Grundlagen: Den Haselnussstrauch als Ihr eigenes Projekt
Haselnuss selber machen bedeutet in erster Linie, sich die eigene Ernte von frischen Haselnüssen zu sichern, indem Sie die entsprechenden Bäume oder Sträucher kultivieren. Es ist ein lohnendes Gartenprojekt, das Geduld erfordert, aber reich belohnt wird. Sie beginnen nicht buchstäblich mit dem 'Machen' einer Haselnussfrucht, sondern mit dem Schaffen der optimalen Bedingungen für deren Entstehung an einem gesunden, kräftigen Strauch oder Baum. Ob Sie sich für einen ausladenden Haselnussstrauch entscheiden oder einen Haselnussbaum als Solitär im Garten pflanzen, die Prinzipien der Kultivierung ähneln sich. Der Fokus liegt auf der Auswahl der richtigen Sorte, dem idealen Standort und der fachgerechten Pflanzung, um eine üppige Ernte in den kommenden Jahren zu gewährleisten.
- Erfolgreiche Haselnusszucht beginnt mit der Auswahl passender Sorten.
- Standortwahl ist entscheidend für Wachstum und Ertrag Ihrer Haselnussgewächse.
- Fachgerechte Pflanzung legt den Grundstein für gesunde Pflanzen.
- Haselnusssträucher sind pflegeleichter als Bäume für Anfänger.
Die Entscheidung zwischen einem Haselnussstrauch und einem Haselnussbaum ist oft eine Frage des verfügbaren Platzes und der gewünschten Ästhetik. Sträucher sind meist kompakter und eignen sich auch für kleinere Gärten oder als Teil einer Hecke. Bäume hingegen können beeindruckende Solitäre sein und eine höhere Ernte pro Pflanze ermöglichen. Unabhängig von der Wuchsform ist die Investition in Ihre eigenen Haselnussgewächse eine Investition in nachhaltige, gesunde Ernährung direkt aus Ihrem Garten.
Haselnuss: Baum oder Strauch? Die richtige Wahl treffen
Generell wachsen Haselnussarten, insbesondere die gemeine Hasel (*Corylus avellana*), oft als mehrstämmige Sträucher. Viele gängige Sorten, die für ihre ertragreiche Nussbildung bekannt sind, wie 'Hallesche Riesennuss' oder 'Grenzland', sind ebenfalls als strauchartiger Wuchs kultiviert. Möchten Sie jedoch eine klare Stammform, können Sie einen Haselnussbaum durch gezielten Schnitt aus einem Strauch ziehen oder sich für eine spezielle Hochstamm-veredelung entscheiden. Beide Formen haben ihre Vorteile. Sträucher sind oft robuster gegen Krankheiten, breiten sich natürlicher aus und sind einfacher zu beernten. Bäume benötigen mehr Schnitt, können aber in puncto Fruchtgröße und -menge überzeugen und bieten einen schönen Anblick im Garten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Auswahl ist die Bestäubung. Viele Haselnusssorten sind selbstunfruchtbar oder haben einen geringeren Ertrag, wenn sie allein stehen. Das bedeutet, sie benötigen eine oder mehrere andere Haselnusssorten in ihrer Nähe für eine erfolgreiche Fruchtbildung. Achten Sie beim Kauf auf die Angaben zur Selbstfruchtbarkeit der Sorte. Für eine optimale Ernte empfehlen Experten oft, mindestens zwei verschiedene Sorten zu pflanzen, die zur gleichen Zeit blühen. Die Blütezeit der Hasel liegt meist im späten Winter oder frühen Frühling, lange bevor die Blätter austreiben.
Die Auswahl der richtigen Sorte und der passenden Wuchsform ist der erste Schritt, um Ihre Vision von 'Haselnuss selber machen' erfolgreich umzusetzen.
Der optimale Standort: Licht, Boden und Schutz
Der richtige Standort ist entscheidend für das Gedeihen Ihrer Haselnusssträucher oder -bäume. Diese robusten Pflanzen stellen zwar keine übermäßig hohen Ansprüche, profitieren aber erheblich von den richtigen Bedingungen. Grundsätzlich lieben Haselnussgewächse einen sonnigen bis halbschattigen Platz. Volle Sonne fördert die Blüten- und Fruchtbildung, während leichte Beschattung, besonders an heißen Nachmittagen, die Pflanzen vor starker Austrocknung schützen kann. Vermeiden Sie jedoch tiefen Schatten, da dies den Ertrag und die allgemeine Vitalität der Pflanze negativ beeinflusst.
Der Boden sollte gut durchlässig, nährstoffreich und humos sein. Staunässe ist der größte Feind von Haselnussgewächsen und kann zu Wurzelfäule führen. Lockern Sie den Boden tiefgründig auf, bevor Sie pflanzen, und arbeiten Sie bei Bedarf Kompost oder gut verrotteten Mist ein, um die Bodenstruktur und den Nährstoffgehalt zu verbessern. Ein leicht saurer bis neutraler pH-Wert (ca. 5,5 bis 7,0) ist ideal. Einmal etabliert, sind Haselnusssträucher und -bäume recht trockenheitstolerant, aber regelmäßiges, tiefes Gießen während trockener Perioden, besonders in den ersten Jahren nach der Pflanzung, fördert ein starkes Wurzelwachstum.
Bodenvorbereitung und Pflanzloch
Die Bodenvorbereitung beginnt lange vor dem eigentlichen Einpflanzen. Entfernen Sie Unkraut und lockern Sie den Boden großflächig um die geplante Pflanzstelle. Wenn Sie verdichteten Lehmboden haben, ist es ratsam, diesen mit Sand und organischem Material wie Kompost zu verbessern. Graben Sie ein Pflanzloch, das mindestens doppelt so breit und tief ist wie der Wurzelballen Ihrer jungen Pflanze. Das lockere Erdreich im Pflanzloch erleichtert den Wurzeln, sich schnell auszubreiten.
Mischen Sie den aus dem Pflanzloch entnommenen Boden im Verhältnis 1:1 mit reifem Kompost. Diese Mischung bildet die ideale Grundlage für die Einpflanzung. Setzen Sie die Pflanze so in das Loch, dass die Oberseite des Wurzelballens auf Höhe des umgebenden Bodens liegt. Achten Sie bei wurzelechten Pflanzen darauf, dass die Veredelungsstelle (falls vorhanden) stets über der Erdoberfläche bleibt. Füllen Sie das Loch mit der vorbereiteten Erde und treten Sie sie leicht an, um Lufteinschlüsse zu vermeiden.
Ein gut gewählter und vorbereiteter Standort ist die Basis für gesunde Haselnussgewächse und einen reichen Ertrag.
Haselnuss pflanzen: Der richtige Zeitpunkt und die Technik
Das Pflanzen von Haselnusssträuchern oder -bäumen ist idealerweise im Herbst oder zeitigen Frühjahr angesiedelt. Der Herbst hat den Vorteil, dass die Pflanzen bis zum Frühjahr Zeit haben, Wurzeln zu bilden, und dann gestärkt in die Vegetationsperiode starten. Frühjahrspflanzung ist ebenfalls gut möglich, sollte aber erfolgen, bevor die stärksten Wachstumsphasen beginnen.
Beim Pflanzen sollten Sie die mitgelieferten oder im Fachhandel erhältlichen Containerware oder wurzelnackten Pflanzen verwenden. Containerware kann das ganze Jahr über gepflanzt werden, solange der Boden nicht gefroren ist, wobei Herbst und Frühjahr dennoch bevorzugt werden. Bei wurzelnackten Pflanzen ist es wichtig, die Wurzeln vor dem Einpflanzen einige Stunden in Wasser zu stellen, um eine gute Hydration zu gewährleisten. Beschädigte oder abgeknickte Wurzeln sollten Sie vorsichtig zurückschneiden.
Pflanzung von Containerware und wurzelnackten Pflanzen
Für Containerware: Entfernen Sie die Pflanze vorsichtig aus dem Topf. Sollten die Wurzeln stark verfilzt sein (Ringwurzeln), lockern Sie den Wurzelballen vorsichtig auf oder ritzen Sie ihn an einigen Stellen senkrecht ein, damit die Wurzeln ungehindert in den umliegenden Boden wachsen können. Setzen Sie die Pflanze in das vorbereitete Pflanzloch, füllen Sie es mit der Erd-Kompost-Mischung und gießen Sie gründlich an.
Für wurzelnackte Pflanzen: Legen Sie eine dünne Schicht Erde als 'Hügel' in das vorbereitete Pflanzloch. Setzen Sie die Pflanze so auf diesen Hügel, dass sich die Wurzeln natürlich verteilen können. Achten Sie wieder auf die korrekte Pflanztiefe. Füllen Sie das Loch mit der vorbereiteten Erde auf und treten Sie die Erde vorsichtig fest. Gießen Sie die Pflanze danach ausgiebig an, damit sich die Erde gut an die Wurzeln schmiegt.
Der Abstand zählt: Platz für Wachstum und Bestäubung
Der Pflanzabstand ist ein oft unterschätzter Faktor. Wenn Sie mehrere Haselnusssträucher pflanzen, planen Sie genügend Raum für die Ausbreitung ein. Je nach Sorte und gewünschter Wuchsform benötigen einzelne Sträucher oder Bäume einen Abstand von 3 bis 6 Metern zueinander. Dies stellt sicher, dass jede Pflanze genügend Licht und Nährstoffe erhält und auch die Bestäuber (Wind und Insekten) leicht zwischen den Pflanzen navigieren können. Denken Sie daran, dass Haselnusssträucher oft Ausläufer bilden und sich mit der Zeit weiter ausbreiten.
Das sorgfältige Einpflanzen mit ausreichend Platz ist essenziell für die langfristige Gesundheit und Produktivität Ihrer Haselnussgewächse.
Pflege und Düngung: Die Grundlagen für gesunde Haselnüsse
Nach der Pflanzung beginnt die Phase der Pflege, die maßgeblich über den Erfolg Ihrer Haselnussernte entscheidet. Regelmäßige Aufmerksamkeit stellt sicher, dass Ihre Pflanzen kräftig wachsen und widerstandsfähig gegen Schädlinge und Krankheiten bleiben. Die Kernprinzipien der Pflege umfassen Bewässerung, Düngung und Unkrautmanagement.
Die Bewässerung ist besonders in den ersten Jahren nach der Pflanzung wichtig. Die jungen Haselnussgewächse benötigen eine gleichmäßige Feuchtigkeitsversorgung, um ein tiefes Wurzelsystem zu entwickeln. Sobald die Pflanzen gut etabliert sind, sind sie zwar relativ trockenheitstolerant, aber in langen, heißen Sommerperioden sind zusätzliche Wassergaben vorteilhaft, um die Fruchtbildung zu unterstützen. Vermeiden Sie es, die Pflanzen zu überwässern; der Boden sollte feucht, aber nicht nass sein.
Düngung: Nährstoffe für Wachstum und Frucht
Haselnusssträucher und -bäume sind keine Starkzehrer, profitieren aber von einer regelmäßigen Nährstoffzufuhr. Eine jährliche Gabe von gut verrottetem Kompost im Frühjahr ist oft ausreichend. Dieser verbessert nicht nur die Bodenstruktur, sondern liefert auch langsam freisetzende Nährstoffe. Bei Bedarf, insbesondere wenn die Blätter blassgrün erscheinen oder das Wachstum stagniert, kann eine zusätzliche Düngung mit einem organischen Langzeitdünger für Obstgehölze oder einem mineralischen Volldünger in Erwägung gezogen werden. Achten Sie darauf, die Düngemittel nicht direkt am Stamm auszubringen, sondern im Wurzelbereich.
Eine ausgewogene Nährstoffversorgung ist wichtig. Zu viel Stickstoff kann zu übermäßigem Blattwachstum auf Kosten der Fruchtbildung führen. Kalium und Phosphor sind hingegen wichtig für die Entwicklung gesunder Blüten und Nüsse. Eine Bodenanalyse kann Aufschluss darüber geben, welche Nährstoffe möglicherweise fehlen und gezielt zugeführt werden sollten. Die Düngung erfolgt am besten im Frühjahr, wenn die Pflanze beginnt, aktiv zu wachsen.
Die kontinuierliche, aber angepasste Pflege Ihrer Haselnussgewächse legt den Grundstein für eine reiche und gesunde Ernte.
Haselnuss schneiden: Formgebung und Ertragssteigerung
Das Schneiden von Haselnusssträuchern und -bäumen ist ein wesentlicher Bestandteil des Prozesses, um 'Haselnuss selber machen' erfolgreich zu gestalten. Ein fachgerechter Schnitt sorgt nicht nur für eine ansprechende Form, sondern fördert auch die Gesundheit der Pflanze, verbessert die Fruchtqualität und steigert den Ertrag.
Es gibt verschiedene Ansätze beim Haselnussschnitt, abhängig davon, ob Sie einen Strauch oder einen Baum kultivieren und welche Ziele Sie verfolgen. Grundsätzlich wird zwischen Erziehungs- und Erhaltungsschnitt unterschieden. Der Erziehungsschnitt findet in den ersten Jahren statt, um die gewünschte Grundstruktur der Pflanze zu etablieren. Der Erhaltungsschnitt dient dazu, die bestehende Struktur zu pflegen, alte Triebe zu entfernen und Licht und Luft ins Innere der Pflanze zu bringen.
Der richtige Zeitpunkt für den Schnitt
Der beste Zeitpunkt für den Schnitt ist in der Regel während der Vegetationsruhe, also im Spätwinter oder frühen Frühjahr, bevor der Austrieb beginnt. Dies hat mehrere Vorteile: Die Struktur der Pflanze ist ohne Blätter gut erkennbar, und die Pflanze kann die Schnittwunden besser verschließen und im Frühjahr kräftig neu austreiben. Die Blüte der Hasel findet oft schon im späten Winter statt, aber der Schnitt sollte idealerweise nach der Blüte erfolgen, um die Bestäubung nicht zu beeinträchtigen, falls Sie eine späte Sorte haben. Alternativ kann ein leichter Auslichtungsschnitt auch im Sommer vorgenommen werden, um das Innere des Busches zu lichten und die Fruchtreife zu fördern.
Der Zeitpunkt des Schneidens ist ebenso wichtig wie die Technik selbst, um negative Auswirkungen auf die Pflanze zu vermeiden.
Techniken für Strauch und Baum
Für Haselnusssträucher: Entfernen Sie regelmäßig vergreiste, kranke, beschädigte oder nach innen wachsende Triebe. Ziel ist es, eine offene, vasenförmige Krone zu erhalten, die eine gute Belüftung und Lichteinfall ermöglicht. Schneiden Sie einige der ältesten Triebe bodennah ab, um Platz für junge, kräftigere Schösslinge zu schaffen, die im nächsten Jahr tragen werden. Diesen Prozess nennt man 'Verjüngungsschnitt'. Lassen Sie etwa 6-10 starke Haupttriebe stehen.
Für Haselnussbäume (oft als Hochstamm erzogen): Der Schnitt ähnelt dem anderer Obstbäume. Entfernen Sie Konkurrenztriebe, nach innen wachsende Zweige und Wasserschosse. Achten Sie darauf, eine gleichmäßige Kronenstruktur zu fördern. Wenn Sie einen Strauch zum Baum erziehen, wählen Sie einen starken Haupttrieb aus und schneiden Sie diesen auf die gewünschte Stammlänge. Alle anderen Triebe werden bodennah entfernt. Regelmäßiges Auslichten der Krone ist auch hier essenziell, um eine gute Ernte zu gewährleisten.
Beim Haselnuss schneiden ist es ratsam, scharfes und sauberes Werkzeug zu verwenden, um saubere Schnitte zu erzielen und Krankheiten vorzubeugen.
Haselnuss vermehren: Samen, Stecklinge oder Absenker
Wer tiefer in das Thema 'Haselnuss selber machen' eintauchen möchte, kann über die Vermehrung der eigenen Pflanzen nachdenken. Es gibt verschiedene Methoden, mit denen Sie Haselnusssträucher erfolgreich vermehren können. Jede Methode hat ihre eigenen Vor- und Nachteile und erfordert unterschiedliches Know-how.
Die gängigsten Methoden sind die Vermehrung durch Samen, Stecklinge oder Absenker. Während die Vermehrung durch Samen theoretisch möglich ist, ist sie für Hobbygärtner oft weniger praktikabel, da die daraus wachsenden Pflanzen nicht unbedingt die Eigenschaften der Mutterpflanze aufweisen müssen (bei veredelten Sorten ist dies ohnehin nicht möglich). Die genetische Vielfalt ist zwar hoch, aber die Ertragsleistung oder Nussqualität kann stark variieren. Daher konzentrieren sich die meisten auf vegetative Vermehrungsmethoden.
Haselnuss vermehren durch Absenker
Eine der einfachsten und erfolgreichsten Methoden für Haselnusssträucher ist die Vermehrung durch Absenker. Diese Technik nutzt die natürliche Fähigkeit der Hasel, unterirdische Ausläufer zu bilden, die bewurzeln können. Im späten Frühling oder Sommer wählen Sie einen jungen, bodennahen Trieb aus, der noch biegsam ist. Biegen Sie diesen Trieb vorsichtig nach unten, ohne ihn zu brechen, und legen Sie einen Teil davon in einen flachen Graben im Boden. Beschweren Sie den Trieb mit einem Stein oder einem gebogenen Draht, sodass der Teil, der sich im Boden befindet, fest anliegt.
Entfernen Sie die Blätter im Bereich des Bodens und ritzen Sie die Rinde an der Unterseite des Triebs leicht ein. Dies fördert die Wurzelbildung. Bedecken Sie diesen Teil mit Erde und halten Sie die Stelle feucht. Im Herbst desselben Jahres oder im folgenden Frühjahr sollten sich Wurzeln gebildet haben. Trennen Sie den bewurzelten Absenker dann vorsichtig von der Mutterpflanze ab und pflanzen Sie ihn an seinen endgültigen Standort.
Die Vermehrung durch Absenker ist eine geduldige, aber sehr zuverlässige Methode, um Ihre Haselnussbestände zu erweitern.
Vermehrung durch Stecklinge
Die Vermehrung durch Stecklinge ist eine weitere gängige Methode. Hierbei schneiden Sie im späten Frühsommer oder Frühherbst etwa 15-20 cm lange, kräftige Triebe von der Mutterpflanze ab. Entfernen Sie die unteren Blätter und stecken Sie die Stecklinge zu etwa zwei Dritteln in ein gut durchlässiges Anzuchtmedium, wie eine Mischung aus Torf und Sand oder Perlite. Idealerweise verwenden Sie Bewurzelungshormon, um die Erfolgschancen zu erhöhen.
Halten Sie das Substrat stets feucht und die Stecklinge warm. Eine Abdeckung mit einer Plastiktüte oder das Aufstellen in einem kleinen Gewächshaus hilft, die Luftfeuchtigkeit hoch zu halten. Die Bewurzelung kann mehrere Wochen bis Monate dauern. Sobald sich genügend Wurzeln gebildet haben und die Stecklinge zu wachsen beginnen, können sie vorsichtig in einzelne Töpfe umgepflanzt und im nächsten Frühjahr an ihren endgültigen Platz im Garten gesetzt werden.
Mit Geduld und der richtigen Technik können Sie Ihre Lieblings-Haselnuss-Sorten durch Stecklinge oder Absenker erfolgreich eigenständig vermehren.
Schädlinge und Krankheiten: Vorbeugung und Bekämpfung
Selbst wenn Sie Ihre Haselnussgewächse mit Sorgfalt pflegen, können gelegentlich Schädlinge oder Krankheiten auftreten, die den Ertrag und die Gesundheit Ihrer Pflanzen beeinträchtigen. Ein proaktives Vorgehen und schnelles Handeln sind hierbei entscheidend, um größeren Schaden zu vermeiden.
Zu den häufigsten Schädlingen an Haselnussgewächsen zählt die Haselnuss-Gallmilbe (*Phytoptus avellanae*). Sie verursacht charakteristische kleine, knospenähnliche Verdickungen an den Trieben, die sogenannten 'Gallen'. Diese Gallen können die Triebe schwächen und die Fruchtbildung beeinträchtigen. Ein weiteres Problem kann der Dickmaulrüssler sein, dessen Larven die Wurzeln schädigen, während die erwachsenen Käfer typische Buchtenränder an den Blättern hinterlassen.
Häufige Krankheiten und ihre Erkennung
Eine der bekanntesten Krankheiten ist der Echte Mehltau, der sich als weißer, pudriger Belag auf Blättern und Trieben zeigt. Er tritt oft bei feuchtem Wetter und schlechter Belüftung auf. Eine weitere Pilzkrankheit ist die Haselnuss-Rindenkrankheit, die zu Rindennekrosen führen kann. Auch die Blattfleckenkrankheit, verursacht durch verschiedene Pilze, kann auftreten und die Blätter vorzeitig abfallen lassen.
Vorbeugung ist die beste Medizin gegen Schädlinge und Krankheiten bei Ihren Haselnussgewächsen.
Vorbeugende Maßnahmen und biologische Bekämpfung
Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist die Wahl eines geeigneten Standorts mit guter Belüftung und Sonneneinstrahlung, um Pilzkrankheiten vorzubeugen. Ein gesunder, kräftiger Wuchs durch optimale Pflege (richtige Bewässerung, ausgewogene Düngung) macht die Pflanzen widerstandsfähiger. Regelmäßiges Entfernen von Unkraut und abgefallenem Laub verhindert, dass Schädlinge und Krankheitserreger sich festsetzen.
Bei Befall mit der Haselnuss-Gallmilbe ist das frühzeitige Entfernen und Vernichten der befallenen Triebe die effektivste Methode. Gegen den Dickmaulrüssler können Nützlinge wie Nematoden im Boden eingesetzt werden, um die Larven zu bekämpfen. Gegen Blattläuse oder andere saugende Insekten helfen oft Hausmittel wie Seifenlauge oder das Ansiedeln von natürlichen Fressfeinden wie Marienkäfern. Bei Pilzkrankheiten wie Mehltau kann das Besprühen mit einer Lösung aus Milch und Wasser (1:10) helfen.
Ein gut gepflegter Garten ist der beste Schutzschild für Ihre selbst angebauten Haselnüsse.
Die Haselnuss-Ernte: Zeitpunkt, Methode und Lagerung
Der Höhepunkt des Projekts 'Haselnuss selber machen' ist zweifellos die Ernte der reifen Nüsse. Der richtige Zeitpunkt und die sorgfältige Handhabung sind entscheidend, um das Beste aus Ihrer Ernte herauszuholen. Die Reifezeit für Haselnüsse liegt je nach Sorte und Klima meist im Spätsommer bis Herbst, typischerweise im September oder Oktober.
Sie erkennen reife Haselnüsse daran, dass sie sich aus ihrer grünen Hülle (dem Fruchtbecher) lösen und zu Boden fallen. Die Nüsse sind dann braun und die Schale ist hart. Wenn die Nüsse noch fest in ihren Hüllen stecken oder grünlich aussehen, sind sie noch nicht reif. Beginnen Sie mit der Ernte, wenn die meisten Nüsse reif sind und von selbst fallen. Sie können den Boden unter den Sträuchern oder Bäumen mit Planen abdecken, um die herunterfallenden Nüsse sauber aufzufangen.
Erntemethoden und Nachbereitung
Sammeln Sie die herabgefallenen Nüsse regelmäßig, idealerweise täglich. Dies verhindert, dass sie durch Feuchtigkeit auf dem Boden zu schimmeln beginnen oder von Tieren gefressen werden. Wenn Sie die Nüsse nur schwer von der Hülle lösen können, können Sie sie einige Tage trocknen lassen; oft löst sich die Nuss dann leichter. Schütteln Sie die Zweige vorsichtig, um letzte reife Nüsse zu gewinnen, aber vermeiden Sie es, die Pflanzen stark zu beschädigen.
Nach dem Sammeln ist die Nachbereitung entscheidend für die Haltbarkeit der Nüsse. Entfernen Sie zunächst die grünen Hüllen, falls diese noch anhaften. Danach müssen die Haselnüsse gründlich getrocknet werden. Die Trocknung ist der wichtigste Schritt, um die Lagerfähigkeit zu gewährleisten und Schimmelbildung zu verhindern. Dies kann auf verschiedene Arten geschehen.
Trocknung und Lagerung für lange Haltbarkeit
Lufttrocknung: Verteilen Sie die Nüsse in einer einzigen Schicht auf gut belüfteten Unterlagen wie Gitterrosten, Trocknungssieben oder dünnen Tüchern. Stellen Sie sie an einen trockenen, warmen und gut belüfteten Ort, geschützt vor direkter Sonneneinstrahlung (die sie ranzig machen kann). Dies kann mehrere Wochen dauern. Durchlüften Sie die Nüsse regelmäßig und kontrollieren Sie sie auf Anzeichen von Schimmel.
Maschinelle Trocknung: Alternativ können Sie die Nüsse in einem Dörrautomaten bei niedriger Temperatur (ca. 40-50°C) trocknen. Auch Backöfen können bei niedrigster Stufe und leicht geöffneter Tür verwendet werden, wobei hier Vorsicht geboten ist, um die Nüsse nicht zu verbrennen. Die Trocknung ist abgeschlossen, wenn die Nüsse hart sind und beim Schütteln rasseln.
Lagern Sie die getrockneten Haselnüsse kühl, trocken und dunkel in gut schließenden Behältern wie Gläsern, Leinensäcken oder Dosen. So können sie über mehrere Monate, manchmal sogar über ein Jahr, frisch gehalten werden.
Die Ernte und richtige Nachbereitung sind der krönende Abschluss Ihres Projekts 'Haselnuss selber machen', der Ihnen die Früchte Ihrer Arbeit beschert.
