Die Essenz des Bokashi Kompostierens: Mehr als nur Abfallentsorgung

Einen Bokashi Eimer selber machen bedeutet, die Lücke zwischen dem Wunsch nach nachhaltiger Abfallverwertung und den Kosten für kommerzielle Systeme zu schließen. Bokashi ist kein klassisches Kompostieren, sondern ein anaerober Fermentationsprozess, der Küchenabfälle wie Fleischreste, Milchprodukte und gekochte Speisen – Dinge, die in einem traditionellen Komposthaufen oft Probleme bereiten – in nährstoffreichen Flüssigdünger und fermentiertes Material verwandelt, das den Boden bereichert.

Der Kern dieses Prozesses liegt in der Verwendung von Bokashi-Starterkulturen, die spezifische Mikroorganismen enthalten. Diese verdrängen schädliche Fäulnisbakterien und sorgen stattdessen für eine milchsaure Gärung. Das Ergebnis ist ein hygienisches, geruchsarmes Fermentat, das sich hervorragend zur Bodenverbesserung eignet oder den Beginn eines herkömmlichen Komposthaufens beschleunigt.

Der eigene Bokashi Eimer ist dabei nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern Teil einer bewussteren Lebensweise. Sie reduzieren aktiv Ihren Müll, gewinnen wertvolle Ressourcen für Ihre Pflanzen und tragen aktiv zur Kreislaufwirtschaft im Kleinen bei. Die Entscheidung, einen Bokashi Eimer selber zu machen, ist somit eine Investition in eine grünere Zukunft – direkt in Ihrer Küche.

  • Bokashi Eimer selber machen ist eine kostengünstige Alternative zu gekauften Systemen.
  • Der Prozess nutzt Fermentation, nicht Verrottung, um organische Abfälle zu verarbeiten.
  • Fleisch, Milchprodukte und gekochte Speisen können sicher fermentiert werden.
  • Das Ergebnis ist flüssiger Dünger und fermentierter Kompost zur Bodenverbesserung.
  • Es ist ein Schritt zu mehr Nachhaltigkeit und Abfallreduktion im Haushalt.

Materialien für Ihren individuellen Bokashi Eimer

Um einen funktionalen Bokashi Eimer selbst zu bauen, benötigen Sie nicht viele exotische Materialien. Das Prinzip basiert auf zwei dicht aufeinanderliegenden Behältern: Der obere nimmt die Abfälle und den Bokashi-Spreu auf, während der untere die nährstoffreiche Flüssigkeit, den sogenannten Bokashi-Saft, auffängt.

Die Behälter: Das Herzstück Ihres DIY-Projekts

Ideal sind zwei identische, lebensmittelechte Kunststoffbehälter mit gut schließenden Deckeln. Diese sollten etwa 10 bis 20 Liter Volumen haben, was für einen durchschnittlichen Haushalt ausreichend ist. Wichtig ist, dass ein Behälter exakt in den anderen passt, sodass ein kleiner Spalt zwischen Boden und Seitenwand des oberen Behälters entsteht, wenn dieser im unteren steht. So kann die Flüssigkeit abtropfen. Achten Sie darauf, dass die Deckel der Behälter dicht schließen, um die anaeroben Bedingungen zu gewährleisten.

Der Hahn: Für den einfachen Saft-Zugang

Ein wichtiger Bestandteil ist ein Hahn für den unteren Behälter. Dieser ermöglicht es Ihnen, den Bokashi-Saft bequem abzulassen, ohne den oberen Behälter anheben zu müssen. Ein kleiner, auslaufsicherer Kunststoffhahn ist hierfür bestens geeignet. Achten Sie beim Kauf darauf, dass er mit lebensmittelechtem Gewinde versehen ist, falls Sie unsicher bezüglich der Materialien sind.

Bokashi-Spreu: Der Schlüssel zur Fermentation

Neben den Behältern benötigen Sie Bokashi-Starterkulturen, meist in Form von „Bokashi-Spreu“. Dies ist im Grunde ein Trägermaterial (oft Sägemehl, Kleie oder Kokosfasern), das mit effektiven Mikroorganismen (EM) besprüht wurde. Diese Kultur ist essenziell für den Fermentationsprozess. Sie können fertige Bokashi-Spreu kaufen oder theoretisch auch eigene Kulturen ansetzen, was jedoch deutlich aufwendiger ist und spezielle Kenntnisse erfordert.

Werkzeug und Zubehör

Des Weiteren sollten Sie einige Werkzeuge bereithalten: Eine Bohrmaschine mit einem passenden Bohrer für den Hahn und gegebenenfalls kleine Löcher im oberen Behälterboden, eine Stichsäge oder ein scharfes Messer, um eventuelle Anpassungen vorzunehmen, sowie ein Dichtungsband (z.B. Teflonband) für den Hahnanschluss, um Lecks zu vermeiden.

Die Wahl der Behälter ist flexibel, solange die Grundprinzipien – Stapelbarkeit, Dichtigkeit des oberen Deckels und ein Ablauf für die Flüssigkeit – erfüllt sind. So können Sie Ihr Bokashi-System individuell an Ihre Bedürfnisse und die verfügbaren Ressourcen anpassen.

Befestigen Sie den Hahn am unteren Eimer so, dass er gut zugänglich ist, aber nicht den Boden des oberen Eimers berührt, wenn dieser hineingestellt wird. Prüfen Sie die Dichtheit des Hahns gründlich, bevor Sie den Eimer befüllen.

Die Methode: Schritt für Schritt zum eigenen Bokashi Eimer

Die Konstruktion Ihres Bokashi Eimers ist ein überschaubares Projekt. Mit den richtigen Schritten verwandeln Sie einfache Behälter in ein effektives Fermentationssystem.

Schritt 1: Vorbereitung der Behälter

Reinigen Sie beide Behälter gründlich. Falls Ihre Behälter sehr glatt sind, kann es hilfreich sein, die Innenwand des oberen Behälters leicht anzurauen, damit sich die Bokashi-Spreu besser anhaftet. Der entscheidende Schritt ist die Montage des Hahns. Bohren Sie am unteren Behälter, etwa 5-10 cm über dem Boden, ein Loch, das dem Durchmesser Ihres Hahns entspricht. Führen Sie den Hahn durch das Loch und dichten Sie ihn sorgfältig mit dem mitgelieferten Zubehör oder zusätzlichem Dichtungsband ab. Stellen Sie sicher, dass der Hahn fest sitzt und nicht tropft.

Schritt 2: Schaffung des Flüssigkeitsabflusses

Im oberen Behälter muss ein Loch oder mehrere kleine Löcher für den Abfluss der Flüssigkeit geschaffen werden. Bohren Sie dazu einige kleine Löcher (ca. 3-5 mm Durchmesser) gleichmäßig im Boden des oberen Behälters. Alternativ können Sie auch ein größeres Loch bohren und dieses mit einem feinen Sieb abdecken, um zu verhindern, dass Bokashi-Material durchfällt. Der Abstand zwischen dem oberen und unteren Behälter sollte so bemessen sein, dass genug Platz für den Flüssigkeitsauffangbehälter bleibt, aber der obere Behälter nicht zu wackelig im unteren sitzt.

Schritt 3: Der Deckel und die anaerober Abschluss

Der Deckel des oberen Behälters ist entscheidend für den anaeroben Prozess. Er muss so dicht wie möglich schließen. Wenn Ihr Deckel eine Gummidichtung hat, ist das ideal. Falls nicht, können Sie eine Dichtung selbst anbringen oder darauf achten, dass er fest aufliegt. Ein fest schließender Deckel verhindert den Eintritt von Sauerstoff und die Austrocknung des Materials.

Schritt 4: Die erste Befüllung und Aktivierung

Nachdem Ihr Bokashi Eimer fertig konstruiert ist, kann es losgehen. Geben Sie eine dünne Schicht Bokashi-Spreu auf den Boden des oberen Behälters. Füllen Sie nun Ihre Küchenabfälle (klein geschnitten beschleunigt den Prozess) hinein und verteilen Sie darüber wieder eine Schicht Bokashi-Spreu. Das Verhältnis von Abfall zu Spreu sollte etwa 1:20 sein (z.B. 1 kg Abfall auf 50g Spreu). Drücken Sie die Schicht gut an, um möglichst viel Luft herauszupressen. Verschließen Sie den Deckel luftdicht.

Schritt 5: Der Prozess und die Saftentleerung

Füllen Sie den Eimer schichtweise wie beschrieben weiter, bis er etwa zu zwei Dritteln gefüllt ist. Nun muss der Eimer für etwa zwei Wochen bei Raumtemperatur fermentieren. Während des Fermentationsprozesses sammelt sich Flüssigkeit im unteren Behälter. Diesen Bokashi-Saft sollten Sie alle 2-3 Tage ablassen. Verdünnen Sie den Saft mit Wasser (etwa 1:100) und verwenden Sie ihn als nährstoffreichen Flüssigdünger für Ihre Pflanzen oder gießen Sie ihn auf Ihren Komposthaufen, um dessen Aktivität zu fördern.

Wenn der obere Eimer voll ist, lassen Sie ihn für zwei Wochen ruhen. Der Inhalt wird nun zu fermentiertem Material, das ideal für die Bodenverbesserung ist. Sie können den Prozess mit einem zweiten Eimer fortsetzen, während der erste reift.

Der Bau eines eigenen Bokashi Eimers ist ein lohnendes Projekt, das Ihnen hilft, Ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern und gleichzeitig wertvolle Ressourcen für Ihren Garten zu schaffen.

Optimale Bedingungen und häufige Fehler vermeiden

Damit Ihr selbstgebauter Bokashi Eimer die bestmöglichen Ergebnisse liefert, sind einige Details entscheidend. Die Anaerobie ist das A und O des Bokashi-Verfahrens, und kleine Nachlässigkeiten können den Prozess stören.

Die Temperatur: Wohlfühltemperatur für Mikroorganismen

Die Bokashi-Mikroorganismen arbeiten am besten bei Raumtemperatur, idealerweise zwischen 18 und 25 Grad Celsius. Extreme Kälte verlangsamt den Prozess erheblich, während zu hohe Temperaturen die Mikroben schädigen könnten. Stellen Sie Ihren Eimer daher nicht in pralle Sonne oder in einen unbeheizten Keller im Winter. Eine konstante, moderate Temperatur fördert die schnelle und effektive Fermentation.

Luftdichtigkeit: Sauerstoff ist der Feind

Dies ist der kritischste Punkt. Jedes Eindringen von Sauerstoff kann dazu führen, dass unerwünschte Fäulnisbakterien die Oberhand gewinnen. Überprüfen Sie regelmäßig die Dichtigkeit des Deckels. Achten Sie auch auf den Hahnanschluss und dichten Sie gegebenenfalls nach. Ein leichter Geruch nach Essig oder Gärung ist normal, ein fauliger Geruch deutet auf Probleme hin.

Die richtige Menge an Bokashi-Spreu

Eine Unterdosierung der Bokashi-Spreu ist ein häufiger Fehler. Zu wenig Spreu bedeutet, dass nicht genügend Mikroorganismen vorhanden sind, um den Fermentationsprozess effektiv zu starten und aufrechtzuerhalten. Wenn Sie unsicher sind, verwenden Sie lieber etwas mehr Spreu als zu wenig. Die Spreu bindet auch überschüssige Feuchtigkeit und hilft, Gerüche zu neutralisieren.

Flüssigkeitsmanagement: Regelmäßiges Ablassen des Saftes

Der Bokashi-Saft muss regelmäßig abgelassen werden, da er sonst den Boden des oberen Behälters überschwemmt. Dies unterbricht die anaeroben Bedingungen und kann zu Fäulnis führen. Nutzen Sie den Saft als Flüssigdünger – er ist ein wertvolles Nebenprodukt Ihres Bokashi-Systems.

Die Beschaffenheit der Abfälle

Sehr feuchte oder sehr trockene Abfälle können den Prozess stören. Achten Sie auf ein ausgewogenes Verhältnis. Große Abfallstücke verrotten langsamer. Schneiden Sie Essensreste, insbesondere hartes Gemüse oder Obst, in kleinere Stücke, bevor Sie sie in den Eimer geben. Dies erleichtert den Mikroorganismen ihre Arbeit und sorgt für eine gleichmäßigere Fermentation.

Wenn Sie diese Punkte beachten, steht einer erfolgreichen Bokashi-Fermentation mit Ihrem selbstgebauten Eimer nichts mehr im Wege. Geduld und Sorgfalt sind die besten Begleiter bei diesem umweltfreundlichen Prozess.

Die Kunst des Bokashi liegt in der Schließung des Kreislaufs, indem Abfall zur Grundlage für neues Leben wird.

Erweiterungen und Variationen des Bokashi Eimers

Während der Grundaufbau eines Bokashi Eimers relativ simpel ist, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Ihr System anzupassen oder zu erweitern, um es noch besser auf Ihre Bedürfnisse zuzuschneiden.

Das Zwei-Eimer-System: Kontinuität sichern

Für Haushalte, die kontinuierlich Bokashi kompostieren möchten, ist die Anschaffung eines zweiten Behälters, der identisch mit dem ersten ist, die naheliegendste Variante. Sobald der erste Eimer gefüllt und für die Reifezeit beiseitegestellt wird, kann mit dem zweiten Eimer begonnen werden. Dies sorgt für einen stetigen Nachschub an fermentierten Abfällen und vermeidet Unterbrechungen im Prozess.

Größere Kapazitäten für ambitionierte Gärtner

Wenn Sie einen größeren Haushalt haben oder viele organische Abfälle produzieren, können Sie auch größere Behälter wählen. Achten Sie dabei darauf, dass die beiden Behälter immer noch gut ineinander passen und die Maße praktisch handhabbar bleiben. Eventuell müssen Sie die Bohrungen für den Hahn und den Ablauf entsprechend anpassen. Ein größerer Bokashi Eimer kann die benötigte Menge an Küchenabfällen über einen längeren Zeitraum aufnehmen, bevor er zur Reifezeit beiseitegestellt werden muss.

Luftzirkulation durch Ventil (mit Vorsicht!)

Einige experimentierfreudige Heimwerker versuchen, kleine Belüftungsventile anzubringen, um eine gewisse Luftzirkulation zu ermöglichen. Dies widerspricht jedoch dem Grundprinzip der Anaerobie. Wenn Sie dies tun möchten, stellen Sie sicher, dass das Ventil so konstruiert ist, dass es primär flüssige Gase entweichen lässt, aber den Eintritt von Sauerstoff minimiert – ähnlich wie bei manchen Gärverschlüssen. Diese Methode ist jedoch nicht für Anfänger empfohlen, da sie das Risiko der Fehlgärung erhöht.

Integrierte Siebe oder Trennsysteme

Manche DIY-Ansätze beinhalten das Einbringen von zusätzlichen Sieben oder Trennvorrichtungen im oberen Behälter, um den Abfall von der Flüssigkeit noch effektiver zu trennen. Dies kann die Abtropfgeschwindigkeit erhöhen und das Risiko des Überschwemmens des Bodens verringern. Ein einfaches feinmaschiges Sieb, das gut in den oberen Eimer passt, kann hier bereits Wunder wirken.

Dekorative Verkleidungen

Da Bokashi Eimer oft in Küchen oder sichtbaren Bereichen stehen, entscheiden sich manche dafür, ihre selbstgebauten Behälter optisch ansprechender zu gestalten. Eine Verkleidung aus Holz, Stoff oder Farbe kann den Eimer in ein stilvolles Küchenaccessoire verwandeln, das besser in die Wohnräume passt als ein einfacher Plastikeimer.

Die Wahl der Variation hängt stark von Ihren persönlichen Präferenzen, Ihrem Abfallaufkommen und Ihren handwerklichen Fähigkeiten ab. Das Wichtigste ist, dass das Kernprinzip der anaeroben Fermentation erhalten bleibt.

Experimentieren Sie mit verschiedenen Behältermaterialien oder Größen, um eine Lösung zu finden, die sowohl funktional als auch ästhetisch zu Ihrem Zuhause passt. Achten Sie jedoch stets auf Lebensmittelechtheit und Dichtigkeit.

Der Bokashi Saft: Mehr als nur Abfallprodukt

Der flüssige Auszug, der beim Bokashi-Prozess im unteren Behälter aufgefangen wird, wird oft als „Bokashi-Saft“ oder „Bokashi-Tee“ bezeichnet. Er ist ein hochwirksames Nebenprodukt und ein Beweis für die erfolgreiche Fermentation.

Was ist der Bokashi Saft?

Dieser Saft ist reich an Milchsäurebakterien, Hefen und anderen nützlichen Mikroorganismen, die durch die Fermentation des organischen Materials entstanden sind. Diese Mikroben sind in der Lage, Nährstoffe im Boden aufzuschließen und die Pflanzenaufnahme zu fördern. Er enthält außerdem leicht verfügbare Nährstoffe, die aus den zersetzten Küchenabfällen stammen.

Anwendung als Flüssigdünger

Die primäre und wertvollste Anwendung des Bokashi Saftes ist als Flüssigdünger. Er sollte jedoch verdünnt werden, bevor er an Pflanzen gegeben wird. Ein gutes Mischungsverhältnis ist 1 Teil Bokashi-Saft auf etwa 100 Teile Wasser. Zu konzentriert angewendet, kann er die Pflanzenwurzeln schädigen. Gießen Sie die verdünnte Lösung direkt an die Wurzeln Ihrer Zimmerpflanzen, Gemüsepflanzen im Garten oder Ihre Blumenbeete. Sie werden feststellen, dass Ihre Pflanzen dadurch kräftiger wachsen und gesünder bleiben.

Bodenverbesserung und Kompostbeschleunigung

Neben der direkten Düngung kann der Bokashi Saft auch dazu verwendet werden, die Aktivität Ihres herkömmlichen Komposthaufens zu steigern. Ein Aufgießen des Saftes auf den Kompost fördert die mikrobielle Aktivität und beschleunigt den Verrottungsprozess. Dies ist besonders nützlich, wenn Ihr Komposthaufen träge geworden ist oder Sie Materialien wie Äste oder Laub einarbeiten, die länger zur Zersetzung benötigen.

Wichtige Hinweise zur Lagerung und Haltbarkeit

Der Bokashi Saft ist nur begrenzt haltbar, da er lebende Mikroorganismen enthält. Bewahren Sie ihn daher kühl und dunkel auf. Nach einigen Tagen oder Wochen kann er beginnen, unangenehm zu riechen oder trüb zu werden. Dies sind Anzeichen dafür, dass die Mikroorganismen absterben. Verwenden Sie ihn am besten innerhalb von ein bis zwei Wochen nach dem Ablassen. Wenn der Saft einen üblen, fauligen Geruch entwickelt, ist er nicht mehr für die Anwendung geeignet.

Die regelmäßige Entleerung des unteren Behälters ist also nicht nur aus hygienischen Gründen wichtig, sondern auch, um diesen wertvollen „Flüssiggold“ für Ihre Pflanzen zu gewinnen. Mit jedem Zapfen des Bokashi Saftes machen Sie Ihr selbstgebautes System noch wertvoller.

Das bokashi Kompostieren: Ein Vergleich mit anderen Methoden

Um den Wert eines selbstgemachten Bokashi Eimers vollständig zu erfassen, lohnt sich ein Blick auf seine Stellung im breiteren Spektrum der Abfallverwertung. Bokashi unterscheidet sich signifikant von herkömmlichen Methoden.

Bokashi vs. Thermophile Kompostierung (Heißkompostieren)

Die thermophile Kompostierung, oft als „richtiger Kompost“ bezeichnet, basiert auf der aeroben Verrottung durch Mikroorganismen bei hohen Temperaturen. Sie eignet sich hervorragend für Gartenabfälle und Pflanzenreste. Ihre Stärke liegt in der schnellen Umwandlung großer Mengen organischer Masse und der Abtötung von Unkrautsamen und Krankheitserregern. Ihre Schwäche ist jedoch, dass sie keine Fleisch-, Fisch- oder Milchprodukte verarbeiten kann und oft viel Platz sowie ein ausgewogenes Verhältnis von „Grün“ (stickstoffreich) und „Braun“ (kohlenstoffreich) erfordert. Ein Bokashi Eimer hingegen verarbeitet auch tierische Produkte und gekochte Speisen problemlos, benötigt weniger Platz und ist auch für die Wohnung geeignet, da er geruchsarm ist. Die Herausforderung beim Bokashi ist das Nachreifen, während Thermophilie direkt zu fertigem Kompost führt.

Bokashi vs. Wurmkompostierung (Vermicomposting)

Die Wurmkompostierung nutzt spezielle Wurmarten (z.B. rote Würmer), um organische Abfälle in Humus zu verwandeln. Sie ist ebenfalls gut für Küchenabfälle geeignet und produziert wertvollen Wurmdung. Allerdings sind Würmer empfindlich gegenüber Kälte und Hitze und vertragen ebenfalls keine großen Mengen an Fleisch, Milchprodukten oder stark sauren/scharfen Abfällen. Bokashi ist hier flexibler und weniger temperaturabhängig, da es sich um Fermentation handelt und nicht um die Verdauung durch Tiere. Bokashi produziert zudem den flüssigen Saft, den Wurmkomposter in dieser Form nicht liefern.

Bokashi vs. Anaerobe Vergärung (Biogas)

Die anaerobe Vergärung ist ein industrieller Prozess, bei dem organische Abfälle unter Ausschluss von Sauerstoff zu Biogas und Gärresten umgewandelt werden. Dieser Prozess ist hochtechnisch und energieintensiv. Bokashi teilt zwar die anaerobe Natur mit der Vergärung, ist aber im Kleinen, dezentralen Maßstab konzipiert und nutzt spezifische EM-Kulturen für eine mildere Fermentation, die eher zur Bodenverbesserung als zur reinen Energiegewinnung dient. Der Prozess ist weniger aggressiv und erzeugt ein Produkt, das direkt für die Erde nutzbar ist.

Der Vorteil des selbstgemachten Bokashi Eimers

Ein selbstgebauter Bokashi Eimer kombiniert die Vorteile des Bokashi-Verfahrens – die Verarbeitung vielfältiger Küchenabfälle, Geruchsarmut und die Gewinnung von Flüssigdünger – mit der Kosteneffizienz und Anpassbarkeit einer DIY-Lösung. Er ist eine praktische Antwort auf die Frage, wie man auch ohne großen Garten oder traditionellen Kompostplatz nachhaltig mit Küchenabfällen umgehen kann. Es ist ein universelles Werkzeug für jeden Haushalt, der Wert auf Ressourcenschonung legt.

Häufige Fragen und Antworten rund um Bokashi Eimer selber machen

Viele Fragen tauchen auf, wenn man sich entschließt, einen Bokashi Eimer selbst zu bauen oder das Verfahren zu nutzen. Hier sind Antworten auf die gängigsten Anliegen:

Kann ich wirklich alles in den Bokashi Eimer geben?

Fast. Fleisch, Fisch, Milchprodukte, gekochte Speisen, Obst- und Gemüsereste, Kaffee, Tee, Eierschalen und sogar kleine Knochen sind kein Problem. Vermeiden Sie jedoch große Mengen an Flüssigkeiten, sehr ölhaltige Speisen und rein pflanzliche Abfälle, die bereits stark verrottet sind, da dies die Fermentation stören kann. Auch aschehaltige Materialien sind ungeeignet.

Wie lange dauert der Fermentationsprozess im Bokashi Eimer?

Nachdem der Eimer gefüllt ist, sollte er für etwa zwei Wochen bei Raumtemperatur fermentieren. In dieser Zeit passiert die eigentliche Umwandlung durch die Mikroorganismen. Nach der Füllung und zwei Wochen Ruhezeit ist das Material fermentiert, aber noch nicht vollständig kompostiert. Es muss danach noch im Boden oder im herkömmlichen Kompost nachreifen.

Ist der Bokashi Eimer wirklich geruchsfrei?

Ein gut funktionierender Bokashi Eimer ist weitgehend geruchsfrei. Ein leicht süßlich-säuerlicher Geruch, ähnlich dem von Essig oder Sauerteig, ist normal und erwünscht. Ein fauliger oder unangenehmer Geruch deutet auf Probleme hin, meist durch Luftzufuhr oder zu viel Feuchtigkeit. Die Dichtigkeit des Deckels und das richtige Verhältnis von Abfall zu Spreu sind hier entscheidend.

Was mache ich mit dem fermentierten Material?

Das fermentierte Material aus dem Bokashi Eimer muss noch nachreifen. Sie können es direkt in den Boden eingraben, wo es sich langsam zersetzt und den Boden mit Nährstoffen anreichert. Alternativ können Sie es auf Ihren bestehenden Komposthaufen geben, um dessen Aktivität zu beschleunigen. Die vollständige Zersetzung dauert im Boden oder Kompost mehrere Wochen.

Kann ich den Bokashi Saft direkt unverdünnt verwenden?

Nein, das sollten Sie unbedingt vermeiden. Der Bokashi Saft ist sehr konzentriert und kann bei direkter Anwendung die Pflanzenwurzeln verbrennen. Mischen Sie ihn immer mit Wasser im Verhältnis von etwa 1:100, bevor Sie ihn zum Gießen verwenden. Nur so ist er ein sicherer und nützlicher Dünger.

Brauche ich immer Bokashi-Starterkultur (Spreu)?

Ja, die Bokashi-Starterkultur ist unerlässlich. Sie liefert die spezifischen Mikroorganismen (EM – Effektive Mikroorganismen), die für die anaerobe Fermentation notwendig sind. Ohne diese Kultur findet keine Bokashi-Fermentation statt, sondern eher Fäulnis. Fertige Bokashi-Spreu ist im Handel erhältlich und für Anfänger die einfachste Option.

Was ist der Unterschied zu einem normalen Komposteimer?

Ein normaler Komposteimer ist meist aeroben (mit Luft) Verhältnissen ausgelegt und verrottet organische Abfälle. Er verarbeitet keine Fleisch- oder Milchprodukte und kann bei falscher Handhabung Gerüche entwickeln. Bokashi hingegen fermentiert (anaerob, ohne Luft) und kann auch diese Abfälle verarbeiten, was zu einem wertvollen Flüssigdünger und fermentiertem Material führt, das noch nachreifen muss.