Das Abflämmen mit einem Gasbrenner ist eine weitere Option. Die intensive Hitze zerstört die oberirdischen Pflanzenteile. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass die Wurzeln oft überleben und das Unkraut wieder nachwachsen kann. Ausserdem besteht bei trockener Witterung Brandgefahr, daher ist äusserste Vorsicht geboten.
Vorbeugung durch Mulchen und Vlies
Die beste Methode ist oft die Vorbeugung. Eine dicke Schicht Mulch (z.B. Rindenmulch, Holzhackschnitzel) auf Beeten und um Pflanzen herum unterdrückt das Unkrautwachstum, indem sie Licht fernhält und Feuchtigkeit speichert. Ein Unkrautvlies unter dem Mulch oder unter Kies und Splitt bietet zusätzlichen Schutz. Es lässt Wasser und Nährstoffe durch, verhindert aber das Durchwachsen von Unkraut. Eine dichte Bepflanzung, die den Boden schnell bedeckt, ist ebenfalls eine effektive Strategie, um Unkraut wenig Angriffsfläche zu bieten.
Häufige Fehler bei der Anwendung von Essigsäure
Der Einsatz von Essigsäure gegen Unkraut ist eine beliebte Methode, birgt aber auch Fallstricke. Einer der häufigsten Fehler ist die unkontrollierte Anwendung auf Flächen, wo sie nicht hingehört. Wenn Sie Essigsäure auf Ihre Rosen oder den Rasen sprühen, werden diese Schaden nehmen, da Essigsäure nicht selektiv ist und jede Pflanze angreift. Ein weiterer Fehler ist die Verwendung von zu hoher Konzentration, ohne vorher die Verträglichkeit des Materials zu prüfen. Dies kann zu Verfärbungen oder Schäden an Natursteinen, Beton oder sogar Metallteilen führen.
Viele Anwender unterschätzen auch die Umweltauswirkungen. Das Versprühen bei Wind, das direkte Einleiten in Gullys oder die Anwendung in der Nähe von Gewässern sind problematisch. Die Säure kann sich im Boden anreichern, den pH-Wert verändern und aquatische Ökosysteme gefährden. Auch die Annahme, dass Essigsäure eine einmalige Lösung für alle Unkrautprobleme ist, ist ein Trugschluss. Sie bekämpft primär den oberirdischen Teil. Tiefwurzelnde Unkräuter treiben oft wieder aus, was wiederholte Anwendungen oder ergänzende Massnahmen erfordert. Die Kombination mit Salz ist ebenfalls ein weit verbreiteter, aber schädlicher Fehler.
Unkontrollierte Anwendung auf Nutzpflanzen
Dies ist wohl der gravierendste Fehler. Essigsäure ist ein Kontaktmittel, das die Zellwände von Pflanzen zerstört. Sie unterscheidet nicht zwischen Unkraut und Zierpflanzen oder Gemüse. Ein leichter Sprühnebel, der vom Wind auf Ihre Tomaten oder Geranien geweht wird, kann diese irreparabel schädigen. Wenn Sie Essigsäure verwenden, stellen Sie sicher, dass die zu behandelnden Flächen vollständig von Ihren wertvollen Pflanzen getrennt sind. Eine sorgfältige Abgrenzung und gezieltes Sprühen sind unerlässlich, um unerwünschte Schäden zu vermeiden.
Ignorieren von Materialverträglichkeit und Umwelt
Nicht jeder Stein und jede Oberfläche verträgt Essigsäure gleichermassen. Besonders empfindliche Natursteine, polierte Oberflächen oder bestimmte Metalle können durch die Säure angegriffen werden, was zu Verfärbungen oder Verätzungen führt. Testen Sie die Wirkung an einer unauffälligen Stelle. Ebenso wichtig ist die Beachtung der Umwelt. Vermeiden Sie die Anwendung bei starkem Wind, um eine Verwehung auf andere Flächen zu verhindern. Achten Sie darauf, dass die Essigsäurelösung nicht in Gewässer oder Kanalisation gelangt, da dies die Umwelt schädigen kann. Die Verdünnung und das Abspülen mit Wasser können helfen, die Konzentration zu reduzieren.
Essigsäure gegen Unkraut: Fazit und Empfehlung
Essigsäure kann eine nützliche Ergänzung im Kampf gegen Unkraut sein, insbesondere auf harten, befestigten Flächen wie Pflasterwegen und Terrassen. Ihre Fähigkeit, oberirdische Pflanzenteile schnell auszutrocknen, macht sie zu einer effektiven Option zur schnellen Beseitigung von Unkraut in Fugen und Ritzen. Die Anwendung erfordert jedoch Sorgfalt, Wissen und Verantwortungsbewusstsein. Sie ist kein Allheilmittel und birgt Risiken, wenn sie unsachgemäss eingesetzt wird. Die wichtigsten Aspekte, die Sie beachten sollten, sind die gezielte Anwendung, der Schutz von Nutzpflanzen und der Umwelt sowie die Wahl der richtigen Konzentration.
Es ist essenziell, die Grenzen von Essigsäure zu kennen. Sie ist nicht selektiv und bekämpft nur den oberirdischen Teil des Unkrauts. Für tiefwurzelnde Arten oder auf Flächen, wo der Boden geschädigt werden könnte, sind Alternativen wie heisses Wasser, mechanische Entfernung oder vorbeugende Massnahmen wie Mulchen oft die bessere Wahl. Die Kombination mit Salz ist aus ökologischen Gründen entschieden abzulehnen. Wenn Sie sich für Essigsäure entscheiden, tun Sie dies bewusst und mit Bedacht, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen, ohne dabei unerwünschte Schäden zu verursachen. Ein verantwortungsvoller Umgang schützt sowohl Ihren Garten als auch die Umwelt.
Die wirksamste Anwendung von Essigsäure gegen Unkraut ist auf befestigten Flächen, gezielt und mit Bedacht eingesetzt.