Welche Lavendel Sorten gibt es und welche passen zu Ihnen?
Die Welt der Lavendel Sorten ist weit größer, als viele Hobbygärtner annehmen. Während der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) oft als die Standardwahl gilt, existieren zahlreiche Varianten mit unterschiedlichen Eigenschaften, die sich in Wuchshöhe, Blütefarbe, Duftintensität und Winterhärte unterscheiden. Die Wahl der passenden Sorte hängt maßgeblich von Ihren individuellen Vorstellungen, den Standortbedingungen in Ihrem Garten und dem gewünschten Verwendungszweck ab – sei es für den Steingarten, als Duftpflanze, zur Dekoration oder für die Küche.
- Lavendel Sorten variieren stark in Höhe, Farbe und Duft.
- Die Wahl der Sorte richtet sich nach Standort und Verwendungszweck.
- Lavandula angustifolia ist der Klassiker, aber nicht die einzige Option.
- Winterhärte und Standortansprüche sind wichtige Auswahlkriterien.
- Verschiedene Sorten blühen zu unterschiedlichen Zeiten im Sommer.
Bevor Sie sich für eine bestimmte Lavendel Sorte entscheiden, lohnt es sich, die grundlegenden Unterschiede zwischen den gängigsten Arten zu verstehen. Dies ermöglicht Ihnen, eine fundierte Wahl zu treffen und sich über viele Jahre an gesunden, üppig blühenden Pflanzen zu erfreuen. Betrachten wir die Sortenvielfalt genauer, um die ideale Ergänzung für Ihr grünes Reich zu finden.
Der Klassiker: Lavandula Angustifolia und seine beliebten Sorten
Wenn von Lavendel die Rede ist, denken die meisten Menschen an den Englischen Lavendel, wissenschaftlich bekannt als Lavandula angustifolia. Diese Art ist berühmt für ihren intensiven Duft und ihre gute Winterhärte, was sie zu einer ausgezeichneten Wahl für viele Klimazonen macht. Ihre Blüten sind meist tiefblau bis violett und erscheinen im Frühsommer. Zahlreiche Züchtungen dieser Art bieten Variationen in Farbe und Wuchsform, die Gärtnerherzen höherschlagen lassen.
'Munstead' – Ein robuster Alleskönner
Die Sorte 'Munstead' ist nach Gertrude Jekylls Landsitz benannt und zeichnet sich durch ihre Robustheit und eine breite Anpassungsfähigkeit aus. Sie bleibt eher kompakt, erreicht eine Höhe von etwa 40-60 cm, und produziert aromatische, hellviolette Blütenrispen. 'Munstead' ist bekannt dafür, auch kühlere Sommer gut zu vertragen und blüht oft etwas früher als andere Sorten. Dies macht sie zu einer zuverlässigen Wahl für Beeteinfassungen oder kleinere Gärten.
'Hidcote' – Kompakt und intensiv duftend
Ähnlich kompakt wie 'Munstead', aber mit einem noch intensiveren, süßlichen Duft, ist 'Hidcote'. Diese Sorte besticht durch ihre tiefvioletten Blüten, die fast schon dunkelblau wirken können. Mit einer Wuchshöhe von nur 30-40 cm eignet sich 'Hidcote' hervorragend für niedrige Hecken, Steingärten oder auch für die Kultur in Kübeln auf Balkon und Terrasse. Ihre Blüten sind besonders beliebt für die Trocknung und Weiterverarbeitung.
'Rosea' – Seltene Schönheit in Rosa
Wer nach einer ungewöhnlichen Blütenfarbe sucht, wird bei 'Rosea' fündig. Diese Sorte von Lavandula angustifolia bildet zarte rosa bis zartlila Blüten aus, die einen charmanten Kontrast zu den sonst üblichen Blau- und Violetttönen bilden. Sie behält die guten Eigenschaften des Englischen Lavendels bei, wie den angenehmen Duft und eine gute Winterhärte, und bietet eine interessante Abwechslung im Lavendelbeet.
Die Sorten von Lavandula angustifolia sind eine sichere Bank für jeden Garten. Ihre Pflege ist unkompliziert, solange sie einen sonnigen Standort mit gut durchlässigem Boden erhalten. Regelmäßiges Schneiden nach der Blüte fördert die Verzweigung und sorgt für eine reiche Blüte im Folgejahr.
Die Wahl der Lavendel Sorte beeinflusst nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch die Pflegeleichtigkeit und den Erfolg im Garten.
Breitblättriger Lavendel (Lavandula Latifolia) und seine Besonderheiten
Neben dem Englischen Lavendel gibt es den Breitblättrigen Lavendel (Lavandula latifolia), auch bekannt als Speik-Lavendel. Diese Art ist wärmeliebender und anspruchsvoller, was den Boden betrifft, und erreicht oft eine größere Wuchshöhe als L. angustifolia. Seine Blüten sind typischerweise blasser, eher hellblau oder grau-violett, und die Blätter sind breiter. Der Duft von L. latifolia ist kampferartiger und weniger süß als der des Englischen Lavendels, weshalb er oft in der Parfüm- und Aromatherapie geschätzt wird.
'Grappenhall' – Ein stattlicher Speik-Lavendel
Die Sorte 'Grappenhall' ist ein Beispiel für einen robusten und großwüchsigen Breitblättrigen Lavendel. Sie kann eine Höhe von über einem Meter erreichen und bildet ausladende Blütenstände in einem sanften Violett. Aufgrund ihrer Größe eignet sie sich gut als Solitärpflanze oder zur Abgrenzung von größeren Gartenbereichen. 'Grappenhall' bevorzugt volle Sonne und gut durchlässige, eher trockene Böden und ist weniger frosthart als L. angustifolia.
Während L. latifolia und seine Sorten beeindruckende Pflanzen für warme, trockene Standorte sind, erfordern sie oft einen etwas geschützteren Platz im Garten, insbesondere in kälteren Regionen. Die Vermehrung erfolgt meist über Stecklinge, da die Samenkeimung unzuverlässiger sein kann.
Schopflavendel (Lavandula Stoechas) – Exotik mit auffälligen Blüten
Der Schopflavendel (Lavandula stoechas) unterscheidet sich deutlich von seinen Verwandten durch seine charakteristischen Blüten, die an kleine Fackeln erinnern und von auffälligen Hochblättern gekrönt werden. Diese 'Ohren' machen ihn unverwechselbar. Die Blütenfarben reichen von tiefem Violett über Rosa bis hin zu Weiß. Schopflavendel ist eine prächtige Pflanze für wärmere Klimazonen und besonders beliebt für Kübel und mediterrane Gärten.
Unterschiede und Pflegebedürfnisse
Im Gegensatz zu L. angustifolia ist L. stoechas deutlich empfindlicher gegenüber Frost und Nässe. Er benötigt einen sehr gut durchlässigen Boden, oft mit etwas höherem Sandanteil, und verträgt keine Staunässe. In kühleren Regionen ist er daher oft nur als einjährige Pflanze zu kultivieren oder muss frostfrei überwintert werden. Die Blütezeit beginnt oft früher im Jahr und kann sich über einen längeren Zeitraum erstrecken.
Beliebte Sorten für Farbe und Form
Es gibt verschiedene Sorten von L. stoechas, die sich in Blütenfarbe und Wuchshöhe unterscheiden. Sorten wie 'Kew Red' bestechen durch ihre rot-violetten Blütenköpfe, während 'Otto' mit tiefvioletten Blüten und längeren Hochblättern aufwartet. Diese Sorten sind echte Hingucker und verleihen jedem Garten oder Balkon eine besondere Note. Sie sind ideal für sonnige, windgeschützte Lagen.
Beim Kauf von Schopflavendel sollten Sie auf die Herkunft und die spezifischen Pflegehinweise achten. Diese Pflanzen sind eine wunderbare Ergänzung, wenn Sie bereit sind, ihnen die nötige Aufmerksamkeit bezüglich Standort und Winterschutz zu schenken.
Lavandula Dentata – Der Zahnanmutige mit duftenden Blättern
Eine weitere interessante Art ist Lavandula dentata, der Gezackte Lavendel oder Zahnanmutige Lavendel. Sein Name leitet sich von den gezackten Blatträndern ab, die ihm ein besonderes Aussehen verleihen. Die Blüten sind meist hellviolett und erscheinen von Frühsommer bis Herbst, oft mit einer Pause in der Hochhitze. Was L. dentata besonders macht, ist nicht nur die Blüte, sondern auch der aromatische Duft seiner Blätter, der oft als frisch und minzig beschrieben wird.
Ansprüche und Standortwahl
Ähnlich wie der Schopflavendel ist auch der Gezackte Lavendel wärmeliebend und nicht sehr frosthart. Er gedeiht am besten in mediterranen Klimazonen oder geschützten Lagen. Staunässe ist unbedingt zu vermeiden; ein sandig-kiesiger Boden ist ideal. In unseren Breitengraden wird er oft im Kübel kultiviert, um ihn im Winter frostfrei unterbringen zu können. Die Pflanze kann eine beträchtliche Größe erreichen und bildet einen buschigen Wuchs.
Die Pflege von L. dentata ist unkompliziert, solange die grundlegenden Bedürfnisse nach Sonne, Wärme und gutem Abfluss erfüllt sind. Der regelmäßige Schnitt nach der Blüte hält die Pflanze kompakt und fördert die Bildung neuer Blüten. Dank seines intensiven Blattduftes kann er auch für Potpourris oder zur Raumbeduftung verwendet werden.
Weitere bemerkenswerte Lavendel Sorten und ihre Eigenschaften
Neben den Hauptarten gibt es unzählige weitere Lavendel Sorten, die sich in Farbnuancen, Blühzeitpunkten und Wuchsformen unterscheiden. Die Vielfalt ermöglicht es, Lavendel nahezu ganzjährig im Garten zu präsentieren, von frühen Blühern bis zu Sorten, die bis in den Spätsommer hinein Farbe zeigen.
'Phenomenal' – Eine moderne, robuste Wahl
Neuere Züchtungen wie 'Phenomenal' (eine Sorte von Lavandula angustifolia) versprechen verbesserte Eigenschaften wie extreme Winterhärte und Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten. Diese Sorten sind oft besonders ertragreich in Bezug auf die Blüte und eignen sich daher auch gut für den Schnitt und die Weiterverarbeitung. Ihre Wuchshöhe liegt meist im mittleren Bereich, und sie bieten den klassischen Lavendelduft.
'Blue Ice' – Seltene weiße Blütenpracht
Für Liebhaber seltener Blütenfarben ist 'Blue Ice' eine interessante Option. Diese Sorte von Lavandula angustifolia bildet attraktive weiße Blüten aus, die einen schönen Kontrast zu den grünen Blättern bilden. Sie bietet die bewährte Robustheit des Englischen Lavendels, aber mit einem Hauch von Eleganz durch ihre helle Blüte.
Die Bedeutung des Schnitts für alle Lavendel Sorten
Unabhängig von der gewählten Sorte ist der richtige Schnitt entscheidend für die Langlebigkeit und Blütenfülle des Lavendels. Ein Rückschnitt im Frühjahr (nach den letzten Frösten) und ein weiterer, leichter Schnitt im Spätsommer nach der Hauptblüte sind empfehlenswert. Dies verhindert, dass die Pflanzen verholzen und fördert eine buschigere Form und mehr Blüten.
Ein sorgfältiger Schnitt verhindert auch, dass sich die Pflanzen zu stark ausbreiten oder unansehnlich werden. Die genaue Schnitttechnik kann je nach Sorte und Wuchsform leicht variieren, aber das Grundprinzip, Verblühtes zu entfernen und die Pflanze in Form zu halten, bleibt bestehen. Werden die verblühten Blütenstände nicht abgeschnitten, kann dies die Samenbildung fördern und die Krautbildung im nächsten Jahr reduzieren, was aber zu Lasten der Blüte geht.
Lavendel pflanzen: Der richtige Standort ist entscheidend
Der Erfolg Ihrer Lavendel Sorten beginnt mit der Wahl des richtigen Standorts. Lavendel liebt die Sonne und braucht viel Licht. Ein vollsonniger Platz ist ideal, idealerweise mit einer Südausrichtung. Achten Sie darauf, dass die Pflanzen genügend Raum zum Wachsen haben und gut belüftet werden, um Pilzkrankheiten vorzubeugen.
Bodenbeschaffenheit und Drainage
Das A und O für Lavendel ist ein durchlässiger Boden. Staunässe verträgt er überhaupt nicht und es ist die häufigste Ursache für Wurzelfäule und das Absterben der Pflanzen. Ein sandiger, kiesiger oder lehmiger Boden, der gut entwässert, ist optimal. Wenn Ihr Boden eher schwer und lehmig ist, verbessern Sie ihn durch Einarbeiten von Sand, Kies oder Blähton. Eine Drainageschicht am Topfboden ist bei Kübelpflanzen unerlässlich.
Lavendel gießen: Weniger ist oft mehr
Lavendel ist eine trockenheitsliebende Pflanze und benötigt nur wenig Wasser, sobald er gut eingewachsen ist. Achten Sie darauf, die Erde zwischen den Gießvorgängen gut abtrocknen zu lassen. Im Sommer kann bei großer Hitze gelegentlich gegossen werden, im Herbst und Winter ist Wasser meist nicht mehr nötig. Übermäßiges Gießen ist schädlicher als zu wenig.
Bei der Pflanzung von jungen Lavendel-Setzlingen sollten Sie diese in den ersten Wochen regelmäßig, aber mäßig gießen, bis sie gut angewachsen sind. Danach können Sie die Wassergaben reduzieren. Das Gießen direkt an der Wurzel und nicht über die Blätter hinweg hilft, Krankheiten zu vermeiden.
Verbessern Sie die Drainage für Lavendel im Kübel, indem Sie eine Schicht Blähton oder Kieselsteine unter die Erde mischen.Lavendel überwintern und Pflege im Jahresverlauf
Die meisten Sorten von Lavandula angustifolia sind gut winterhart, aber auch sie profitieren von etwas Schutz, besonders in raueren Regionen oder bei extremen Wetterbedingungen. Empfindlichere Sorten wie Schopflavendel benötigen in der Regel einen Winterschutz oder müssen frostfrei überwintert werden.
Winterschutz für Lavendel
Bei winterharten Sorten ist es ratsam, den Wurzelbereich im Spätherbst mit einer Schicht Laub, Reisig oder Mulch abzudecken. Dies schützt die Wurzeln vor starkem Frost. Achten Sie darauf, dass die Pflanzen nicht im Nassen stehen, da dies die Gefahr von Fäulnis erhöht. Bei Kübelpflanzen ist es am besten, sie an einen geschützten Platz zu stellen, z.B. an eine Hauswand, und die Kübel auf Füße zu stellen, um Staunässe zu vermeiden.
Der richtige Schnitt: Frühjahr und Herbst
Der wichtigste Pflegeschritt neben dem richtigen Standort ist der Schnitt. Ein Rückschnitt im Frühjahr, idealerweise nach den stärksten Frösten, fördert das Austreiben neuer Triebe und sorgt für eine buschigere Pflanze. Schneiden Sie dabei etwa ein Drittel der alten Triebe zurück, aber nicht ins alte Holz, wenn möglich. Nach der Hauptblüte im Sommer kann ein leichter Formschnitt erfolgen, um die Pflanze zu verschönern und eine erneute Blüte im Herbst anzuregen.
Ein weiterer, leichter Rückschnitt im Herbst (nicht zu spät, damit die Pflanze vor dem Winter noch etwas Zeit zum Einwallen hat) kann helfen, die Form zu erhalten und zu verhindern, dass die Pflanze durch Wind und Schnee auseinanderbricht. Verblühte Blütenstände können auch gesammelt werden, um sie zu trocknen. Lavendel trocknen ist eine wunderbare Methode, um den Duft und die Schönheit der Pflanze für später zu bewahren.
Die Pflege über das Jahr hinweg ist relativ gering, wenn die Grundbedürfnisse des Lavendels erfüllt sind. Es geht vor allem darum, die Pflanze vor Staunässe zu schützen, ihr ausreichend Sonne zu bieten und sie durch gezielte Schnitte in Form zu halten.
Kann man Lavendel essen?
Die Frage, ob man Lavendel essen kann, wird oft gestellt, insbesondere wenn man die aromatische Pflanze im Garten hat. Ja, Lavendel ist essbar, aber es gibt wichtige Unterschiede zwischen den Arten und Einschränkungen bei der Verwendung. Nicht jede Sorte ist gleichermaßen für den Verzehr geeignet, und die Zubereitung erfordert Fingerspitzengefühl.
Welche Lavendel Sorten sind essbar?
Der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) und seine Sorten sind am besten für kulinarische Zwecke geeignet. Sie haben den typischsten, süßlich-aromatischen Geschmack, der in der Küche geschätzt wird. Der Geschmack ist intensiver als der von Rosmarin, aber feiner und weniger herb. Speik-Lavendel (L. latifolia) und Schopflavendel (L. stoechas) haben oft einen stärkeren, kampferartigeren Geschmack, der weniger angenehm ist und eher für die Aromatherapie oder Parfümherstellung verwendet wird. Auch hier gilt: Die Blätter und Blüten können verwendet werden, aber mit Vorsicht.
Kulinarische Verwendung von Lavendel
Lavendel kann in vielen Gerichten verwendet werden, um ihnen eine besondere Note zu verleihen. Er passt gut zu Süßspeisen wie Kuchen, Keksen, Eiscreme oder Marmeladen. Auch in herzhaften Gerichten kann er eine interessante Ergänzung sein, beispielsweise in Kräutermischungen für Braten, Saucen oder mediterrane Gerichte. Eine beliebte Anwendung ist auch Lavendelhonig oder Lavendelsirup. Beim Lavendel trocknen werden die Blüten konserviert, um sie später zu verwenden.
Wichtiger Hinweis zur Verwendung: Verwenden Sie nur Lavendel aus biologischem Anbau oder aus Ihrem eigenen Garten, der garantiert unbehandelt ist. Verwenden Sie Lavendel sparsam, da sein Geschmack sehr intensiv sein kann und schnell dominant wird. Probieren Sie zunächst eine kleine Menge aus, um sich an den Geschmack zu gewöhnen. Bei Unsicherheiten, ob eine bestimmte Sorte oder Pflanze für den Verzehr geeignet ist, verzichten Sie lieber darauf.
