Die Wachstumsdynamik von Clematis verstehen
Die Frage, wie schnell Clematis wächst, beschäftigt viele Gartenfreunde, die sich nach einer üppig blühenden und rasch wachsenden Kletterpflanze sehnen. Grundsätzlich zeigt Clematis ein beachtliches Wachstumspotenzial, doch die tatsächliche Geschwindigkeit ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Während manche Sorten im ersten Pflanzjahr bereits erstaunliche Höhen erklimmen und dichte Blattmasse entwickeln, benötigen andere mehr Geduld, um sich zu entfalten und ihre volle Pracht zu entfalten. Das Verständnis dieser Unterschiede ist entscheidend, um realistische Erwartungen zu setzen und die Pflanze optimal zu unterstützen.
Faktoren wie die spezifische Clematis-Sorte, die Bodenbeschaffenheit, die Lichtverhältnisse, die Bewässerung und die Nährstoffversorgung spielen eine Schlüsselrolle. Eine gut etablierte Pflanze, die unter idealen Bedingungen gedeiht, wird naturgemäß zügiger wachsen als eine, die mit Widrigkeiten kämpft. Die meisten Clematis-Arten gehören zu den Starkzehrern, was bedeutet, dass sie für ein gesundes und schnelles Wachstum ausreichend Nährstoffe benötigen. Beachten Sie, dass das Wachstum oft mit der Blütezeit und der Art des Rückschnitts korreliert, was die Komplexität der Pflege noch erhöht.
- Clematis-Wachstum variiert stark nach Sorte und Standort.
- Ideale Bedingungen fördern rascheres Höhenwachstum und Laubentwicklung.
- Boden, Licht, Wasser und Nährstoffe sind entscheidende Wachstumstreiber.
- Geduld ist bei einigen Sorten für volle Entfaltung notwendig.
Die Klärung dieser variablen Einflussgrößen ermöglicht es Ihnen, Ihre Clematis gezielt zu fördern und sich über ein dynamisches Gedeihen freuen zu können. Bevor wir uns tiefer in die einzelnen Aspekte vertiefen, ist es wichtig zu betonen, dass Clematis zwar schnellwüchsig sein kann, aber dennoch eine gewisse Etablierungsphase benötigt, bevor sie ihr volles Potenzial entfaltet. Das bedeutet, dass die ersten ein bis zwei Jahre oft von der Ausbildung eines kräftigen Wurzelsystems und einem soliden Grundgerüst geprägt sind.
Sortenvielfalt und ihre Wachstumsraten
Die schiere Vielfalt an Clematis-Sorten ist faszinierend und beeinflusst maßgeblich, wie schnell Ihre Kletterpflanze wächst. Grundsätzlich lassen sich die Sorten grob in Gruppen einteilen, deren typische Wachstumsdynamik sich unterscheidet. Frühjahrsblühende Sorten wie die Clematis alpina oder Clematis macropetala neigen oft zu einem eher gemächlichen, aber stetigen Wachstum und erreichen selten die Ausmaße manch später blühender Hybriden. Sie sind eher für kleinere Rankgerüste oder die Integration in Sträucher geeignet, da sie nicht den extremen Wuchsdrang mancher anderer Arten aufweisen.
Ganz anders verhält es sich mit den beliebten großblumigen Hybriden, die oft als die wahren Kletterkünstler gelten. Sorten aus den Gruppen der Viticella (z. B. 'The President', 'Nelly Moser' – obwohl diese oft anders zugeordnet wird, gehört sie zu den frühen Hybriden), Jackmanii oder Patens können im guten Boden und bei optimaler Pflege im vollen Gartenjahr durchaus 1 bis 2 Meter an neuem Zuwachs entwickeln. Das bedeutet, dass eine etablierte Pflanze im dritten oder vierten Standjahr beeindruckende Höhen von 3 bis 5 Metern, manchmal sogar mehr, erreichen kann. Diese Sorten sind ideal für hohe Pergolen, Hauswände oder robuste Spalieren, die ihrem kräftigen Wuchs standhalten können.
Unterschiede bei früh- und spätblühenden Sorten
Die Unterscheidung zwischen Frühjahrs-, Sommer- und Herbstblühern ist nicht nur für den Blütezeitpunkt relevant, sondern auch für das Wachstumsmuster. Während die frühen Blüten an altem Holz entstehen und somit oft weniger aggressives Neuaustreiben im Frühjahr zeigen, investieren die spätblühenden Sorten ihre Energie primär in die Bildung von neuem Rankenmaterial, das dann im Sommer oder Herbst blüht. Dieses Neuaustreiben kann im Frühjahr sehr dynamisch sein. Beispielsweise kann eine Clematis viticella im späten Frühjahr mit dem Austreiben beginnen und bis zum Sommer bereits signifikant an Länge gewinnen, oft mehrere Meter.
Die Wahl der richtigen Sorte ist somit die erste und eine der wichtigsten Entscheidungen für die erwartete Wachstumsgeschwindigkeit. Recherchieren Sie gezielt die Wuchshöhe und -breite Ihrer Wunschsorte. Eine Clematis montana beispielsweise ist bekannt für ihren sehr schnellen Wuchs und kann in kurzer Zeit ganze Pergolen überwuchern, bringt aber auch einen entsprechend starken Rückschnittbedarf mit sich.
Optimale Bedingungen für dynamisches Wachstum
Damit Ihre Clematis ihr Potenzial voll ausschöpfen und kräftig wachsen kann, sind die richtigen Standort- und Pflegebedingungen unerlässlich. Eine Faustregel besagt: Füße im Schatten, Kopf in der Sonne. Dies bedeutet, dass die Wurzeln der Clematis kühl und feucht gehalten werden sollten, geschützt vor direkter Sonneneinstrahlung durch andere Pflanzen oder eine Mulchschicht. Der oberirdische Teil der Pflanze, besonders die Blüten und Blätter, profitiert hingegen von ausreichend Licht, idealerweise von Morgensonne bis Nachmittagssonne. Volle Südausrichtung den ganzen Tag über kann für manche Sorten zu intensiv sein, besonders in heißen Sommern.
Der Boden spielt eine entscheidende Rolle. Clematis bevorzugt tiefgründige, gut durchlässige und nährstoffreiche Böden. Ein pH-Wert im leicht sauren bis neutralen Bereich (ca. 5,5 bis 7,0) ist optimal. Staunässe ist der größte Feind der Clematis, da sie zu Wurzelfäule führen kann. Stellen Sie sicher, dass das Wasser gut abfließen kann. Bei der Pflanzung ist es ratsam, den Boden mit Kompost oder gut verrottetem Dung anzureichern, um den Nährstoffbedarf der Starkzehrer von Anfang an zu decken und das Wurzelwachstum zu fördern.
Wasserbedarf und Bewässerungstaktiken
Eine gleichmäßige Wasserversorgung ist besonders in der Anwachsphase und während trockener Perioden wichtig. Der Wasserbedarf steigt mit dem Alter und der Größe der Pflanze sowie bei hohen Temperaturen. Gießen Sie tief und durchdringend, anstatt nur oberflächlich, um die Pflanzen anzuregen, tiefere Wurzeln zu bilden. Eine Mulchschicht hilft, die Feuchtigkeit im Boden zu halten und die Wurzelzone kühl zu bewahren. Vermeiden Sie jedoch, den Stamm direkt zu bedecken, um Fäulnis vorzubeugen.
Unterstützen Sie das Wurzelwachstum durch regelmäßiges Lockern der obersten Bodenschicht und durch das Entfernen von Unkraut, das der Clematis Nährstoffe und Wasser entziehen könnte.
Die richtige Pflanzungstiefe ist ebenfalls entscheidend für ein kräftiges Fundament. Setzen Sie die Clematis etwas tiefer, als sie im Topf stand – etwa 5-10 cm unterhalb der Oberfläche. Dies schützt die empfindlichen Knospen, aus denen neue Triebe entstehen, vor Frost und Trockenheit und fördert die Bildung neuer Triebe aus dem unteren Teil des Stängels, was zu einem dichteren Wuchs führt.
Düngung: Der Nährstoffschub für schnelles Wachstum
Clematis sind bekannt als Starkzehrer, was bedeutet, dass sie für ein üppiges Wachstum und reiche Blüte eine kontinuierliche Versorgung mit Nährstoffen benötigen. Ein Mangel an wichtigen Elementen wie Stickstoff, Phosphor und Kalium kann das Wachstum erheblich verlangsamen und die Blütenbildung beeinträchtigen. Daher ist eine angepasste Düngung ein Schlüssel zur Förderung einer dynamischen Entwicklung.
Im Frühjahr, wenn das neue Wachstum beginnt, ist eine stickstoffbetonte Düngung ratsam, um die Blatt- und Triebbildung zu stimulieren. Ein organisch-mineralischer Dünger, der schnell verfügbare und gleichzeitig lang wirkende Nährstoffe liefert, ist hierfür gut geeignet. Achten Sie auf Dünger, die speziell für Kletterpflanzen oder blühende Stauden ausgewiesen sind. Diese enthalten oft ein ausgewogenes Verhältnis von Hauptnährstoffen sowie wichtige Spurenelemente.
Zeitpunkte und Arten der Düngung
Die erste Düngung erfolgt am besten im zeitigen Frühjahr, sobald die ersten Austriebe sichtbar werden. Eine zweite Gabe erfolgt nach der ersten Blüte, besonders bei Sorten, die mehrmals im Jahr blühen, um die Nachblüte zu fördern. Hier kann ein Kalium-betonterer Dünger hilfreich sein, um die Blütenbildung zu unterstützen.
Die Düngung kann in Form von Granulaten erfolgen, die in den Boden eingearbeitet werden, oder als flüssige Dünger, die mit dem Gießwasser verabreicht werden. Achten Sie bei flüssigen Düngern auf die angegebene Konzentration, um eine Überdüngung zu vermeiden, die ebenfalls schädlich sein kann. Organische Dünger wie Kompost oder Hornspäne können ebenfalls verwendet werden und verbessern zusätzlich die Bodenstruktur. Sie geben ihre Nährstoffe langsamer frei und sind somit eine gute Ergänzung.
Eine Überdüngung, insbesondere mit zu viel Stickstoff, kann zu übermäßigem, weichem Triebwachstum führen, das anfälliger für Krankheiten und Frost ist.
Das richtige Clematis düngen unterstützt nicht nur das aktuelle Wachstum, sondern stärkt die Pflanze auch für die kommenden Jahreszeiten.
Der Einfluss von Schnitt und Pflege auf die Wuchsgeschwindigkeit
Obwohl der Rückschnitt oft mit der Formgebung und Blütezeit in Verbindung gebracht wird, hat er auch einen direkten Einfluss darauf, wie schnell und kräftig Ihre Clematis im Folgejahr oder sogar im selben Jahr weiterwächst. Die Art und der Zeitpunkt des Schnitts hängen stark von der jeweiligen Clematis-Gruppe ab, zu der die Pflanze gehört. Diese Gruppierung ist entscheidend, um die spezifischen Bedürfnisse jeder Sorte zu verstehen und die Wachstumsdynamik optimal zu beeinflussen.
Clematis werden typischerweise in drei Hauptgruppen eingeteilt: Gruppe 1 (blüht an altem Holz, oft im späten Winter/frühen Frühjahr), Gruppe 2 (blüht an altem und neuem Holz, oft im späten Frühjahr/frühen Sommer) und Gruppe 3 (blüht ausschließlich an neuem Holz, oft im Sommer/Herbst). Ein falscher Schnitt kann dazu führen, dass die Pflanze im nächsten Jahr weniger oder gar nicht blüht und dadurch möglicherweise auch weniger kräftig austreibt.
Schnittgruppen und ihre Auswirkungen
Für eine Clematis, die schnell und kräftig wachsen soll, ist es oft von Vorteil, sie in die dritte Schnittgruppe einzuordnen oder Sorten zu wählen, die dieser Gruppe ähneln. Diese Pflanzen werden im späten Winter oder frühen Frühjahr stark zurückgeschnitten, oft auf nur ein bis zwei Knospenpaare über dem Boden. Dies zwingt die Pflanze, aus dem verbleibenden Holz kräftige neue Triebe zu bilden, die dann im Laufe des Jahres schnell in die Höhe schießen können. Diese Methode fördert ein energisches Neuaustreiben und damit ein sichtbares Wachstum.
Bei Sorten der zweiten Gruppe ist ein moderater Schnitt empfehlenswert, um die Blüte zu fördern und die Pflanze in Form zu halten, ohne das Wachstum zu stark zu reduzieren. Bei der ersten Gruppe ist ein leichter Auslichtungsschnitt nach der Blüte meist ausreichend, um die Pflanze vital zu halten und ihr Wachstum nicht zu hemmen. Grundsätzlich gilt: Je mehr Energie die Pflanze für die Blütenbildung aufwenden muss (bei frühblühenden Sorten), desto weniger bleibt möglicherweise für aggressives Neuaustreiben im selben Jahr übrig. Spätblüher hingegen konzentrieren ihre Energie auf das Triebwachstum.
Das Entfernen verblühter Blütenstände kann bei einigen Sorten eine zweite Blüte anregen, was indirekt das Wachstum fördert, indem die Pflanze weiterhin aktiv bleibt.
Die Rolle des Wurzelsystems für ein kräftiges Wachstum
Das Fundament jeder gesunden und schnell wachsenden Pflanze ist ihr Wurzelsystem. Bei Clematis ist dies nicht anders. Ein starkes, gut entwickeltes Wurzelsystem versorgt die oberirdischen Teile nicht nur mit Wasser und Nährstoffen, sondern verankert die Pflanze auch fest im Boden und speichert Energie für neues Wachstum. Mangelhafte Wurzelentwicklung ist eine häufige Ursache für schleppendes Wachstum, auch wenn die oberirdischen Bedingungen vermeintlich stimmen.
Wie bereits erwähnt, reagiert Clematis empfindlich auf Staunässe. Ein durchlässiger Boden ist daher absolut entscheidend. Wenn der Boden verdichtet ist oder schlecht entwässert, können die Wurzeln nicht richtig atmen und wachsen, was zu Problemen wie Wurzelfäule führen kann. Dies verlangsamt nicht nur das Wachstum, sondern kann die Pflanze langfristig schädigen oder sogar zum Absterben bringen. Die richtige Pflanztiefe von 5-10 cm unter der Erdoberfläche hilft, die empfindliche Basis des Stängels zu schützen und stimuliert die Bildung neuer Wurzeln aus den tieferliegenden Teilen.
Förderung eines gesunden Wurzelwachstums
Um das Wurzelwachstum gezielt zu fördern, sollten Sie bei der Pflanzung von Clematis auf eine gute Bodenvorbereitung achten. Mischen Sie den Aushub mit reichlich Kompost, gut verrottetem Mist oder speziellem Wurzeldünger. Dies verbessert nicht nur die Bodenstruktur und die Nährstoffversorgung, sondern regt auch die Aktivität von Bodenorganismen an, die für ein gesundes Wurzelmilieu sorgen. Das Einbringen von Sand kann bei sehr schweren Lehmböden die Drainage verbessern.
Das Ausbringen einer dicken Mulchschicht (ohne direkten Kontakt zum Hauptstamm) schützt die Wurzeln vor extremen Temperaturen – sowohl vor Hitze im Sommer als auch vor starkem Frost im Winter – und sorgt für eine gleichmäßigere Bodenfeuchtigkeit. Dies ist besonders wichtig für junge Pflanzen, deren Wurzelsystem noch nicht vollständig ausgebildet ist. Eine gut isolierte Wurzelzone führt zu einem konstanteren Wachstum.
Regelmäßiges, aber vorsichtiges Auflockern der obersten Bodenschicht hilft, die Sauerstoffzufuhr zu den Wurzeln zu verbessern und verhindert, dass eine harte Kruste die Ausbreitung der Wurzeln behindert.
Häufige Wachstumshemmnisse und wie man sie überwindet
Manchmal scheint die Clematis trotz aller Bemühungen nicht so schnell zu wachsen, wie man es sich erhofft. Es gibt eine Reihe von häufigen Wachstumshemmnissen, die oft übersehen werden oder deren Ursachen nicht sofort ersichtlich sind. Das Erkennen und Beheben dieser Probleme ist entscheidend, um das volle Wachstumspotenzial Ihrer Pflanze freizusetzen.
Einer der häufigsten Übeltäter ist unzureichende Wasserversorgung. Obwohl Clematis tief wurzelt, benötigt sie in den ersten Jahren und während Trockenperioden regelmäßiges Gießen. Ein ausgetrockneter Boden führt zu Stress, Blattvergilbung und einem deutlichen Wachstumsstopp. Umgekehrt ist Staunässe, wie bereits mehrfach erwähnt, ebenfalls verheerend für die Wurzelgesundheit und damit für das gesamte Wachstum. Die Balance ist hier der Schlüssel.
Schädlinge, Krankheiten und ihre Auswirkungen
Clematis sind zwar relativ robust, können aber anfällig für bestimmte Schädlinge und Krankheiten sein, die ihr Wachstum beeinträchtigen. Blattläuse, Spinnmilben oder Schnecken können junge Triebe und Blätter schädigen und so das Wachstum verlangsamen. Ein Befall kann durch regelmäßige Kontrolle und gegebenenfalls durch biologische oder chemische Pflanzenschutzmittel bekämpft werden. Achten Sie auf die ersten Anzeichen eines Befalls, um schnell reagieren zu können.
Die *Clematis-Welke* (verticillium wilt) ist eine ernsthafte Pilzkrankheit, die zum plötzlichen Absterben von Trieben oder der gesamten Pflanze führen kann. Sie ist oft im Boden vorhanden und kann durch ungünstige Wachstumsbedingungen wie Staunässe begünstigt werden. Wenn Ihre Clematis vertrocknet schneiden müssen, sollten Sie die betroffenen Triebe tief abschneiden und für gute Belüftung und Drainage sorgen. Leider gibt es gegen diese Krankheit oft keine einfache Heilung, und der Austausch der Pflanze oder ein Bodenaustausch kann notwendig sein, wenn die Krankheit wiederkehrt.
Ein häufiger Fehler ist das Pflanzen von Clematis in unmittelbarer Nähe zu großen, wuchsfreudigen Bäumen oder Sträuchern, die mit ihr um Wasser und Nährstoffe konkurrieren.
Das Erkennen von Clematis Krankheiten Bilder online kann helfen, Probleme frühzeitig zu identifizieren und die richtigen Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Wie schnell erreicht Clematis ihre Endhöhe?
Die Frage, wie schnell Clematis ihre Endhöhe erreicht, ist schwer pauschal zu beantworten, da sie von vielen Faktoren abhängt, allen voran von der spezifischen Sorte. Grundsätzlich ist Clematis keine Pflanze, die innerhalb eines Jahres ihre volle Lebenshöhe erreicht. Vielmehr handelt es sich um einen Prozess, der sich über mehrere Jahre erstreckt und bei dem die Pflanze mit jedem Jahr an Substanz und Höhe gewinnt.
Im ersten Standjahr konzentriert sich die Pflanze hauptsächlich auf die Etablierung ihres Wurzelsystems und bildet oft nur wenige, eher schwache Triebe aus. Das Hauptziel ist hier die Stabilität und die Vorbereitung auf zukünftiges Wachstum. Man kann im ersten Jahr durchaus mit 0,5 bis 1 Meter Zuwachs rechnen, je nach Sorte und Startpunkt, aber das ist oft nur ein Bruchteil des späteren Potentials.
Ein Zeitplan für das Wachstum
Im zweiten und dritten Standjahr zeigt sich dann das eigentliche Wachstumspotenzial. Sorten, die für ihren schnellen Wuchs bekannt sind, können in diesen Jahren durchaus 1 bis 2 Meter, manchmal sogar mehr, an neuem Triebmaterial pro Saison entwickeln. Eine Sorte, die letztendlich eine Höhe von 4 bis 5 Metern erreichen soll, wird dies wahrscheinlich im dritten bis fünften Standjahr unter guten Bedingungen erreicht haben. Starkwüchsige Sorten wie Clematis montana können in extrem günstigen Fällen sogar schon im zweiten Jahr beeindruckende Längen zeigen.
Das Erreichen der "Endhöhe" ist oft eher ein Zeichen dafür, dass die Pflanze ihr genetisches Potenzial unter den gegebenen Bedingungen erreicht hat, und nicht unbedingt ein absolutes Limit. Gut gepflegte und gesunde Pflanzen können über viele Jahre hinweg weiterwachsen und sich vergrößern, auch wenn die jährliche Zuwachsrate dann möglicherweise etwas moderater wird.
Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass die Wuchshöhe oft durch den zur Verfügung stehenden Kletterplatz begrenzt wird. Wenn eine Clematis ihr Klettergerüst überwuchert, wird sie sich möglicherweise anders ausbreiten oder das Wachstum verlangsamen, als wenn sie konstant nach oben geführt werden kann.
Clematis vermehren und überwintern: Wichtige Aspekte
Die erfolgreiche Vermehrung und Überwinterung Ihrer Clematis sind ebenfalls eng mit ihrem Wachstum und ihrer Vitalität verknüpft. Eine gut entwickelte und gesunde Pflanze lässt sich leichter vermehren und übersteht die kalten Monate besser. Umgekehrt können Probleme bei der Vermehrung oder Überwinterung das nachfolgende Wachstum beeinträchtigen.
Die Vermehrung von Clematis kann auf verschiedene Arten erfolgen, am gebräuchlichsten sind Teilung, Stecklinge und Absenker. Die Teilung ist eine Methode, bei der ältere Pflanzen im Frühjahr oder Herbst ausgegraben und vorsichtig in mehrere Teile getrennt werden, jeder mit eigenen Wurzeln und Trieben. Dies ist oft am einfachsten bei Sorten, die nicht zu tief oder zu aggressiv wurzeln. Die beste Zeit hierfür ist das Frühjahr, wenn die neuen Triebe gerade beginnen auszutreiben. Ein gut geteilter Wurzelballen ermöglicht es den neuen Pflanzen, zügig anzuwachsen und ihr Wachstum wieder aufzunehmen.
Clematis überwintern: Schutz vor Kälte
Der Winterschutz ist für junge und empfindliche Clematis-Sorten besonders wichtig. Während viele etablierte Sorten mit einer guten Mulchschicht um den Wurzelbereich gut winterhart sind, benötigen jüngere Pflanzen oder solche mit einem geringeren Härtegrad zusätzlichen Schutz. Dies kann durch das Anhäufen von Laub, Reisig oder speziellem Winterschutzvlies um die Basis der Pflanze geschehen. Wichtig ist, dass die oberirdischen Triebe nicht zu dicht eingepackt werden, um Fäulnis zu vermeiden.
Für ein erfolgreiches Überwintern Clematis ist es essenziell, die Pflanze nicht zu spät im Jahr zu düngen, da dies zu einem späten, frostempfindlichen Austrieb führen könnte.
Das Entfernen von verblühten Samenständen im Herbst kann ebenfalls sinnvoll sein, um die Energie der Pflanze auf die Wurzelentwicklung zu lenken und die Winterhärte zu verbessern.
Fazit: Geduld und Pflege sind der Schlüssel zum schnellen Wuchs
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Frage, wie schnell Clematis wächst, keine einfache Zahl als Antwort zulässt. Es ist ein dynamischer Prozess, der von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird. Die Wahl der richtigen Sorte ist dabei oft der erste und wichtigste Schritt. Frühjahrsblüher zeigen oft einen gemäßigteren Wuchs als die üppigen Sommer- und Herbstblüher, die für ihre rasante Kletterei bekannt sind.
Optimale Bedingungen – ein kühler, feuchter, aber gut durchlüfteter Wurzelbereich im Halbschatten, kombiniert mit einer sonnigen Krone, sowie ein nährstoffreicher Boden – sind die Grundvoraussetzung für dynamisches Wachstum. Eine angepasste und regelmäßige Düngung versorgt die Pflanze mit den nötigen Bausteinen, um kräftige Triebe zu bilden. Der richtige Schnitt, je nach Schnittgruppe, kann das Wachstum stimulieren oder die Blüte optimieren, wobei ein starker Rückschnitt bei spätblühenden Sorten oft zu einem energischeren Neuaustrieb führt.
Die Entwicklung eines robusten Wurzelsystems ist das Fundament für jeden schnellen Zuwachs.
Auch wenn es keine magische Formel für sofortiges Wachstum gibt, so ist doch Geduld gepaart mit aufmerksamer Pflege und dem Verständnis für die Bedürfnisse Ihrer Clematis der Schlüssel. Wenn Sie diese Prinzipien beherzigen, werden Sie mit einer gesunden, üppig blühenden und beeindruckend schnell wachsenden Kletterpflanze belohnt, die Ihr Gartenbild über Jahre hinweg bereichern wird.
