Die Wahrnehmung von Schneckengeschwindigkeit: Ein langsamer Eindruck
Wenn man an Schnecken denkt, kommt einem fast immer das Wort „langsam“ in den Sinn. Diese Vorstellung ist nicht falsch, doch die tatsächliche Geschwindigkeit, mit der sich diese faszinierenden Weichtiere fortbewegen, ist ein komplexes Thema, das von vielen Faktoren abhängt. Wir sprechen hier nicht von den Geschwindigkeiten, die wir von Säugetieren oder gar Fahrzeugen kennen, sondern von einer gemächlichen Fortbewegung, die für ihr Überleben und ihre Interaktion mit der Umwelt optimiert ist. Die Frage, wie schnell Schnecken wirklich sind, öffnet die Tür zu einem besseren Verständnis ihres Lebens und ihres Verhaltens, besonders wenn sie zu ungebetenen Gästen in unseren Gärten werden.
Die Spanne der Geschwindigkeit bei Schnecken ist bemerkenswert, aber dennoch klein im Vergleich zu anderen Tierarten. Typischerweise bewegen sich Landlungenschnecken im Bereich von wenigen Millimetern pro Sekunde bis hin zu maximal einigen Zentimetern pro Minute. Eine einzelne, zügige Gartenschnecke mag auf einem geraden Weg vielleicht eine Strecke von bis zu 15 Metern in einer Stunde zurücklegen, was einer Geschwindigkeit von etwa 4 Millimetern pro Sekunde entspricht. Dies mag im menschlichen Maßstab extrem langsam erscheinen, ist aber für die Schnecke ein effektiver Weg, um Nahrung zu finden, Feinden zu entkommen oder ihren Lebensraum zu erkunden.
Biologische Grundlagen der Schneckenbewegung
Die Fortbewegung einer Schnecke ist ein faszinierendes Schauspiel der Biomechanik. Sie nutzt einen muskulösen Fuß, der mit speziellen Drüsen besetzt ist. Diese Drüsen sondern einen Schleim ab, der mehrere Funktionen erfüllt: Er erleichtert das Gleiten über Oberflächen, schützt den weichen Fuß vor Verletzungen und hinterlässt die typische schleimige Spur. Der Fuß bewegt sich wellenartig vorwärts, indem er sich abwechselnd kontrahiert und entspannt, was die Schnecke von Punkt A nach Punkt B schiebt. Diese wellenförmige Kontraktion, kombiniert mit dem Gleitfilm des Schleims, ermöglicht eine stetige, wenn auch langsame, Bewegung. Ohne diesen Schleim wäre die Fortbewegung extrem mühsam und potenziell schädlich für das Tier.
Der Schleim ist also nicht nur ein Hilfsmittel, sondern essenziell für die Überlebensfähigkeit der Schnecke. Er reduziert die Reibung erheblich und ermöglicht es, selbst auf rauen oder steilen Oberflächen voranzukommen. Die Menge und Art des produzierten Schleims kann variieren, beeinflusst durch Faktoren wie Feuchtigkeit, Temperatur und die Beschaffenheit des Untergrunds. Bei trockener Witterung wird oft mehr Schleim produziert, um ein Austrocknen des Fußes zu verhindern und die Gleitfähigkeit zu erhalten. Diese Anpassungsfähigkeit des Schleims ist ein Schlüssel zum Verständnis, warum Schnecken unter bestimmten Bedingungen etwas flotter unterwegs zu sein scheinen als unter anderen.
Die grundlegende Fortbewegungstechnik von Schnecken basiert auf der wellenartigen Kontraktion ihres muskulösen Fußes in Kombination mit einer Schleimschicht.
Faktoren, die die Geschwindigkeit von Schnecken beeinflussen
Die Vorstellung von Schnecken als statische, langsame Wesen wird durch das Wissen um die vielfältigen Faktoren, die ihre Geschwindigkeit beeinflussen, differenziert. Es ist nicht so, dass alle Schnecken immer gleich langsam sind; ihre Fortbewegungsrate passt sich an die Umwelt und ihre Bedürfnisse an. Diese Anpassungsfähigkeit ist entscheidend für ihr Überleben in einer Welt voller potenzieller Gefahren und begrenzter Ressourcen.
Artenvielfalt und individuelle Unterschiede
Es gibt Tausende von Schneckenarten weltweit, von winzigen Gehäuseschnecken bis hin zu größeren Nacktschnecken wie der Spanischen Wegschnecke oder der Weinbergschnecke. Jede Art hat ihre eigene genetische Prädisposition für Geschwindigkeit, die oft mit ihrer Größe, ihrem Stoffwechsel und ihren Verhaltensweisen korreliert. Größere Arten können theoretisch größere Schritte machen, aber ihre Masse erfordert auch mehr Energie. Kleine Schnecken sind zwar wendiger, aber ihre geringere Größe macht sie auch anfälliger für Austrocknung und kleinere Hindernisse.
Innerhalb einer Art gibt es ebenfalls individuelle Unterschiede. Jüngere, gesunde Schnecken mit ausreichend Energie und Feuchtigkeit bewegen sich in der Regel aktiver als ältere, geschwächte oder dehydrierte Tiere. Der Ernährungszustand spielt eine wesentliche Rolle: Eine gut genährte Schnecke kann mehr Energie für die Bewegung aufwenden. Dies ist besonders relevant, wenn sie beispielsweise auf der Suche nach Nahrung oder einem geeigneten Partner sind.
Umweltbedingungen: Feuchtigkeit, Temperatur und Untergrund
Die Umweltbedingungen sind vielleicht die mächtigsten Einflussfaktoren auf die Geschwindigkeit einer Schnecke. Feuchtigkeit ist lebensnotwendig. Bei trockenem Wetter ziehen sich Schnecken oft zurück, vergraben sich im Boden oder suchen Schutz unter Laub, um den Wasserverlust zu minimieren. Wenn sie sich bewegen, produzieren sie mehr Schleim, um Austrocknung zu verhindern, was die Fortbewegung potenziell verlangsamen kann, aber notwendig ist. Regen oder hohe Luftfeuchtigkeit hingegen fördern die Aktivität und ermöglichen schnellere, ausgedehntere Wanderungen.
Die Temperatur spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Schnecken sind wechselwarm, ihre Körpertemperatur passt sich der Umgebung an. Zu kalte Temperaturen verlangsamen ihren Stoffwechsel drastisch, und bei Frost fallen sie in eine Starre. Zu heiße Temperaturen können ebenfalls zur Austrocknung führen. Optimale Temperaturen, die oft mit feuchtem Wetter einhergehen, ermöglichen ihre höchste Aktivität und damit auch ihre relative „Höchstgeschwindigkeit“. Auch die Beschaffenheit des Untergrunds ist relevant. Auf glatten, feuchten Oberflächen gleiten sie leichter als auf rauem, trockenem oder steilem Terrain, wo sie mehr Kraft aufwenden müssen.
Tageszeit und Aktivitätszyklen
Ein weiterer signifikanter Faktor ist die Tageszeit. Die meisten Schneckenarten sind dämmerungs- und nachtaktiv oder bevorzugen die kühlen, feuchten Stunden des Morgens. Tagsüber ruhen sie oft in schattigen, feuchten Verstecken, um sich vor Austrocknung und Fressfeinden zu schützen. Dies bedeutet, dass die Zeiten, in denen wir Schnecken am ehesten beobachten und ihre Geschwindigkeit einschätzen, oft dann sind, wenn sie ohnehin langsamer agieren oder sich auf Nahrungssuche begeben, was den Eindruck ihrer generellen Langsamkeit verstärkt.
Die Geschwindigkeit einer Schnecke ist kein fester Wert, sondern passt sich dynamisch an Art, Wetter, Untergrund und Tageszeit an.
Es ist die Kombination aus Schleimproduktion, Muskelkontraktion und der Anpassung an äußere Bedingungen, die die scheinbar langsame Bewegung der Schnecke ermöglicht.
Wie Schnecken ihre Umgebung beeinflussen – und umgekehrt
Die Geschwindigkeit von Schnecken, so gering sie auch sein mag, hat dennoch weitreichende Konsequenzen für ihr eigenes Leben und für die Ökosysteme, in denen sie leben. Besonders im Kontext unserer Gärten wird die Frage nach der Geschwindigkeit relevant, wenn sie zu einem Problem werden. Obwohl sie sich nicht im Eiltempo fortbewegen, können sie durch ihre schiere Masse und ihre unermüdliche Aktivität über Nacht erhebliche Schäden anrichten.
Schnecken als Teil des Ökosystems
In natürlichen Umgebungen sind Schnecken ein wichtiger Bestandteil der Nahrungskette. Sie dienen als Nahrungsquelle für Vögel, Igel, Spitzmäuse und bestimmte Insekten. Gleichzeitig spielen sie eine Rolle bei der Zersetzung von organischem Material. Sie fressen abgestorbene Pflanzenreste, Pilze und Algen und tragen so zur Nährstoffrückführung im Boden bei. Ihre langsame, aber stetige Bewegung über die Vegetation hinweg beeinflusst, welche Pflanzen sie bevorzugen und welche sie meiden, was wiederum die Pflanzenzusammensetzung in einem Gebiet mitprägt.
Die Frage, wie schnell Schnecken sind, ist hierbei oft zweitrangig gegenüber der Tatsache, dass sie kontinuierlich fressen und sich vermehren. Selbst eine langsame Fressrate kann bei einer großen Population schnell zu sichtbaren Fraßschäden führen. Ihre Fortbewegung ist darauf ausgelegt, Nahrung zu finden und sich fortzupflanzen, was auch bei geringer Geschwindigkeit sehr effektiv sein kann. Die Zeit, die sie für die Fortbewegung benötigen, ist ausreichend, um beispielsweise eine Salatpflanze oder junge Setzlinge erheblich zu beeinträchtigen.
Herausforderungen im Garten: Pflanzen gegen Schnecken
Für Gärtner stellen Schnecken, allen voran die gefräßigen Nacktschnecken, oft eine große Herausforderung dar. Junge, zarte Pflanzen wie Salat, Funkien, Taglilien und viele Gemüse-Setzlinge sind besonders gefährdet. Die Fraßschäden sind oft leicht zu erkennen: unregelmäßige Löcher in den Blättern und Schleimspuren auf den Pflanzenoberflächen. Die Geschwindigkeit, mit der Schnecken fressen, mag zwar im Vergleich zu anderen Schädlingen gering sein, doch ihre Vorliebe für bestimmte Pflanzen und ihre Fähigkeit, sich auch auf ungünstigen Oberflächen zu bewegen, macht sie zu hartnäckigen Feinden.
Um dem entgegenzuwirken, gibt es verschiedene Strategien, die oft auf der Verlangsamung oder dem Fernhalten der Schnecken basieren. Dazu gehören das Anlegen von Barrieren (z.B. mit Schneckenschutzmanschetten, Kupferbändern oder Kieselgur), das Aufstellen von Schneckenfallen, das Sammeln der Tiere per Hand (besonders effektiv in den feuchten Abend- oder Morgenstunden) oder der Einsatz biologischer Mittel. Die Wahl der richtigen Pflanzen, die von Schnecken eher gemieden werden – wie beispielsweise bestimmte Kräuter (Rosmarin, Thymian), robustere Stauden oder auch Blumen mit ledrigen Blättern – kann ebenfalls helfen, den Schaden zu minimieren. Das Wissen um ihre Bewegungsweise hilft hierbei: Wenn man weiß, wie und wann sie aktiv sind, kann man gezielter Maßnahmen ergreifen.
Schnecken bekämpfen und das ökologische Gleichgewicht
Bei der Bekämpfung von Schnecken ist es wichtig, ein Gleichgewicht zu finden. Radikale Methoden, die alle Schnecken vernichten, können auch nützliche Arten reduzieren und die Nahrungskette stören. Schnecken sind schließlich auch Teil der natürlichen Zersetzung und dienen als Nahrung für andere Tiere. Ein maßvoller Umgang, der sich auf die Reduzierung der Populationen konzentriert, die signifikanten Schaden anrichten, ist meist die beste Strategie. Hausmittel wie Kaffeesatz oder Bierfallen können Linderung verschaffen, doch oft ist eine Kombination verschiedener Methoden am wirksamsten. Das Verständnis dafür, wie Schnecken sich bewegen und wann sie am aktivsten sind, ist der Schlüssel zu einem erfolgreichen und naturschonenden Vorgehen.
Wenn Sie Schnecken am Abend oder nach einem Regen mit einer Taschenlampe absuchen, werden Sie ihre Aktivität am besten beobachten können und gleichzeitig die Tiere einsammeln, bevor sie am nächsten Morgen wieder Unterschlupf suchen.
Spezifische Schneckenarten: Ein Blick auf die Vielfalt
Die allgemeine Frage „Wie schnell sind Schnecken?“ wird erst richtig interessant, wenn man sich die Unterschiede zwischen den einzelnen Arten anschaut. Nicht jede Schnecke bewegt sich im gleichen Tempo, und ihre Lebensweise ist eng mit ihrer Fortbewegung verknüpft. Betrachten wir zwei bekannte Beispiele: die Weinbergschnecke und die Spanische Wegschnecke.
Die Weinbergschnecke (Helix pomatia): Ein gemächlicher Genießer
Die Weinbergschnecke ist die größte heimische Landschnecke und vielen als Delikatesse bekannt. Sie ist relativ langsam, aber stetig unterwegs. Ihre Geschwindigkeit liegt im Bereich von wenigen Zentimetern pro Minute. Besonders aktiv ist sie in feuchten Nächten, wenn sie sich auf Nahrungssuche begibt. Ihre Bewegung ist geprägt von einer sorgfältigen Erkundung ihrer Umgebung. Da sie ein schützendes Gehäuse trägt, muss sie dieses bei jeder Bewegung mitziehen, was ihren Energieaufwand erhöht und ihre Geschwindigkeit begrenzt. Das Gehäuse dient ihr als Schutz vor Austrocknung und Fressfeinden. Sie ist ein gutes Beispiel für eine Schnecke, deren Geschwindigkeit perfekt auf ihre Lebensweise als langsam fressender, aber gut geschützter Herbivore abgestimmt ist.
Die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris): Der gefürchtete Gärtner-Schreck
Die Spanische Wegschnecke, auch bekannt als rote Wegschnecke, ist eine der invasivsten und am weitesten verbreiteten Arten in unseren Gärten. Sie erreicht zwar keine Spitzenwerte in Sachen Geschwindigkeit, ist aber oft zügiger unterwegs als die Weinbergschnecke, besonders wenn sie hungrig ist. Ihre Geschwindigkeit kann im Bereich von bis zu 15 Metern pro Stunde liegen, was etwa 4 Millimetern pro Sekunde entspricht. Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der maximalen Geschwindigkeit, sondern in ihrer Ausdauer und ihrer Fähigkeit, auch bei ungünstigeren Bedingungen aktiv zu sein. Sie hat kein Gehäuse, was ihr zwar mehr Flexibilität und Zugang zu engeren Verstecken ermöglicht, sie aber auch anfälliger für Austrocknung macht. Ihre schnelle Vermehrung und ihre breite Palette an Futterpflanzen machen sie zu einem gravierenden Problem.
Weitere Beispiele: Von winzig bis speziell
Es gibt auch kleinere Schneckenarten, deren Geschwindigkeit oft schwer zu messen ist, da sie sich auf winzigen Oberflächen bewegen. Wasserschnecken in Aquarien, wie verschiedene Blasenschnecken- oder Turmdeckelschneckenarten, bewegen sich ebenfalls langsam, oft auf der Suche nach Algen oder Futterresten. Ihre Geschwindigkeit ist hierbei weniger relevant als ihre Fähigkeit, effizient kleine Flächen abzugrasen oder sich im Wasser zu orientieren. Die Unterschiede in der Geschwindigkeit spiegeln oft evolutionäre Anpassungen an spezifische Nischen und Überlebensstrategien wider.
Die Spanische Wegschnecke ist oft schneller und agiler als die Weinbergschnecke, was zu ihrer invasiven Verbreitung beiträgt.
Schnecken im Aquarium: Eine andere Welt der Bewegung
Während wir uns meist auf Schnecken im Garten konzentrieren, existieren faszinierende Welten der Schneckenbewegung auch unter Wasser. Besonders in Süßwasseraquarien sind Schnecken oft nützliche Helfer. Doch wie schnell bewegen sich diese aquatischen Verwandten und welche Rolle spielt ihre Geschwindigkeit in ihrem Lebensraum?
Aquariumschnecken als Algenfresser und Putzkolonnen
Arten wie die Napfschnecke, Turmdeckelschnecke, Rennschnecke oder Geweihschnecke sind in Aquarien beliebt, weil sie Algen und Futterreste fressen und so zur Sauberkeit des Beckens beitragen. Ihre Geschwindigkeit ist im Vergleich zu anderen Aquarienbewohnern wie Fischen oder Garnelen eher gering. Sie bewegen sich langsam und methodisch über Scheiben, Pflanzen und Bodengrund, um Algen und Detritus abzuweiden. Die „Rennschnecke“ mag im Namen eine gewisse Geschwindigkeit andeuten, aber auch sie ist im Vergleich zu einem Fisch eher gemächlich unterwegs.
Ihre langsame Fortbewegung ist hierbei kein Nachteil, sondern eine Anpassung an ihre Ernährungsweise. Sie benötigen Zeit, um Oberflächen gründlich nach Algen abzusuchen und zu fressen. Eine zu hohe Geschwindigkeit würde dazu führen, dass sie weniger effizient fressen und möglicherweise wichtige Nahrungsquellen übersehen. Die Menge des von ihnen produzierten Schleims ist auch hier entscheidend für die Fortbewegung und das Anhaften an verschiedenen Oberflächen, selbst an der senkrechten Aquarienscheibe.
Vergleich der Geschwindigkeit im Wasser
Wenn wir die Geschwindigkeit von Wasserschnecken mit Landlungenschnecken vergleichen, stellen wir fest, dass die Prinzipien ähnlich sind: eine Kombination aus Muskelarbeit des Fußes und einer gleitfähigen Schicht. Die Fortbewegung im Wasser ist jedoch anders, da die Schnecke vom Wasser getragen wird und nicht gegen Schwerkraft kämpfen muss (außer beim Bewegen auf Oberflächen über dem Wasserspiegel oder an der Wasseroberfläche selbst). Dies kann potenziell schnellere Bewegungen ermöglichen, aber die Hauptfunktion bleibt das langsame, gezielte Absuchen von Oberflächen nach Nahrung.
Die Geschwindigkeit von Aquariumschnecken ist auf ihre Funktion als Algen- und Detritusfresser abgestimmt und oft langsamer als die von Landlungenschnecken.
Die Hauptaufgabe von Aquariumschnecken ist nicht die schnelle Fortbewegung, sondern die gründliche Reinigung. Ihre Präsenz und Aktivität, auch wenn sie langsam ist, ist für das ökologische Gleichgewicht eines Aquariums von unschätzbarem Wert. Sie sind ein Beispiel dafür, wie langsame Bewegung in einem bestimmten Milieu zu großer Effizienz führen kann.
Sind Schnecken Insekten? Eine klare Abgrenzung
Eine häufige Verwechslung oder Frage betrifft die biologische Klassifikation von Schnecken. Sind Schnecken Insekten? Die Antwort darauf ist ein klares Nein, und das Verständnis dieses Unterschieds hilft auch, ihre Eigenschaften, einschließlich ihrer Geschwindigkeit und ihres Verhaltens, besser einzuordnen.
Biologische Klassifikation: Weichtiere, keine Insekten
Schnecken gehören zur Klasse der Gastropoden (Bauchfüßer) innerhalb des Stammes der Mollusken (Weichtiere). Diese Gruppe umfasst sowohl Landschnecken als auch viele Süßwasser- und Meeresschnecken. Merkmale der Mollusken sind ein weicher Körper, der oft von einer Schale (dem Gehäuse) bedeckt ist, und eine muskulöse Fußsohle zur Fortbewegung. Sie haben in der Regel ein Nervensystem, einen Verdauungsapparat und oft ein Atmungsorgan, aber ihre innere Anatomie unterscheidet sich grundlegend von der von Insekten.
Die Merkmale von Insekten
Insekten hingegen sind eine Klasse innerhalb der Arthropoden (Gliederfüßer). Sie zeichnen sich durch einen dreigeteilten Körper (Kopf, Brust, Hinterleib), sechs Beine, die an der Brust ansetzen, und meist zwei Antennen aus. Viele Insekten besitzen Flügel und durchlaufen Metamorphosen wie die vollständige oder unvollständige Verwandlung. Ihre Fortbewegungsarten sind vielfältig und oft deutlich schneller als die von Schnecken – sie können laufen, springen, fliegen und schwimmen.
Implikationen für Geschwindigkeit und Lebensweise
Der Unterschied in der biologischen Klassifikation hat direkte Auswirkungen auf die Fortbewegung. Die sechsbeinige Anatomie und die Fähigkeit zu schnellen Bewegungen wie Laufen, Springen und Fliegen ermöglichen Insekten eine Geschwindigkeit, die für Schnecken unerreichbar ist. Während eine Schnecke sich durch kontrahierenden Fuß und Schleim bewegt, nutzt ein Insekt seine Gliedmaßen für aktive, oft ruckartige oder fließende Bewegungen. Diese unterschiedlichen Mechanismen erklären, warum Schnecken per Definition zu den langsameren Lebewesen gehören, während Insekten ein breites Spektrum an Geschwindigkeiten abdecken können, von der gemächlichen Ameise bis zur rasanten Libelle.
Schnecken sind Weichtiere (Mollusken), während Insekten Gliederfüßer (Arthropoden) sind; dieser Unterschied bedingt grundlegend verschiedene Körperstrukturen und Fortbewegungsarten.
Wie vermehren sich Schnecken und wann sind sie aktiv?
Das Verständnis der Fortbewegungsgeschwindigkeit von Schnecken ist nur ein Teil ihres Lebenszyklus. Ihre Vermehrungsstrategien und Aktivitätszeiten sind ebenfalls entscheidend für ihr Vorkommen und ihren Einfluss, insbesondere in unseren Gärten. Wann und wie sich Schnecken fortpflanzen, erklärt auch, warum sie zu bestimmten Zeiten und unter bestimmten Bedingungen besonders aktiv sind.
Die Fortpflanzung: Zwitter und Eier
Die meisten Landschnecken, einschließlich der bekannten Gartenschnecken und Wegschnecken, sind Zwitter. Das bedeutet, dass jedes Individuum sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane besitzt. Für die Paarung müssen sich jedoch in der Regel zwei Schnecken treffen. Der Paarungsprozess kann je nach Art variieren, ist aber oft ein komplexes Ritual, das Stunden dauern kann. Nach der Paarung legen beide Tiere Eier in den Boden, oft in feuchten, geschützten Bereichen. Die Anzahl der Eier kann von wenigen Dutzend bis zu mehreren Hundert reichen, abhängig von der Art und Größe der Schnecke.
Die Entwicklung der Jungschnecken aus den Eiern hängt stark von der Umgebungstemperatur und der Feuchtigkeit ab. In warmen, feuchten Perioden können sich die Eier relativ schnell entwickeln, was zu einer raschen Zunahme der Schneckenpopulation führen kann. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Populationen entwickeln, ist oft ein wichtigerer Faktor für Gärtner als die individuelle Geschwindigkeit einzelner Tiere.
Aktivitätszeiten: Nacht, Dämmerung und Feuchtigkeit
Wie bereits erwähnt, sind die meisten Schnecken dämmerungs- und nachtaktiv. Sie verlassen ihre Verstecke, wenn die Temperaturen sinken und die Luftfeuchtigkeit steigt – typischerweise nach Einbruch der Dunkelheit oder während bewölkter, regnerischer Tage. Dies schützt sie vor Austrocknung und vor tagaktiven Fressfeinden. Ihre Geschwindigkeit ist in diesen Phasen oft am höchsten, wenn sie auf der Suche nach Nahrung oder einem Partner sind. Die Schleimspur, die sie hinterlassen, ist ein klarer Indikator für ihre nächtlichen Wanderungen.
Die Fortpflanzung erfolgt meist durch Zwitter, die Eier ablegen, und die Aktivität der Schnecken ist stark an feuchte und kühle Bedingungen, insbesondere die Nacht, gebunden.
Die Kenntnis dieser Aktivitätszeiten ist entscheidend, wenn man versucht, Schnecken zu bekämpfen. Ein nächtlicher Rundgang durch den Garten mit einer Taschenlampe ist oft weitaus effektiver, um die Tiere einzusammeln, als eine Suche am helllichten Tag, an dem sie sich versteckt halten. Ebenso sind die Zeiten nach starkem Regen oft Höhepunkte ihrer Aktivität.
