Das Wunder beginnt: Warum Pfingstrosen aus Samen ziehen?
Pfingstrosen sind Inbegriffe von Eleganz und Robustheit im Garten. Die meisten Gärtner kennen und schätzen die Vermehrung durch Teilung bestehender Wurzelballen, ein Prozess, der relativ zügig zu neuen Pflanzen führt. Doch es gibt eine tiefere, faszinierendere Methode, die oft übersehen wird: das Ziehen von Pfingstrosen aus Samen. Dies ist kein Weg für Ungeduldige, aber er belohnt mit der Aussicht auf genetische Vielfalt und die Entstehung von Sorten, die es so vielleicht noch nicht gibt. Die Samen selbst sind oft das Resultat der natürlichen Bestäubung, was bedeutet, dass die daraus entstehenden Pflanzen nicht identisch mit der Mutterpflanze sein werden. Dies ist der Reiz für den experimentierfreudigen Gärtner, der bereit ist, auf das Ergebnis zu warten.
Das Besondere am Aussäen von Pfingstrosensamen liegt in der Herausforderung und der damit verbundenen tiefen Befriedigung. Während die Teilung eine Kopie liefert, schenkt die Aussaat die Möglichkeit, etwas Neues zu kreieren. Dieser Weg erfordert ein Verständnis für die spezifischen Bedürfnisse der Samen, die oft eine natürliche Stratifizierung, also eine Kälte- und Feuchtigkeitsperiode, benötigen, um ihre Keimruhe zu brechen. Ohne dieses Wissen kann der Prozess frustrierend langwierig erscheinen. Die Pflanzung erfolgt typischerweise im Herbst, um die natürlichen Bedingungen für die Keimung im folgenden Frühjahr oder gar erst im zweiten Jahr zu simulieren.
Diese Methode eröffnet Ihnen die Chance, gärtnerisches Neuland zu betreten. Sie lernen die Lebenszyklen einer Pflanze auf einer fundamentaleren Ebene kennen und entwickeln ein tieferes Gespür für die Prozesse der Natur. Das Warten wird zur Kunstform, und die ersten zarten Keimlinge werden zu wahren Schätzen. Stellen Sie sich vor, Sie halten in Ihren Händen eine Pflanze, die Sie von Grund auf selbst gezogen haben, eine Rarität, die aus dem Potenzial eines winzigen Samens erwachsen ist. Das ist die tiefe Erfüllung, die das Ziehen von Pfingstrosen aus Samen zu bieten hat.
Die Aussaat von Pfingstrosensamen ist ein Prozess, der primär Geduld und das Verständnis für spezifische Keimungsbedingungen verlangt.
- Pfingstrosensamen ermöglichen die Entstehung einzigartiger, nicht identischer Sorten.
- Die Methode erfordert Geduld, da die Keimung oft lange dauern kann.
- Natürliche Stratifizierung (Kälte-/Feuchtigkeitsperiode) ist oft essenziell.
- Der Aussaatzeitpunkt im Herbst begünstigt die Keimung im Folgejahr.
- Das Ergebnis ist eine tiefere gärtnerische Erfahrung und potenziell neue Pflanzenkreationen.
Die Voraussetzungen: Was Sie vor der Aussaat benötigen
Bevor Sie den ersten Samen in die Erde setzen, ist eine sorgfältige Vorbereitung entscheidend für den Erfolg. Der wichtigste Faktor, der oft unterschätzt wird, ist die Qualität der Samen selbst. Sammeln Sie Ihre Samen nur von gesunden, reifen Pflanzen, idealerweise nach der Blütezeit im Spätsommer oder Frühherbst. Achten Sie darauf, dass die Samen nicht zu lange lagern, da ihre Keimfähigkeit mit der Zeit abnimmt. Idealerweise sollten sie frisch geerntet und sofort weiterverarbeitet werden. Die Farbe der Samen ist ein guter Indikator: Sie sollten prall und von einem tiefen Braun sein. Leichte, schrumpelige oder blasse Samen sind oft nicht lebensfähig.
Neben den Samen benötigen Sie geeignetes Saatgutmaterial. Dies kann entweder eine spezielle Aussaaterde sein, die locker und nährstoffarm ist, um Fäulnis vorzubeugen und ein gesundes Wurzelwachstum zu fördern, oder eine Mischung aus Blumenerde und Sand im Verhältnis 2:1. Wichtig ist, dass das Substrat gut durchlässig ist, Staunässe aber unbedingt vermieden wird. Verwenden Sie Aussaatgefäße mit ausreichenden Drainagelöchern. Das können kleine Töpfe, flache Schalen oder spezielle Aussaatboxen sein. Saubere Gefäße sind ein Muss, um die Übertragung von Pilzkrankheiten zu verhindern.
Die klimatischen Bedingungen sind ebenfalls ein wichtiger Aspekt. Pfingstrosensamen durchlaufen oft eine sogenannte zweistufige Keimruhe. Das bedeutet, sie benötigen zunächst eine Wärmephase, gefolgt von einer Kältephase (Stratifizierung), bevor sie zum Keimen angeregt werden. Diesen Prozess können Sie simulieren. Grundsätzlich ist die Aussaat im Herbst die natürlichste Methode, da sie den Samen erlaubt, die benötigte Kälteperiode über den Winter im Freien zu erfahren. Für die spätere Pflege brauchen Sie eine gut durchlässige Erde im Garten, idealerweise mit guter Drainage, um Staunässe zu vermeiden, die für Pfingstrosen generell schädlich ist.
Ein tiefes Verständnis der zweistufigen Keimruhe von Pfingstrosensamen ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Anzucht.
Schritt-für-Schritt: Der Weg vom Samen zur Pflanze
Die Vermehrung von Pfingstrosen aus Samen ist ein Prozess, der mehrere Phasen durchläuft und bei dem das Timing eine wesentliche Rolle spielt. Beginnen Sie mit der Ernte der Samen, die sich in den Samenkapseln der verblühten Pfingstrosen bilden. Warten Sie, bis die Kapseln braun werden und sich leicht öffnen. Ernten Sie die Samen, sobald sie reif aussehen, typischerweise im Spätsommer bis frühen Herbst. Entfernen Sie das fleischige Samenmantel, falls vorhanden, und lassen Sie die Samen kurz an einem luftigen Ort trocknen, aber nicht vollständig austrocknen.
Die entscheidende Phase ist die Stratifizierung, die die natürliche Winterkälte simuliert. Sie haben zwei Hauptoptionen: die natürliche Stratifizierung im Freien oder die künstliche Stratifizierung im Kühlschrank. Für die natürliche Methode säen Sie die Samen direkt im Herbst in gut durchlässige Aussaaterde in Töpfe oder Schalen aus. Bedecken Sie die Samen etwa 1 bis 2 cm tief mit Erde. Stellen Sie die Gefäße an einen geschützten, kühlen Ort im Freien, wie z.B. ein unbeheiztes Gewächshaus, ein Frühbeet oder einen schattigen Platz im Garten. Schützen Sie sie vor starkem Regen und Frost, aber lassen Sie sie den natürlichen Witterungsbedingungen ausgesetzt.
Wenn Sie sich für die künstliche Stratifizierung entscheiden, mischen Sie die Samen mit etwas feuchtem Sand oder Vermiculit in einem wiederverschließbaren Plastikbeutel. Lagern Sie diesen Beutel für etwa 8 bis 12 Wochen im Gemüsefach Ihres Kühlschranks. Überprüfen Sie regelmäßig, ob das Substrat feucht, aber nicht nass ist, und ob sich Schimmel bildet. Nach der Kälteperiode können Sie die stratifizierten Samen im Frühjahr aussäen, idealerweise in gut vorbereitete Aussaatschalen, gefüllt mit nährstoffarmer Aussaaterde.
Nach der Aussaat und Stratifizierung beginnt die Wartezeit. Die Keimung kann sehr unterschiedlich ausfallen. Manche Samen keimen bereits im ersten Frühjahr nach der Herbstsaat, andere erst im zweiten Jahr. Geduld ist hier eine Tugend. Wenn Sie Keimlinge sehen, bedecken Sie sie weiterhin mit einer dünnen Schicht Erde und halten Sie das Substrat stets leicht feucht. Vermeiden Sie es, die empfindlichen Sämlinge zu stören. Erst wenn die Sämlinge groß genug sind und mehrere echte Blätter entwickelt haben, können sie vorsichtig in größere Töpfe umgepflanzt werden.
Der Erfolg beim Ziehen von Pfingstrosen aus Samen liegt in der sorgfältigen Durchführung der Stratifizierung und dem Verstehen, dass Keimung und Wachstum Zeit benötigen.
Erste Anzeichen: Was tun, wenn die Pfingstrosen keimen?
Wenn die ersten zarten grünen Triebe aus der Erde sprießen, ist das ein Moment großer Freude für jeden Gärtner. Diese ersten Anzeichen der Keimung sind der Beweis dafür, dass Ihre Bemühungen, die Samen durch Stratifizierung und richtige Aussaat auf die Entwicklung vorzubereiten, Früchte tragen. Nun beginnt die Phase, in der die jungen Pfingstrosen besonders empfindlich sind und spezifische Pflege benötigen, um sich zu kräftigen Jungpflanzen zu entwickeln. Halten Sie das Substrat gleichmäßig feucht, aber vermeiden Sie unbedingt Staunässe. Ein zu nasser Boden kann schnell zu Wurzelfäule führen, die für junge Sämlinge oft tödlich ist.
Die jungen Keimlinge benötigen viel Licht, aber direkte Sonneneinstrahlung, besonders die intensive Mittagssonne im Frühjahr, kann ihre zarten Blätter verbrennen. Stellen Sie die Gefäße an einen hellen Ort, der vor greller Sonne geschützt ist, beispielsweise auf eine nach Osten ausgerichtete Fensterbank oder an einen Platz im Freien unter einem lichten Schattiernetz. Wenn Sie die Samen im Herbst direkt ins Freie gesät haben und die Keimung im Frühjahr erfolgt, ist die natürliche Lichtexposition meist ausreichend, solange die Pflanzen vor der stärksten Sonne geschützt sind.
Die Nährstoffversorgung spielt in dieser frühen Phase eine untergeordnete Rolle. Die Samen enthalten noch genügend Reserven, um die ersten Wachstumsphasen zu überbrücken. Eine zu frühe und zu starke Düngung kann die feinen Wurzeln schädigen. Wenn Sie im Frühjahr aussäten, warten Sie, bis die Sämlinge einige echte Blätter entwickelt haben, und beginnen Sie dann mit einer sehr leichten Düngung. Verwenden Sie dazu einen stark verdünnten Flüssigdünger für Zierpflanzen oder einen speziellen Jungpflanzendünger. Einmal im Monat ist in der Regel ausreichend.
Wenn die Sämlinge stark genug sind und man sieht, dass sie beginnen, sich im Topf zu drängen, ist es Zeit für das Pikieren oder Umtopfen in größere Einzelgefäße. Dies geschieht typischerweise, wenn die Sämlinge die Größe von etwa 5-10 cm erreicht haben und mindestens zwei bis drei echte Blätter tragen. Verwenden Sie dann ein etwas nährstoffreicheres, aber immer noch gut durchlässiges Substrat. Vorsichtig die Jungpflanzen aus dem Anzuchttopf lösen, die Wurzeln wenn nötig leicht auflockern und einzeln in Töpfe setzen, die etwas größer sind als der bisherige Ballen. Achten Sie darauf, die Pflanze nicht tiefer zu setzen, als sie zuvor stand.
Sobald die Pfingstrosen keimen, ist die gleichmäßige Feuchtigkeit des Substrats und Schutz vor starker Sonneneinstrahlung essenziell für ihr weiteres Gedeihen.
Von der Jungpflanze zur ausdauernden Staude: Die weitere Pflege
Nachdem Ihre jungen Pfingstrosen erfolgreich angezogen und möglicherweise in größere Töpfe umgepflanzt wurden, beginnt die Phase der heranwachsenden Jungpflanzen. Diese Pfingstrosen benötigen weiterhin sorgfältige Pflege, um zu kräftigen, blühenden Stauden heranzuwachsen. Die Geduld, die Sie beim Ziehen aus Samen aufgebracht haben, wird nun auf die kommenden Jahre ausgedehnt, denn die erste Blüte kann mehrere Jahre auf sich warten lassen. In dieser Zeit konzentriert sich die Pflanze darauf, ein robustes Wurzelsystem aufzubauen und kräftige Blätter zu entwickeln.
Die Wahl des endgültigen Pflanzortes im Garten ist von großer Bedeutung. Pfingstrosen bevorzugen einen sonnigen bis halbschattigen Standort mit gut durchlässigem, nährstoffreichem Boden. Vermeiden Sie Plätze, an denen sich Wasser staut, da dies Wurzelfäule verursacht. Ein tiefgründiger, lockerer Boden ist ideal. Wenn Sie Ihre Jungpflanzen ins Freiland setzen, ist der Herbst die beste Jahreszeit, um ihnen Zeit zu geben, sich vor dem Winter gut einzugewöhnen. Graben Sie ein tiefes Pflanzloch, verbessern Sie den Boden mit Kompost und setzen Sie die Pflanze so, dass die Oberseite des Wurzelballens auf Höhe des umgebenden Bodens liegt.
Die Düngung sollte mäßig erfolgen. Im Frühjahr, wenn das neue Wachstum beginnt, können Sie eine Gabe Kompost oder organischen Dünger um die Basis der Pflanze verteilen. Eine zusätzliche Düngung mit einem ausgewogenen Langzeitdünger ist möglich, sollte aber sparsam eingesetzt werden, um die Blüte nicht zu übermäßigem Blattwachstum zu veranlassen. Zu viel Stickstoff fördert zwar das Laub, kann aber die Blütenbildung negativ beeinflussen.
Regelmäßiges Gießen ist wichtig, besonders in Trockenperioden und während der ersten Jahre nach der Pflanzung, um das Anwachsen zu fördern. Sobald die Pflanzen etabliert sind, sind sie recht trockenheitstolerant. Das Entfernen verblühter Blüten (Pfingstrosen schneiden) ist eine Pflegemaßnahme, die Energie auf die Pflanzenentwicklung lenkt, aber bei jungen Pflanzen mit wenigen Blüten oft weggelassen werden kann. Das Schneiden ins späte Herbstlaub hingegen kann die Pflanze für den Winter stärken.
Die Etablierung einer jungen Pfingstrose, die aus Samen gezogen wurde, erfordert fortgesetzte Aufmerksamkeit bezüglich Standortwahl, Bodengüte und angepasster Bewässerung über mehrere Jahre.
Geduld ist der Schlüssel: Wann blühen Pfingstrosen aus Samen?
Das Warten auf die erste Blüte einer Pfingstrose, die aus Samen gezogen wurde, ist wohl die größte Herausforderung und zugleich die faszinierendste Etappe dieser Anzuchtmethode. Im Gegensatz zur vegetativen Vermehrung durch Teilung, bei der Sie oft schon im ersten oder zweiten Jahr mit Blüten rechnen können, ist die Zeitspanne bis zur ersten Blüte bei samenvermehrten Pfingstrosen deutlich länger. Sie müssen mit mindestens drei bis fünf Jahren Geduld rechnen, oft sogar länger. Manchmal kann es sogar sieben bis zehn Jahre dauern, bis die Pflanze kräftig genug ist, um ihre ersten Blüten zu entwickeln.
Diese lange Entwicklungszeit erklärt sich aus dem Prozess des Samenwachstums. Die Pflanze muss erst ein umfangreiches Wurzelsystem aufbauen und genügend Energie speichern, um die Fortpflanzung durch Blüten und Samen zu ermöglichen. Die genetische Variabilität spielt ebenfalls eine Rolle; während einige Nachkommen vielleicht schneller reifen, benötigen andere mehr Zeit, um ihre volle Entwicklung zu erreichen. Jede gesäte Pflanze ist ein Individuum mit ihrem eigenen Tempo.
Während des Wartens ist es wichtig, die Pflanze bestmöglich zu unterstützen. Sorgen Sie für optimale Bedingungen: ein sonniger bis halbschattiger Standort, ein gut durchlässiger Boden, regelmäßige, aber moderate Düngung und ausreichend Wasser, besonders in den ersten Jahren. Achten Sie auf die allgemeine Gesundheit der Pflanze. Kräftige, grüne Blätter sind ein gutes Zeichen dafür, dass die Wurzeln gut arbeiten und Energie für zukünftige Blüten produzieren. Das Pfingstrosen düngen sollte dabei stets ausgewogen erfolgen, um Blattwachstum und Blütenbildung zu unterstützen.
Wenn Sie das Glück haben, dass Ihre Pfingstrose zu blühen beginnt, kann dies ein unvergesslicher Moment sein. Die Farbe, Form und Duft der Blüte können überraschend sein, da es sich um eine Neuzüchtung handeln kann, die sich von der Mutterpflanze unterscheidet. Genießen Sie diesen Erfolg, denn er ist das Ergebnis jahrelanger Fürsorge und des Glaubens an das Potenzial des Samens. Diese Einzigartigkeit ist der wahre Lohn für die Mühen des Pfingstrosen aus Samen ziehen.
Die erste Blüte von Pfingstrosen, die aus Samen gezogen wurden, tritt typischerweise erst nach 3-5 Jahren, oft aber auch erst nach 7-10 Jahren ein.
Häufige Probleme und Lösungen beim Pfingstrosen-Säen
Auch bei sorgfältiger Planung können beim Ziehen von Pfingstrosen aus Samen Herausforderungen auftreten. Eines der häufigsten Probleme ist das Ausbleiben der Keimung. Dies kann verschiedene Ursachen haben: Die Samen waren nicht keimfähig, die Stratifizierung war unzureichend oder das Substrat war zu feucht, was zu Schimmel und Fäulnis führte. Wenn keine Keimung eintritt, überprüfen Sie das Substrat. Bei stratifizierten Samen, die nicht keimen, kann eine erneute Kälteperiode im nächsten Jahr helfen, oder die Samen waren von vornherein nicht vital genug.
Ein weiteres Problem ist die geringe Keimrate. Selbst bei optimaler Behandlung keimen nicht alle Samen. Dies ist bei Pfingstrosen, die genetisch sehr komplex sind, nicht ungewöhnlich. Es unterstreicht die Notwendigkeit, eine größere Menge Samen auszusäen, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass einige erfolgreich aufgehen. Das bedeutet auch, dass man mehr Zeit und Platz für die Anzucht benötigt.
Schädlinge und Krankheiten können ebenfalls eine Rolle spielen. Achten Sie auf Anzeichen von Pilzkrankheiten wie Grauschimmel, der durch zu viel Feuchtigkeit und schlechte Belüftung begünstigt wird. Vermeiden Sie Staunässe und sorgen Sie für gute Luftzirkulation. Wenn Jungpflanzen von Schädlingen befallen werden, wie z.B. Blattläusen, können Sie versuchen, diese mit einem sanften biologischen Mittel zu bekämpfen oder die betroffenen Teile vorsichtig abzuspülen. Ameisen an Pfingstrosen sind oft ein Zeichen für Blattläuse, da sie den süßen Honigtau der Läuse fressen. Befreien Sie die Pflanze von den Läusen, und die Ameisen werden folgen.
Wenn junge Pflanzen kümmerlich wachsen, könnte dies auf Nährstoffmangel hindeuten, insbesondere wenn sie schon seit längerer Zeit im gleichen, nährstoffarmen Anzuchtsubstrat stehen. Beginnen Sie dann mit einer sehr leichten Flüssigdüngung, wie bereits erwähnt. Denken Sie daran, dass Pfingstrosen aus Samen generell langsamer wachsen als durch Teilung vermehrte Pflanzen. Ein langsames Wachstum in den ersten Jahren ist oft ein Zeichen dafür, dass sich die Pflanze auf den Aufbau ihres Wurzelsystems konzentriert und nicht sofort auf schnelles oberirdisches Wachstum.
Fehlende Keimung oder eine geringe Keimrate sind die häufigsten Herausforderungen beim Ziehen von Pfingstrosen aus Samen, meist bedingt durch unzureichende Stratifizierung oder mangelnde Samenvitalität.
Die Bedeutung der Stratifizierung für Pfingstrosensamen
Die Stratifizierung ist kein optionaler Schritt, sondern eine essentielle biologische Notwendigkeit für die meisten Pfingstrosensamen, wenn Sie sie erfolgreich zum Keimen bringen möchten. Sie simuliert den natürlichen Prozess, den Samen durchlaufen müssten, um in der Natur zu überleben und zu wachsen. Pfingstrosensamen sind oft mit einer sogenannten zweistufigen Keimruhe ausgestattet. Das bedeutet, sie benötigen nacheinander zwei unterschiedliche Umgebungsbedingungen, um ihre innere Bereitschaft zur Keimung zu entwickeln.
Die erste Stufe ist typischerweise eine Wärmephase. Direkt nach der Reifung im Herbst brauchen die Samen eine gewisse Zeit bei moderaten Temperaturen, oft zwischen 15°C und 20°C. Diese Phase signalisiert den Samen, dass die reife Zeit vorbei ist und die Samen reif sind, um sich auf die kommenden kalten Monate vorzubereiten. Ohne diese anfängliche Wärmephase wird die zweite Phase, die Kältephase, oft nicht richtig eingeleitet.
Die zweite, und für viele Arten entscheidende Stufe, ist die Kältephase. Hierbei werden die Samen niedrigen Temperaturen ausgesetzt, typischerweise zwischen 0°C und 5°C. Diese Periode, die oft mehrere Monate dauert, ist notwendig, um die biochemischen Prozesse im Samen anzustoßen, die die Keimruhe brechen. Es ist die Winterkälte, die den Samen signalisiert, dass es Zeit ist, auf den Frühling zu warten und mit dem Wachstum zu beginnen, sobald die Bedingungen günstig sind. Ohne diese Kälteperiode bleiben die Samen oft ruhend, egal wie günstig die Bedingungen später erscheinen mögen.
Daher ist die korrekte Durchführung der Stratifizierung, sei es durch Aussaat im Herbst im Freien oder durch künstliche Lagerung im Kühlschrank, von zentraler Bedeutung für den Erfolg. Falsch stratifizierte Samen, also Samen, die entweder zu kurz oder zu lange der Kälte ausgesetzt waren, oder die Wärmephase übersprungen haben, werden wahrscheinlich nicht oder nur sehr zögerlich keimen. Achten Sie darauf, dass die Samen während der gesamten Stratifizierungsdauer gut belüftet und leicht feucht gehalten werden, aber niemals nass sind, um Fäulnis zu vermeiden.
Die zweistufige Stratifizierung, bestehend aus einer Wärme- und einer anschließenden Kältephase, ist für die Keimung der meisten Pfingstrosensamen unerlässlich.
Pfingstrosen vermehren: Samen vs. Teilung – Was passt zu Ihnen?
Die Entscheidung, wie Sie Ihre Pfingstrosen vermehren möchten – ob durch das Ziehen aus Samen oder durch die traditionelle Teilung – hängt stark von Ihren persönlichen Zielen und Ihrer verfügbaren Zeit ab. Beide Methoden haben ihre klaren Vor- und Nachteile und sprechen unterschiedliche Gärtnertypen an. Das Ziehen aus Samen ist ein Projekt für den geduldigen und experimentierfreudigen Gärtner, der das Potenzial für etwas Neues sucht und bereit ist, Jahre auf die erste Blüte zu warten. Es ist ein tiefer Einblick in die Genetik und das Wachstum einer Pflanze.
Die Teilung hingegen ist die bewährte Methode für diejenigen, die schnell sichtbare Ergebnisse wünschen. Wenn Sie eine bestimmte Sorte von Pfingstrosen besitzen und weitere Exemplare derselben Sorte erhalten möchten, ist die Teilung der einzig richtige Weg. Die daraus entstehende Pflanze ist genetisch identisch mit der Mutterpflanze. Dieser Prozess ist relativ unkompliziert, erfordert aber, dass die Pflanze ausgewachsen und etabliert ist, typischerweise nach etwa 5-7 Jahren. Die beste Zeit für die Teilung ist im Spätsommer oder frühen Herbst, wenn die Pflanze ihre vegetative Aktivität reduziert und sich auf das Wurzelwachstum vorbereitet.
Die Saatgutvermehrung (Pfingstrosen aus Samen ziehen) bietet die Möglichkeit, einzigartige Farb- und Formvarianten zu entdecken. Jeder Samen birgt eine genetische Kombination, die zu einer neuen, potenziell bemerkenswerten Pflanze heranwachsen kann. Dies ist besonders interessant für Züchter oder Gartenliebhaber, die immer auf der Suche nach Neuem sind. Der Nachteil ist der enorme Zeitaufwand: von der Aussaat bis zur ersten Blüte vergehen oft viele Jahre, und es gibt keine Garantie für eine attraktive Blüte.
Die Teilung ist praktisch, wenn Sie eine etablierte Sorte vermehren wollen. Sie erhalten eine Pflanze, die der Mutterpflanze exakt gleicht. Der Prozess selbst sollte sorgfältig durchgeführt werden, um die Wurzeln und Augen (Schlaftriebe) der Pfingstrose nicht zu beschädigen. Die Pflanze wird ausgegraben, der Wurzelballen wird mit einem scharfen Spaten oder Messer in mehrere Teile getrennt, wobei jedes Teil mindestens drei bis fünf Knospen (Augen) und ausreichend Wurzeln besitzen sollte. Diese Teile werden dann neu gepflanzt. Wenn Sie also eine zuverlässige, schnelle Vermehrung einer bekannten Sorte wünschen, ist die Teilung die Methode der Wahl.
Während die Teilung schnelle Ergebnisse und identische Klone liefert, ermöglicht das Ziehen aus Samen die Entdeckung einzigartiger Sorten, erfordert jedoch erheblich mehr Zeit und Geduld.
