Ist der Maulwurf geschützt? Die rechtliche Einordnung
Die Frage, ob der Maulwurf unter Naturschutz steht, beschäftigt viele Gartenbesitzer, die sich an den unschönen Hügeln auf ihren Rasenflächen stören. Die kurze Antwort lautet: Ja, der Maulwurf (Talpa europaea) ist in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern gesetzlich geschützt. Dies ist primär im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) verankert, das strengen Artenschutz vorsieht. Der Maulwurf gilt nach § 7 Abs. 2 Nr. 13 b BNatSchG als besonders geschützte Art. Er darf nach § 39 Abs. 1 BNatSchG grundsätzlich nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Auch seine Lebensstätten, zu denen seine Baue und Gänge zählen, dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden. Diese Regelung dient dazu, die natürliche Population zu erhalten und die Rolle des Maulwurfs im Ökosystem zu sichern, obwohl er oft als Schädling wahrgenommen wird.
- Maulwürfe sind in Deutschland gesetzlich geschützt.
- Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet das Fangen, Verletzen und Töten.
- Schäden an Maulwurfshügeln und Bauten sind ebenfalls untersagt.
- Der Schutz dient der Erhaltung der Art und ihrer Rolle im Ökosystem.
Warum ist der Maulwurf geschützt? Ein Blick auf seine ökologische Rolle
Der Schutz des Maulwurfs ist keine reine Formalität, sondern beruht auf seiner wichtigen Funktion innerhalb des Ökosystems. Als sogenannter Bodenformer leistet er wertvolle Dienste für die Bodengesundheit. Seine unterirdische Tätigkeit lockert den Boden auf und verbessert so die Belüftung und Wasserdurchlässigkeit. Dies kommt auch der Vegetation zugute, indem Nährstoffe besser verteilt und die Wurzelbildung gefördert werden. Zudem ernährt sich der Maulwurf fast ausschließlich von Bodentieren wie Regenwürmern, Larven und Insekten. Er trägt somit zur natürlichen Schädlingsregulierung bei. Ein Garten ohne Maulwürfe könnte unter Umständen anfälliger für bestimmte Schädlinge sein, die der Maulwurf sonst in Schach halten würde. Die sichtbaren Hügel sind lediglich ein Nebenprodukt seiner essenziellen Tätigkeit im Boden.
Was bedeutet der Schutz für Gartenbesitzer?
Für Gartenbesitzer, die sich mit Maulwurfshügeln im Rasen arrangieren müssen, bedeutet der rechtliche Schutz eine Einschränkung der Handlungsoptionen. Direkte Bekämpfungsmaßnahmen wie Fallenstellen, Vergiften oder das Töten der Tiere sind tabu und können bei Verstößen zu empfindlichen Bußgeldern führen. Auch das gezielte Zerstören der Hügel, um den Maulwurf zu vertreiben, ist rechtlich problematisch, da es seine Lebensstätten beeinträchtigt. Bevor Sie also zu drastischen Mitteln greifen, sollten Sie sich der gesetzlichen Lage bewusst sein und prüfen, welche legalen Alternativen existieren, um mit der Situation umzugehen.
Vermeiden Sie jegliche Form der direkten Konfrontation mit dem Maulwurf. Informieren Sie sich stattdessen über Methoden, die auf Vergrämung oder baulichen Maßnahmen basieren, um das Tier sanft von bestimmten Bereichen fernzuhalten, ohne ihm zu schaden.
Gibt es Ausnahmen für den Maulwurfschutz?
Generell sind die Ausnahmen vom Artenschutz streng geregelt und bedürfen in der Regel einer behördlichen Genehmigung. Eine solche Genehmigung ist beispielsweise im Rahmen von Baumaßnahmen oder wissenschaftlichen Forschungsarbeiten denkbar. Für private Gartenbesitzer gibt es jedoch keine generelle Erlaubnis, Maulwürfe zu bekämpfen, nur weil sie stören. Selbst wenn ein Maulwurf als 'Plage' empfunden wird, ist die Tötung oder Verletzung nicht gestattet. Die rechtliche Lage schützt den Maulwurf konsequent, um seine Population aufrechtzuerhalten. Das bedeutet, dass das Problem der Hügelbildung eher durch Management und Koexistenz gelöst werden muss als durch direkte Eliminierung.
Legale Methoden: Maulwürfe vertreiben statt bekämpfen
Wenn Sie den Maulwurf nicht direkt bekämpfen dürfen, stellt sich die Frage, wie Sie ihn dennoch sanft aus Ihrem Garten vertreiben können. Es gibt verschiedene Methoden, die auf Vergrämung basieren und darauf abzielen, die Umgebung für den Maulwurf unattraktiv zu machen, ohne ihm zu schaden. Diese Methoden nutzen oft seine Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Reizen wie Gerüchen, Vibrationen oder Geräuschen.
Geruchsbasierte Vergrämung
Maulwürfe haben eine feine Nase und reagieren empfindlich auf bestimmte Gerüche. Hausmittel wie durch Ammoniak oder Essig getränkte Lappen, die in der Nähe der Hügel vergraben werden, können abschreckend wirken. Auch stark riechende Pflanzen wie Christrosen oder Rizinus (Vorsicht: giftig!) werden manchmal als natürliche Barriere empfohlen, obwohl ihre Wirksamkeit wissenschaftlich oft nicht eindeutig belegt ist. Kommerzielle Präparate auf Basis von ätherischen Ölen oder natürlichen Extrakten sind ebenfalls erhältlich und zielen darauf ab, den Maulwurf durch unangenehme Gerüche zu vertreiben.
Schall- und Vibrationsbasierte Methoden
Ein weiterer Ansatz ist die Nutzung von Schall und Vibrationen. Geräte, die regelmäßig Töne oder Vibrationen aussenden, können den Maulwurf stören und ihn dazu bewegen, sich ein ruhigeres Plätzchen zu suchen. Solche Vergrämer gibt es als batteriebetriebene oder solarbetriebene Geräte, die im Boden platziert werden. Wichtig zu wissen ist, dass Maulwürfe sich an gleichmäßige Geräusche gewöhnen können. Daher ist es ratsam, die Position der Geräte gelegentlich zu wechseln oder auf Modelle zurückzugreifen, die ihre Frequenzen oder Töne variieren.
Bauliche und gärtnerische Maßnahmen
Langfristig kann auch die Gestaltung des Gartens helfen. Eine gut gepflegte Rasenfläche, auf der der Boden dicht und ungestört ist, bietet weniger Anreize für den Maulwurf. Das Mähen und gegebenenfalls das Entfernen von überhängenden Ästen kann helfen, die Fläche unattraktiv zu machen. Manche Gartenbesitzer bauen auch spezielle Barrieren ein, z.B. feinmaschige Drahtgitter, die etwa 50-80 cm tief in den Boden eingelassen werden, um zu verhindern, dass der Maulwurf überhaupt erst in bestimmte Bereiche wie Gemüsebeete oder den Hauptrasen vordringt. Dies ist jedoch ein erheblicher Aufwand.
Der Maulwurf ist ein unverzichtbarer Teil unseres Bodensystems – wir müssen lernen, mit ihm zu leben, anstatt ihn zu bekämpfen.
Was tun gegen Maulwurfshügel im Garten?
Die sichtbaren Maulwurfshügel sind das Haupthindernis für viele Gartenbesitzer. Da das Entfernen der Hügel als Beschädigung der Lebensstätte gelten kann und die Tiere nicht getötet werden dürfen, muss der Umgang mit den Hügeln eher als Pflegemaßnahme denn als Bekämpfung betrachtet werden.
Der Umgang mit den Hügeln
Wenn Sie die Hügel auf Ihrem Rasen als störend empfinden, gibt es einige legale und schonende Wege, damit umzugehen. Das Wichtigste ist, die Tiere nicht zu reizen oder zu verletzen. Die Hügel können in der Regel vorsichtig abgetragen und der Boden eingeebnet werden, sobald der Maulwurf sich in neue Bereiche zurückgezogen hat. Manche Gartenfreunde nutzen die aufgeworfene Erde sogar als wertvollen, lockeren Humus für ihre Beete.
Kann man Wühlmäuse und Maulwürfe unterscheiden?
Oft werden Maulwürfe mit Wühlmäusen verwechselt, was zu falschen Annahmen über die Notwendigkeit und Zulässigkeit von Bekämpfungsmaßnahmen führt. Ein entscheidender Unterschied ist die Art der Hügel. Maulwurfshügel sind typisch schirm- oder kegelförmig und haben oft in der Mitte ein Loch, das aber nach kurzer Zeit wieder verschwindet, da der Maulwurf den Gang wieder verschließt. Wühlmaushügel hingegen sind oft flacher, unregelmäßiger und haben seitliche Eingänge, aus denen die Erde herausgeschoben wird. Zudem fressen Wühlmäuse Pflanzenwurzeln, während sich Maulwürfe hauptsächlich von Regenwürmern ernähren und somit keine direkten Pflanzenschädlinge sind.
Kennen Sie den Unterschied: Maulwurfshügel sind eher rund und kegelförmig mit einem zentralen Punkt, während Wühlmausgänge oft seitliche Öffnungen und flachere Erdhaufen aufweisen. Der Maulwurf ist ein Insektenfresser, die Wühlmaus ein Pflanzenfresser.
Häufige Irrtümer über Maulwürfe
Im Umgang mit Maulwürfen im Garten kursieren viele Mythen und Halbwahrheiten. Das Wissen um die wahre Natur dieser Tiere und die korrekte rechtliche Situation kann helfen, Missverständnisse auszuräumen und friedliche Lösungen zu finden.
Irrtum 1: Maulwürfe sind blind und desorientiert.
Entgegen einem weit verbreiteten Glauben sind Maulwürfe nicht blind. Ihre Augen sind zwar klein und oft von Fell bedeckt, aber sie können Licht und Dunkelheit unterscheiden und nehmen ihre Umgebung visuell wahr. Ihre Hauptsinne sind jedoch der Geruchssinn und der Tastsinn, mit denen sie sich in ihren unterirdischen Gängen bestens zurechtfinden. Dies ermöglicht ihnen, Beute aufzuspüren und sich sicher zu bewegen.
Irrtum 2: Maulwürfe sind Schädlinge, die Pflanzen fressen.
Dies ist eine der größten Verwechslungen. Maulwürfe sind keine Pflanzenfresser. Ihre Nahrung besteht fast ausschließlich aus Bodentieren wie Regenwürmern, Käferlarven, Engerlingen und anderen wirbellosen Kleintieren. Sie sind somit natürliche Schädlingsbekämpfer im Garten. Die Hügel, die sie aufwerfen, sind ein Nebenprodukt ihrer Grabtätigkeit, die dem Boden sogar guttut, indem sie ihn belüften und lockern. Wühlmäuse hingegen sind dafür bekannt, Pflanzenwurzeln anzuknabbern.
Irrtum 3: Maulwürfe sind Einzelgänger und stören sich nicht gegenseitig.
Während Maulwürfe tatsächlich eher Einzelgänger sind und Reviere beanspruchen, können sich ihre unterirdischen Gänge durchaus überlappen. Sie kommunizieren untereinander durch Geräusche und Gerüche. Wenn ein Garten übermäßig viele Hügel aufweist, kann dies auch darauf hindeuten, dass sich mehrere Tiere dort ansiedeln, weil die Bedingungen (z.B. ein reiches Nahrungsangebot) günstig sind.
Irrtum 4: Maulwurf gift selber machen ist eine sichere Methode.
Das Selbermachen von Mitteln zur Tötung von Maulwürfen ist nicht nur illegal, sondern auch extrem gefährlich. Unkontrollierte Giftstoffe können nicht nur dem Maulwurf und anderen Tieren (auch Haustieren) schaden, sondern auch ins Grundwasser gelangen und die Umwelt belasten. Zudem ist das Ausbringen von Gift oft nicht wirksam, da der Maulwurf sein Revier wechselt oder das Gift nicht aufnimmt. Jegliche Form von Giftbekämpfung ist strikt abzulehnen und gesetzlich verboten.
Vergrämung als langfristige Strategie
Die Entscheidung, den Maulwurf zu vergrämen statt zu bekämpfen, ist nicht nur rechtlich geboten, sondern auch die nachhaltigere Wahl für einen gesunden Garten. Eine Vergrämungsstrategie zielt darauf ab, die Lebensqualität des Maulwurfs zu erhalten, indem man ihn sanft dazu bringt, seinen Wirkungsbereich zu verlagern.
Geduld und Beobachtung sind Schlüssel zum Erfolg
Erfolgreiche Vergrämung erfordert oft Geduld. Es kann einige Zeit dauern, bis der Maulwurf auf die angewendeten Methoden reagiert. Beobachten Sie, wo die Hügel neu entstehen oder wo der Maulwurf am aktivsten ist. Dies gibt Ihnen Hinweise darauf, welche Bereiche Sie gezielt mit Vergrämungsmitteln behandeln sollten. Eine Kombination aus verschiedenen Methoden – Geruch, Schall und Vibration – kann dabei die Wirksamkeit erhöhen.
Was tun, wenn Vergrämung nicht wirkt?
Sollten alle legalen Vergrämungsmethoden nach angemessener Zeit keine Wirkung zeigen und die Beeinträchtigung durch die Maulwurfshügel unzumutbar bleiben, bleibt nur die Option der Koexistenz. Akzeptieren Sie, dass der Maulwurf ein Teil Ihres Gartens ist und versuchen Sie, seine Aktivität auf weniger störende Bereiche zu lenken. Die Hügel können regelmäßig eingeebnet werden. Eine dauerhafte und großflächige Störung des Bodens durch den Maulwurf ist selten. Oft verlagern die Tiere ihr Revier von selbst, wenn sich beispielsweise das Nahrungsangebot ändert.
Präventive Maßnahmen für die Zukunft
Um zukünftigen Problemen vorzubeugen, können Sie die Attraktivität Ihres Gartens für Maulwürfe reduzieren, ohne sie zu schädigen. Halten Sie den Rasen kurz und dicht. Vermeiden Sie es, den Boden großflächig umzugraben, da dies die Lebensgrundlage für die Beutetiere des Maulwurfs und damit für ihn selbst zerstört. Die Anlage von Beeten mit Randbegrenzungen oder die Verwendung von feinem Drahtgeflecht unter neuen Rasenflächen kann ebenfalls vorbeugend wirken.
