Warum Rhabarber vermehren?
Rhabarber ist eine Staude, die mit jedem Jahr kräftiger wird und beeindruckende Erträge liefert. Doch was tun, wenn die Pflanze zu groß wird, die Ernte nachlässt oder Sie einfach mehr von dieser köstlichen Frucht (oder botanisch gesehen: Gemüse) in Ihrem Garten haben möchten? Die Antwort liegt in der Vermehrung. Das Vermehren von Rhabarber ist nicht nur eine Methode, um Ihren Bestand zu vergrößern, sondern auch eine Möglichkeit, alte, bewährte Sorten zu erhalten und die Vitalität Ihrer Pflanzen zu sichern. Wenn ein Rhabarberstock nach einigen Jahren (typischerweise nach 5-8 Jahren) nicht mehr die gewünschte Ernte liefert oder die Stiele dünner werden, ist es oft ein Zeichen dafür, dass die Pflanze zu dicht steht oder der Wurzelstock zu alt geworden ist. Eine Teilung verjüngt den Stock und regt ihn zu neuem, kräftigem Wachstum an. Darüber hinaus erlaubt Ihnen die Vermehrung, gezielt Ihre Lieblingssorten zu vermehren, die vielleicht nicht überall im Handel erhältlich sind. Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Sorte mit besonders zarten, roten Stielen oder einem einzigartigen süß-säuerlichen Aroma – durch Vermehrung können Sie diese Besonderheit für immer in Ihrem Garten bewahren.
Die Entscheidung, Rhabarber zu vermehren, ist oft auch eine finanzielle. Anstatt jedes Jahr neue Pflanzen zu kaufen, können Sie aus einer bestehenden Pflanze viele neue ziehen. Dies ist besonders vorteilhaft, wenn Sie größere Flächen bepflanzen möchten oder einen Gemeinschaftsgarten haben, in dem Sie Pflanzen mit Nachbarn oder Freunden teilen möchten. Die Vermehrung durch Teilung ist eine biologisch sinnvolle Methode, die den Charakter der Mutterpflanze zu 100% bewahrt. Im Gegensatz zur Aussaat, bei der es zu genetischen Variationen kommen kann, erhalten Sie bei der Teilung exakte Kopien Ihrer gewünschten Sorte. Dies stellt sicher, dass Geschmack, Farbe und Wachstumseigenschaften unverändert bleiben.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Gartengestaltung. Mit der Zeit entwickeln sich Gärten, und manchmal passen bestehende Pflanzen nicht mehr an den neuen Standort oder die neuen gestalterischen Ideen. Die Vermehrung gibt Ihnen die Flexibilität, neue Pflanzen an anderer Stelle zu etablieren oder bestehende Lücken zu füllen. Sie können beispielsweise eine ältere Pflanze teilen und einen Teil davon an einen sonnigeren oder feuchteren Standort versetzen, der besser zu den Bedürfnissen des Rhabarbers passt. So optimieren Sie nicht nur die Ernte, sondern auch das Erscheinungsbild Ihres Gartens.
Die Vermehrung von Rhabarber ist somit ein essentieller Bestandteil der Pflege, der sowohl die Ertragsfähigkeit als auch die langfristige Gesundheit und Verbreitung Ihrer Rhabarberpflanzen sichert. Es ist ein Prozess, der sowohl praktische als auch gestalterische Vorteile mit sich bringt und Gärtnern ermöglicht, ihre Ernte und ihren Garten auf nachhaltige Weise zu erweitern.
Die beste Zeit für die Rhabarber-Vermehrung
Der ideale Zeitpunkt, um Ihren Rhabarber zu vermehren, ist im späten Herbst oder im zeitigen Frühjahr. In diesen Phasen befindet sich die Pflanze in der Vegetationsruhe, was bedeutet, dass sie weniger anfällig für Stress und Krankheiten ist. Die kühleren Temperaturen und die höhere Bodenfeuchtigkeit bieten optimale Bedingungen für die Wurzelbildung neuer Teilstücke.
Wenn Sie sich für den späten Herbst entscheiden, typischerweise nach dem ersten Frost, hat die Pflanze ihre Energie in die Wurzeln zurückgezogen. Die oberirdischen Pflanzenteile sind dann abgestorben oder sterben bald ab, was die Handhabung des Wurzelstocks erleichtert. Sie können den Stock ausgraben, teilen und die neuen Teilstücke sofort wieder einpflanzen. Der Boden ist zu dieser Zeit oft noch warm genug, um den Wurzeln ein gutes Anwachsen zu ermöglichen, bevor die eigentliche Kälteperiode beginnt.
Alternativ bietet sich das zeitige Frühjahr an, sobald der Boden frostfrei und bearbeitbar ist. Dies ist oft im März oder April der Fall. Die Pflanze beginnt gerade erst, aus dem Boden zu treiben, und hat noch nicht viel Energie in das oberirdische Wachstum investiert. Der Vorteil hierbei ist, dass Sie die neuen Triebe und Knospen gut erkennen können, was bei der Teilung hilft, sicherzustellen, dass jedes Teilstück genügend vitale Knospen für neues Wachstum besitzt. Eine Vermehrung im Frühjahr ermöglicht den neuen Pflanzen zudem eine ganze Vegetationsperiode, um sich gut zu etablieren.
Beachten Sie, dass eine Vermehrung während der Hauptwachstumszeit im Sommer oder während der Blütezeit vermieden werden sollte. Zu dieser Zeit benötigt die Pflanze ihre gesamte Energie für die Blatt- und Stielbildung sowie potenziell für die Blütenbildung. Eine Störung des Wurzelstocks in dieser Hochphase kann zu erheblichem Stress führen, die Ernte im laufenden Jahr stark beeinträchtigen und die Überlebenschancen der Teilstücke verringern. Die Wahl des richtigen Zeitpunkts ist entscheidend für den Erfolg der Rhabarber-Vermehrung und sichert eine gute Entwicklung der neuen Pflanzen.
Benötigte Materialien und Werkzeuge
Um Ihren Rhabarber erfolgreich zu vermehren, benötigen Sie einige grundlegende Werkzeuge und Materialien. Diese sind meist in jedem gut ausgestatteten Gartenhaushalt vorhanden. Die richtige Vorbereitung erleichtert den Prozess erheblich und minimiert den Stress für die Pflanze.
Werkzeuge:
- Scharfes Messer oder Spaten: Dies ist das wichtigste Werkzeug. Ein stabiler, scharfer Spaten eignet sich hervorragend zum Ausgraben des gesamten Wurzelstocks. Wenn der Stock sehr groß ist, kann es hilfreich sein, zuerst mit dem Spaten die Erde rundherum zu lockern. Zum eigentlichen Teilen des Wurzelstocks ist ein scharfes, robustes Messer oder eine kleine Säge ideal. Achten Sie darauf, dass die Klingen sauber sind, um die Übertragung von Krankheiten zu vermeiden.
- Gartenschere: Eine scharfe Gartenschere kann nützlich sein, um abgestorbene oder beschädigte Wurzelteile zu entfernen oder um die oberirdischen Blätter vor dem Ausgraben zurückzuschneiden, falls sie noch vorhanden sind.
- Schubkarre: Zum Transport des ausgegrabenen Wurzelstocks oder der Erde ist eine Schubkarre unerlässlich, besonders wenn Sie einen großen, schweren Stock teilen möchten.
- Gießkanne: Nach dem Einpflanzen der neuen Teilstücke ist gründliches Angießen entscheidend für eine gute Anwurzelung.
Materialien:
- Kompost oder reifer Dung: Rhabarber ist ein Starkzehrer und profitiert enorm von einer nährstoffreichen Erde. Mischen Sie vor dem Einpflanzen den neuen Standort mit reichlich Kompost oder gut verrottetem Dung auf.
- Mulchmaterial: Eine Schicht Mulch (z.B. Rasenschnitt, Stroh oder Rindenmulch) nach dem Angießen hilft, die Feuchtigkeit im Boden zu halten und Unkrautwuchs zu unterdrücken.
- Wasser: Ausreichend Wasser ist während der Anwachsphase unerlässlich.
Stellen Sie sicher, dass Ihre Werkzeuge sauber sind, bevor Sie beginnen. Dies verhindert die Verbreitung von Pilzkrankheiten oder Bakterien von einer Pflanze zur nächsten. Eine gute Hygiene ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Vermehrung.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Rhabarber teilen
Das Vermehren von Rhabarber durch Teilung ist ein überschaubarer Prozess, der mit etwas Geduld und dem richtigen Vorgehen gelingt. Hier ist die detaillierte Anleitung, um Ihre Rhabarberpflanzen erfolgreich zu vermehren.
1. Vorbereitung und Ausgraben des Wurzelstocks:
Wählen Sie den richtigen Zeitpunkt (später Herbst oder frühes Frühjahr). Beginnen Sie damit, den Bereich um den Rhabarberstock herum gründlich zu wässern. Dies erleichtert das Ausgraben. Setzen Sie den Spaten etwa 20-30 cm vom Zentrum des Stocks entfernt an und stechen Sie ihn tief in die Erde. Arbeiten Sie sich ringsum vor, bis der gesamte Wurzelstock gelockert ist. Hebeln Sie den Stock vorsichtig aus dem Erdreich. Wenn der Stock sehr groß und schwer ist, kann es ratsam sein, ihn nicht komplett auszugraben, sondern ihn im Boden zu belassen und nur den Teil abzutrennen, den Sie vermehren möchten. Das ist jedoch bei der Teilung des gesamten Stocks weniger praktikabel.
2. Teilen des Wurzelstocks:
Legen Sie den ausgegrabenen Wurzelstock auf eine ebene Fläche, idealerweise auf eine Plane, um ihn sauber zu halten. Untersuchen Sie den Stock. Sie werden sehen, dass er aus mehreren dicken Wurzeln und darauf sitzenden Knospen (Augen) besteht. Suchen Sie nach Stellen, an denen der Stock natürlich teilbar ist oder wo sich mehrere starke Knospen an einem Stück Wurzel befinden. Verwenden Sie dazu ein scharfes, stabiles Messer, eine kleine Säge oder auch den Spaten, um den Stock in mehrere Teilstücke zu zerlegen. Jedes Teilstück sollte mindestens eine bis drei kräftige Knospen und ausreichend Wurzelmaterial tragen, um sich gut entwickeln zu können. Schneiden Sie dabei niemals mit stumpfen Werkzeugen, da dies die Wurzeln quetscht und die Heilung erschwert.
3. Vorbereitung der Teilstücke und des Pflanzlochs:
Entfernen Sie mit einem Messer oder der Gartenschere alle beschädigten oder faulen Wurzelteile. Sie können die Schnittflächen auch leicht mit Holzkohlepulver bestäuben, um die Heilung zu fördern und Pilzbefall vorzubeugen. Graben Sie nun an Ihrem neuen Standort ein Pflanzloch, das etwa doppelt so groß ist wie das Teilstück, das Sie einsetzen möchten. Verbessern Sie die ausgehobene Erde großzügig mit Kompost oder gut verrottetem Dung. Achten Sie darauf, dass der neue Standort sonnig bis halbschattig ist und genügend Platz für das zukünftige Wachstum bietet.
4. Einpflanzen der neuen Rhabarber-Teilstücke:
Setzen Sie das Teilstück in das vorbereitete Loch. Die Knospen sollten dabei nach oben zeigen und höchstens 2-5 cm tief unter der Erdoberfläche liegen. Eine zu tiefe Pflanzung kann das Austreiben verhindern. Füllen Sie das Loch mit der vorbereiteten Erde auf und drücken Sie diese leicht an, um Hohlräume zu vermeiden. Achten Sie darauf, dass der Stock stabil steht.
5. Angießen und Mulchen:
Gießen Sie die frisch gepflanzten Teilstücke sofort und gründlich an. Dies ist ein kritischer Schritt, um guten Bodenschluss herzustellen und die Wurzeln mit Feuchtigkeit zu versorgen. Sobald das Wasser eingezogen ist, tragen Sie eine Schicht Mulch um den Pflanzenfuß auf. Dies hilft, die Feuchtigkeit zu bewahren und die junge Pflanze vor Austrocknung und Temperaturschwankungen zu schützen.
6. Pflege der jungen Pflanzen:
Halten Sie die Erde in den ersten Wochen feucht. In der Regel müssen Sie im ersten Jahr nach der Vermehrung keine Stiele ernten. Lassen Sie die Pflanze ihre Energie in den Aufbau eines kräftigen Wurzelwerks und neuer Blätter stecken. Die erste Ernte sollte erst im zweiten oder dritten Jahr erfolgen, um der Pflanze genügend Zeit zum Wachsen zu geben.
Wenn Sie diese Schritte befolgen, legen Sie den Grundstein für gesunde, ertragreiche Rhabarberpflanzen, die Ihnen viele Jahre Freude bereiten werden.
Pflege der geteilten Rhabarberpflanzen
Nachdem Sie Ihren Rhabarber erfolgreich vermehrt und die neuen Teilstücke gepflanzt haben, beginnt die Phase der Pflege, die entscheidend für deren Etablierung und zukünftiges Wachstum ist. Die Bedürfnisse junger Pflanzen unterscheiden sich leicht von denen ausgewachsener Exemplare.
Bewässerung:
Gerade in den ersten Wochen und Monaten nach der Pflanzung ist eine gleichmäßige Bewässerung unerlässlich. Der Boden sollte stets leicht feucht gehalten werden, aber Staunässe vermeiden. Dies gilt besonders für die Sommermonate, in denen die Verdunstung hoch ist. Wenn Sie Mulch verwendet haben, hilft dieser, die Feuchtigkeit besser zu speichern, und Sie müssen seltener gießen. Ein tieferes, aber weniger häufiges Gießen ist oft besser als viele oberflächliche Wassergaben, da es die Wurzelbildung in tiefere Bodenschichten anregt.
Düngung:
Rhabarber ist ein Starkzehrer und benötigt viele Nährstoffe. Im ersten Jahr nach der Vermehrung sollten Sie mit der Düngung etwas zurückhaltend sein, da die Erde bereits durch Kompost angereichert wurde. Ab dem zweiten Jahr ist eine jährliche Düngung im Frühjahr unerlässlich. Verwenden Sie hierfür gut verrotteten Kompost, organischen Langzeitdünger oder eine Mischung aus Stallmist und Laub. Eine Gabe von etwa 5-10 Litern Kompost pro Quadratmeter im Frühjahr ist ideal. Achten Sie darauf, den Dünger leicht in die oberste Bodenschicht einzuarbeiten oder ihn um die Pflanze herum zu verteilen und gut anzugießen.
Unkrautbekämpfung:
Junge Rhabarberpflanzen sind noch nicht in der Lage, Unkraut effektiv zu unterdrücken. Regelmäßiges Jäten ist daher wichtig, um Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe zu vermeiden. Seien Sie dabei vorsichtig, um die jungen Wurzeln nicht zu beschädigen. Der Einsatz von Mulch ist hier eine sehr effektive Methode, um das Unkrautwachstum von vornherein einzudämmen.
Schutz vor Schädlingen und Krankheiten:
Gut etablierte Rhabarberpflanzen sind recht robust. Bei jungen Pflanzen ist jedoch besondere Aufmerksamkeit geboten. Achten Sie auf Anzeichen von Blattläusen, Schnecken oder Pilzkrankheiten wie Blattflecken. Die beste Vorbeugung ist eine starke, gesunde Pflanze durch optimale Standortwahl, gute Bodenvorbereitung und ausgewogene Düngung. Regelmäßiges Entfernen von Unkraut und das Vermeiden von Staunässe tragen ebenfalls zur Gesunderhaltung bei. Wenn doch Schädlinge auftreten, versuchen Sie zunächst auf biologische Mittel zurückzugreifen.
Ernte im ersten Jahr:
Es ist eine oft gestellte Frage, ob man im ersten Jahr nach der Vermehrung ernten darf. Die klare Antwort lautet: Nein. Die Pflanze benötigt ihr gesamtes Potenzial, um ein starkes Wurzelwerk aufzubauen und sich zu etablieren. Eine Ernte würde sie schwächen und ihr Wachstum erheblich behindern. Warten Sie geduldig bis zum zweiten oder, besser noch, bis zum dritten Jahr, bevor Sie die ersten Stiele ernten. Diese Geduld zahlt sich in Form von kräftigen Pflanzen und reichen Ernten in den Folgejahren aus.
Die sorgfältige Pflege der jungen Rhabarberpflanzen legt den Grundstein für ihre Langlebigkeit und Produktivität. So sichern Sie sich über viele Jahre hinweg eine reiche Ernte.
Warum sich Rhabarber vermehren lohnt: Ernte und Ertrag
Die Vermehrung von Rhabarber ist nicht nur ein gärtnerischer Akt, sondern auch eine Investition in zukünftige Erträge. Ein gut gepflegter Rhabarberstock kann über 15 Jahre hinweg konstant hohe Ernten liefern, aber erst die Verjüngung durch Teilung sichert diese Langlebigkeit und Produktivität.
Ertragssteigerung durch Teilung:
Mit zunehmendem Alter kann ein Rhabarberstock dazu neigen, innen zu verkahlen und die Stieldicke abzunehmen. Dies geschieht oft nach etwa 5 bis 8 Jahren. Durch das Teilen des Wurzelstocks wird die Pflanze verjüngt. Die einzelnen Teilstücke sind jünger und vitaler, was zu einer kräftigeren Stielbildung und somit zu höheren Erträgen führt. Die Schnittstellen heilen ab und die Pflanze konzentriert ihre Energie auf das Wachstum neuer, kräftiger Triebe.
Wielange kann man Rhabarber ernten?
Die Erntezeit für Rhabarber beginnt im Frühjahr, sobald die Stiele eine gute Größe erreicht haben, und dauert in der Regel bis zum Johannistag (24. Juni). Nach diesem Datum sollte die Ernte eingestellt werden, damit die Pflanze Kraft für das nächste Jahr sammeln kann. Ein gut etablierter und regelmäßig verjüngter Rhabarberstock kann über diese gesamte Periode hinweg erhebliche Mengen liefern. Wenn Sie Ihren Rhabarber alle paar Jahre teilen, stellen Sie sicher, dass jeder Stock seine maximale Ertragsfähigkeit behält.
Die Faustregel für die Ernte:
Eine einfache Faustregel besagt: Ernten Sie nicht mehr als die Hälfte der Stiele eines gesunden, ausgewachsenen Stocks auf einmal. Achten Sie auf Stiele, die mindestens fingerdick sind und eine Länge von etwa 20-30 cm erreicht haben. Die Farbe der Stiele ist sortenabhängig, aber die Dicke und das Alter sind entscheidende Kriterien. Vermeiden Sie es, die Stiele abzuschneiden; drehen und ziehen Sie sie stattdessen vorsichtig aus dem Stock. Dies hinterlässt eine saubere Schnittstelle am Stock und minimiert das Risiko von Krankheiten.
Wie erntet man Rhabarber korrekt?
Die korrekte Erntetechnik ist wichtig, um die Pflanze nicht unnötig zu belasten. Greifen Sie einen Stiel nahe am Boden, drehen Sie ihn leicht hin und her und ziehen Sie ihn dann mit einem Ruck nach oben. Die Blätter sollten dabei nicht mitgeerntet werden, da sie die Pflanze für die Photosynthese benötigt. Die großen Blätter können nach der Ernte abgeschnitten und kompostiert werden, wobei ein kleines Stück des Stiels am Blattansatz verbleibt. Dies schützt die Knospen am Stock.
Durch das regelmäßige Teilen vergrößern Sie nicht nur Ihren Rhabarberbestand, sondern sichern auch die Qualität und Menge Ihrer Ernte über viele Jahre. Sie können Ihre Lieblingssorten in verschiedenen Bereichen Ihres Gartens anbauen oder sie mit anderen Gartenfreunden teilen und so die Freude an diesem vielseitigen Gemüse verbreiten.
Häufige Probleme und deren Vermeidung
Obwohl Rhabarber eine relativ robuste Pflanze ist, können bei der Vermehrung und Pflege dennoch einige Probleme auftreten. Ein Verständnis dieser potenziellen Schwierigkeiten hilft Ihnen, präventive Maßnahmen zu ergreifen und Ihre Pflanzen gesund zu halten.
Problem: Der Rhabarberstock treibt nicht aus oder nur schwach.
Ursache: Dies kann mehrere Gründe haben. Das Teilstück wurde zu tief gepflanzt, die Knospen waren nicht vital, der Boden ist zu nährstoffarm oder die Pflanze leidet unter Staunässe. Auch Frostschäden an jungen Trieben im Frühjahr sind möglich.
Vermeidung: Achten Sie beim Pflanzen auf die richtige Pflanztiefe (Knospen nur 2-5 cm unter der Erde) und die Vitalität der Knospen. Verbessern Sie den Boden mit Kompost und sorgen Sie für gute Drainage. Bei Spätfrostgefahr können junge Triebe mit Vlies abgedeckt werden.
Problem: Die Stiele bleiben dünn und die Ernte ist gering.
Ursache: Oft ist dies ein Zeichen dafür, dass der Stock zu alt ist und eine Teilung benötigt. Auch Nährstoffmangel, zu wenig Wasser in trockenen Perioden oder zu viel Schatten können die Ursache sein.
Vermeidung: Teilen Sie Ihren Rhabarberstock alle 5-8 Jahre. Sorgen Sie für regelmäßige Düngung mit Kompost und ausreichend Wasser. Rhabarber bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte.
Problem: Krankheiten wie Blattflecken oder Wurzelfäule treten auf.
Ursache: Pilzkrankheiten wie Blattflecken werden oft durch feucht-warme Witterung und mangelnde Luftzirkulation begünstigt. Wurzelfäule entsteht fast immer durch Staunässe.
Vermeidung: Achten Sie auf einen luftigen Standort und vermeiden Sie Überdüngung mit Stickstoff, die die Pflanzen anfälliger machen kann. Entfernen Sie befallene Blätter umgehend und entsorgen Sie sie im Hausmüll (nicht auf dem Kompost). Stellen Sie sicher, dass der Boden gut drainiert ist, besonders nach der Teilung und dem Pflanzen. Die Verwendung sauberer Werkzeuge bei der Teilung verhindert die Übertragung von Krankheitserregern.
Problem: Der Rhabarber bildet Blüten.
Ursache: Rhabarber entwickelt unter bestimmten Bedingungen Blütenstände. Dies ist oft ein Zeichen von Stress, z.B. durch extreme Temperaturen, Trockenheit oder eine zu junge/alte Pflanze. Die Blütenbildung entzieht der Pflanze Energie, die sonst für die Stielbildung genutzt würde.
Vermeidung: Entfernen Sie die Blütenstände sofort, sobald Sie sie entdecken. Schneiden Sie sie am Ansatz ab. Dies lenkt die Energie der Pflanze zurück in die Stielproduktion. Eine kontinuierliche Wasserversorgung und eine gute Nährstoffversorgung helfen, die Bildung von Blüten zu reduzieren.
Die meisten dieser Probleme sind durch aufmerksame Pflege und die Beachtung der Grundbedürfnisse des Rhabarbers vermeidbar. Regelmäßige Kontrolle und rechtzeitiges Eingreifen sind der Schlüssel zu gesunden und ertragreichen Pflanzen.
Rhabarber vermehren: Mehr als nur Teilung
Während die Teilung des Wurzelstocks die bei weitem gängigste und empfehlenswerteste Methode ist, um Rhabarber zu vermehren, gibt es theoretisch auch andere Wege. Diese sind jedoch für den Hobbygärtner meist weniger praktikabel oder führen nicht zu sortenechten Pflanzen.
Vermehrung durch Samen:
Rhabarber kann aus Samen gezogen werden. Die Samen stammen jedoch aus der Blüte des Rhabarbers, und wenn die Pflanzen nicht sorgfältig sortenrein gehalten wurden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die daraus wachsenden Pflanzen nicht die Eigenschaften der Mutterpflanze aufweisen. Es kann zu genetischen Variationen kommen, die zu anderen Geschmacksrichtungen, Farben oder Wachstumsformen führen. Dies ist eher für Züchter interessant, die neue Sorten entwickeln wollen, oder für Gärtner, die experimentieren möchten. Die Aussaat erfolgt im Frühjahr im Haus oder im Gewächshaus. Die Keimung kann unregelmäßig sein und die Pflanzen benötigen mehrere Jahre, bis sie erntereif sind. Für den normalen Gartenbedarf ist diese Methode nicht zu empfehlen, wenn man die sortentypischen Eigenschaften erhalten möchte.
Vermehrung durch Stecklinge:
Theoretisch ist es möglich, Rhabarber aus Wurzelstecklingen zu ziehen. Dabei werden Stücke von kräftigen Wurzeln geschnitten und unter guten Bedingungen zum Bewurzeln gebracht. Diese Methode erfordert jedoch spezifische Bedingungen und ist aufwendiger als die Teilung. Die Erfolgsrate ist oft nicht so hoch, und die Pflanzen brauchen ebenfalls Zeit, um sich zu etablieren. Auch hier ist die Sortenechtheit gewährleistet, aber der Aufwand steht meist in keinem Verhältnis zum Ergebnis im Vergleich zur einfachen Stockteilung.
Warum ist die Teilung die bevorzugte Methode?
Die Teilung des Wurzelstocks ist die Methode der Wahl, weil sie:
- Sortenecht ist: Jedes Teilstück ist genetisch identisch mit der Mutterpflanze.
- Schnell ist: Die geteilten Pflanzen etablieren sich in der Regel schneller und tragen früher Früchte als sämlingsgezogene Pflanzen.
- Einfach ist: Mit wenigen Werkzeugen und etwas Sorgfalt kann jeder Gärtner Rhabarber erfolgreich teilen.
- Verjüngt: Sie dient gleichzeitig der Pflege und Verjüngung der Mutterpflanze, was deren Lebensdauer und Ertragsfähigkeit erhöht.
Für den Hobbygärtner, der einfach nur mehr von seiner Lieblings-Rhabarbersorte haben möchte, ist und bleibt die Teilung des Wurzelstocks die beste und praktischste Lösung. Sie verbindet Effizienz mit einem garantierten Ergebnis, das den Erwartungen an die ursprüngliche Sorte entspricht.
